Programm vorgestellt EMAF 2016: Was dürfen wir von der Zukunft erwarten?

Von Ralf Döring


Im Imperativ „Don‘t expect anything!“ drückt das European Media Art Festival Skepsis aus –die Skepsis, welche das diesjährige Festivalmotto „The Future of Visions“ begleitet. Am Mittwoch hat die Festivalleitung das Programm vorgestellt.

Die gute Nachricht: Die Medienkunst ist so kreativ wie eh und je. Die schlechte: „Der Zeitgeist ist geprägt von Skepsis“, sagt Alfred Rotert, einer der drei Leiter des European Media Art Festival (EMAF). Am Mittwoch hat das Festivalteam das Programm des diesjährigen Festivals vorgestellt: „The Future of Visions“, lautet das Thema, flankiert vom Imperativ „Don‘t expect anything“. Rotert will den dezidiert skeptisch verstanden wissen. Weiterlesen: Die besten Exponate des EMAF 2015

Stefanie Plappert sieht das anders. Sie ist eine von fünf Mitgliedern der Film-Auswahlkommission und sitzt an diesem Mittwoch neben Filmkurator Ralf Sausmikat. Ein „Plädoyer für die Unvoreingenommenheit“ sieht sie in dem Slogan, für die Offenheit, die sie sich vom Publikum auf das Filmprogramms wünscht. 160 Arbeiten stehen in diesem Jahr zur Auswahl, die sich nach vier Sichtungsterminen in Osnabrück als Extrakt aus 2000 eingereichten Werken ergeben haben. Darunter findet sich der übliche Mix aus Kurz- und Langfilmen zum Thema Zukunft. Aber das Filmprogramm setzt auch neue Akzente.

Filme in Rundum-Perspektive

So werden in dem Spezialprogramm „Virtual Reality“ „FullDome-Filme“ und VR-Projekte und 360-Grad-VR-Filme auf VR-Brillen projiziert. In jedem Fall erschließen sich neue Seherlebnisse, die einem Trend folgen, der bei Videospielen offenbar neue Standards setzt. Und noch ein Novum bietet das diesjährige EMAF: Im „Loop-Kino“ im Zimmertheater läuft von Donnerstag bis Samstag jeweils ein Film in Dauerschleife. Ein Angebot, inmitten des Festivalbetriebs Momente oder Stunden der Kontemplation zu finden, wie Sausmikat sagt. Weiterlesen: Das Digitale ist out – sagt die EMAF-Leitung 2015

Die EMAF-Ausstellung wird zum Teamwork

Veränderungen kennzeichnen auch die EMAF-Ausstellung in der Kunsthalle Osnabrück. So hat Hermann Nöring diesmal einen Ko-Kurator an der Seite: Franz Reimer - beim EMAF 2014 hatte er seinen interaktiven „Situation Room“ ins Kirchenschiff gebaut. Dieses Jahr gestaltet er die Ausstellung maßgeblich mit. Dabei denkt Reimer nicht nur in ästhetischen, sondern auch in gesellschaftspolitischen Kategorien: Bei der Programmvorstellung spricht er davon, „das Verhältnis zur gottgegebenen Welt zu überdenken“ und nennt als Beispiel eine Arbeit über einen Kosmonauten, der mit dem Papst die Grenze zwischen dem astronomischen und dem christlich-metaphyischen Himmel diskutiert. Konsequenterweise lenkt Reimer damit den Blick nach oben: Das Werk wird in den Himmel des Kirchenschiffs projiziert.

Die Konferenz schließlich, die dritte EMAF-Säule, widmet sich dem Thema Zukunft zum einen aus kulturpolitischer Sicht, zum anderen aus der Negativ-Perspektive von Big Data. Eine deutliche Aufwertung hat schließlich das Nachwuchsfestival im Festival erfahren: Der Media Campus heißt in diesem Jahr EMAF Init und bezieht vor allem das ehemalige Ladenlokal in der Hasestraße 29, das die lokale Kunstszene so gerne für sich reklamieren würde. Aber die Studierenden sind auch in der Hauptausstellung in der Kunsthalle und im Filmprogramm präsent - nur eben ausführlicher denn je. Der Jugend eine Chance.


European Media Art Festival: 20.-24. April, Ausstellung 20. April bis 22. Mai. Weitere Informationenen: www.emaf.de