Neue CDs mit Traumpaaren des Jazz Trompete und Klavier: Das neue Glück des Jazz?

Von Ralf Döring

Brillantes Duo: Pianist Sebastian Sternal und Frederik Köster. Foto: Lutz VoigtländerBrillantes Duo: Pianist Sebastian Sternal und Frederik Köster. Foto: Lutz Voigtländer

Florian Weber trifft Markus Stockhausen, Frederik Köster spielt mit Sebastian Sternal und Vijay Iyer mit Wadada Leo Smith: Fast gleichzeitig haben sich namhafte Trompeten-Klavier-Duos auf CD verewigt. Eine spannende Klangreise.

Den Urschrei des Jazz stieß die Trompete in den Straßen von New Orleans aus. Dann wurde der Jazz sesshaft und bekam mit dem Klavier ein neues Fundament. Fortan existierten die beiden in kleinen und großen Bands friedlich miteinander. Die traute Zweisamkeit haben die beiden in all den Jahren nur selten gewagt.

Umso überraschender sind jetzt gleich drei Alben mit hochkarätigen Trompete-Klavier-Paaren: Trompeter Wdada Leo Smith und Pianist Vijay Iyer und das Duo Markus Stockhausen und Florian Weber haben auf ECM veröffentlicht. Den Trend gesetzt haben indes Frederik Köster und Sebastian Sternal - der übrigens für seine Sternal Symphonic Society den Jazz-Echo für die Big Band des Jahres bekommt. Die beiden haben ihr Duo-Album bereits im letzten Jahr veröffentlicht. Woher diese plötzliche Lust auf Zweisamkeit kommt - man weiß es nicht. Jedenfalls beschreiten drei Pärchen sehr unterschiedliche Wege zum Jazz-Glück. Fast wie im richtigen Leben. Weiterlesen: Vijay Iyer mit seinem Trio live im Osnabrücker Blue Note

Melancholisches Duo

Markus Stockhausen und Florian Weber beginnen ihre Reise irgendwo im Himmel, dort wo Ehen bekanntlich geschlossen werden. Überhaupt gibt der weiche Ton von Stockhausens Flügelhorn viel Atmosphäre vor – aber eben auch der ruhige Duktus, der das Album „Alba“ maßgeblich prägt. Freilich wäre Florian Weber nicht er selbst ohne seine komplexen Grooves, über denen dann auch Stockhausen in den höchsten Tönen jubiliert. Und doch weht immer ein Hauch von Melancholie. Weiterlesen: Florian Weber live im Osnabrücker Blue Note

Den findet man auch bei Iyer und Smith: Auch die beiden tasten sich vorsichtig in ihre gemeinsame Klangwelt. Allerdings zeigt Smith mit seiner Trompeten auch mal die weniger schönen Seiten der Existenz auf, so zärtlich Iyer auch über Akkordflächen streichelt. In der titelgebenden siebenteiligen Suite „Cosmic rhythm with each stroke“ begeben sich beide, auch mittels Elektronik, aufs freie Feld des klanglichen Experiments, was freien Interaktionen wie in „Labyrinths“ oder in „Uncut emeralds“ führt. Sowohl Stockhausen/Weber als auch Smith/Iyer erschließen so, die einen durch pure Schönheit, die anderen durch klangliche Grenzüberschreitungen, dem Jazz eine gewisse esoterische Dimension.

Welches Paar ist das glücklichste?

Köster und Sternal hingegen spielen auf dem Album „Canada“ nach vorne los, und zwar auf dem Boden jazziger Tatsachen. Deswegen meint man auch ständig eine Melodie, einen Song wiederzuerkennen – aber das ist nur das gewitzte Spiel von Köster und Sternal mit der Tradition. Und auch sie haben sowohl Freude an der gefühlvollen Ballade, als auch große Lust am Experiment - etwa in den Mehrklängen, die Köster in „Into the Wild“ singt, grunzt, spielt. So legt er dann eine Basis, über der Sternal sein Solo spielt – ein authentischer Spaß. Aber eben nur einer von drei möglichen Wegen zur glückbringenden Trompeten-Klavier-Partnerschaft. Weiterlesen: Frederik Köster stellt sein Album „Tenson-Release“ vor


Markus Stockhausen, Florian Weber: „Alba“ (ECM)

Vijay Iyer, Wadada Leo Smith: „A Cosmic Rhythm with each Stroke“ (ECM)

Frederik Köster, Sebastian Sternal: „Canada“ (Traumton)

Frederik Köster und Sebastian Sternal gastieren am Donnerstag, 21. April, ab 20.30 Uhr im Osnabrücker Blue Note. Kartentelefon: 0541/650 600

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