Klassiker als moderne Romane „Shakespeare neu erzählt“ jetzt auf Deutsch

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Howard Jacobson schrieb „Shylock“.  Foto: Keke KeukelaarHoward Jacobson schrieb „Shylock“. Foto: Keke Keukelaar

Osnabrück. Spannende literarische Begegnungen: Zum 400. Todestag von William Shakespeare startet das britische Romanprojekt „Shakespeare neu erzählt“ auf Deutsch mit Howard Jacobson und Jeanette Winterson.

Shakespeare geht nie ohne Superlativ. Das gilt auch für das neue Romanprojekt, der 1917 von Virginia und Leonard Woolf in London gegründeten „Hogarth Press“: In 20 Ländern werden die von acht bekannten Autoren geschriebenen zeitgenössischen Neuerzählungen veröffentlicht. Aus den 38 von William Shakespeare (1564–1616) hinterlassenen Dramen konnten sie ihr Lieblingsstück auswählen.

Pünktlich zum Gedenken an den 400. Todestags des Theaterstars aus Stratford-upon-Avon hat der Knaus-Verlag die ersten beiden Romane auf Deutsch veröffentlich: Es sind Howard Jacobsons „Shylock“, in dem er sich Shakespeares „Der Kaufmann von Venedig“ vornimmt, und Jeanette Wintersons „Der weite Raum der Zeit“, der sich auf „Das Wintermärchen“ bezieht.

Umstrittene Komödie

Booker-Preisträger Jacobson („Die Finkler-Frage“), der laut Vita „zufällig noch Jude ist“, wählte die umstrittene Shakespeare-Komödie aus dem Jahr 1595 als „Herausforderung“: Das Stück um Moral und Gesetz verstört wegen der Charakterzeichnung des reichen Juden Shylock, die antisemitische Vorurteile bedienen kann: Er ist ein gnadenloser Geizhals, der auch noch das gepfändete Fleisch aus der Rippe des Christen Antonio zurückfordert. Für Jacobson kein Wunder, dass das Stück in der Nazi-Zeit in Deutschland so beliebt war, schrieb er in der „Daily Mail“. Jedoch: Nicht Shakespeare sei der Antisemit gewesen, sondern, die, die ihn böswillig falsch verstehen wollten, meint der 73-jährige.

Reverenz an Shakespeare

In seinem virtuos erzählten Roman „Shylock“ spielt er sehr frei mit der Vorlage, betrachtet mit britischem Humor das moderne jüdische Leben. Jacobson zeigt, dass er die Regeln der Tragikkomik beherrscht, erweist in seiner Fabulierlust Shakespeare auch sprachlich seine Reverenz. Der Brite versetzt seinen Vater-Tochter-Konflikt nach Manchester. Auf dem Friedhof trifft der reiche jüdische Kunstsammler Simon Strulovitch, der Ärger mit seiner Tochter hat, auf Shylock, der um seine Frau trauert. Die derb-komischen Begegnungen und Gespräche der beiden gehören zu den Höhepunkten des Romans.

Die weiteren Autoren und Titel mit den voraussichtlichen Erscheinungsterminen auf Deutsch: Anne Tyler „Der Widerspenstigen Zähmung“ (Herbst 2016), Margaret Atwood „Der Sturm“ (Frühjahr 2017), Jo Nesbø „Macbeth“ (Herbst 2017), Tracy Chevalier „Othello“ (Frühjahr 2018), Edward St. Aubyn „König Lear“ (Herbst 2018) und Gillian Flynn „Hamlet“ (nach Herbst 2018). (Mit dpa)


Howard Jacobson: „Shylock“. Übersetzt von Werner Löcher-Lawrence. Jeanette Winterson: „Der weite Raum der Zeit“. Übersetzt von Sabine Schwenk. Knaus-Verlag, jeweils 19,99 Euro.

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