Bildhauer baut eigenes Museum Kunst-Weltstar: Thomas Schüttes Skulpturenhalle

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Neuss. Weltstar aus dem Norden: Bildhauer Thomas Schütte eröffnet die eigene Skulpturenhalle. Oben Showroom, unten Depot - das Gebäude ist Hotspot der Kunstszene.

„Wenn man eine Stunde hier draußen ist, merkt man, wie sich alles beruhigt“, sagt Thomas Schütte und zieht an seiner Zigarette. Wind fegt feinen Regen über ein Niemandsland aus Äckern und Baumgruppen. Der quirlige Kunstbetrieb scheint an dieser Wegkreuzung im Irgendwo bei Neuss weit weg zu sein. Hier weiterlesen: Ärger um Abbau - Thomas Schüttes „Große Geister“ .

Halle hinter dem Erdwall

Und doch ist er ganz nah. Über einen Erdwall erhebt sich die Skulpturenhalle, die sich Schütte nach eigenem Entwurf gebaut hat, wie eine halb geöffnete Riesenmuschel. Von hier aus streift der Blick weit über leeres Land. Mit Schüttes Halle hat das Auge einen Haltepunkt in dieser Gegend. Und die Landkarte der Kunst einen neuen Hotspot. Hier weiterlesen: Thomas Schüttes Werke im Museum Folkwang.

Verlorener Einzelgänger

Mit Wollmütze, Bart und grauem Mantel wirkt Thomas Schütte wie ein etwas verlorener Einzelgänger. Dabei ist dieser scheue Hipster ein Star der Kunst. Der 1954 in Oldenburg geborene Schütte hat drei Mal an der Documenta teilgenommen, den Preis der Biennale in Venedig gewonnen. 2014 wurde eine seiner Plastiken aus der Serie „Große Geister“ für 5,3 Millionen US-Dollar verkauft. Zuletzt sorgte erst noch die Demontage von drei „Großen Geistern“ Schüttes im Essener Stadtgarten für Medienwirbel. Bei der Aktion wurde einer der drei Riesenfiguren der Kopf abgerissen. Wenn es um aktuelle Bildhauerkunst geht, kommt an Schütte jedenfalls keiner vorbei. An seiner eigenen Kunsthalle in Neuss-Holzheim nun auch nicht. Hier weiterlesen: So werden die Skulptur-Projekte 2017 in Münster.

Beispiel Tony Cragg

Seit Jahren bauen sich superreiche Kunstsammler ihre eigenen Museen oder etablieren schicke Sammlungshäuser in Berlin. Künstler ziehen nach. Tony Cragg etwa mit seinem Skulpturengarten Waldfrieden in Wuppertal, wo der Bildhauer eigene Arbeiten inszeniert und Werke anderer Künstler in zwei Hallen ausstellt. Oder nun Thomas Schütte. Seine ovale Halle wäre allerdings als Museum oder Mausoleum missverstanden. Das Gebäude mit der Silhouette eines eingedellten Ufos ist viel mehr, gebaute Skulptur, Ausstellungshaus, Showroom und Depot zugleich. Schütte hat mit dem „Eispavillon“ für die Documenta 8, dem „Modell für ein Museum“ oder seinen „Bunker“-Modellen immer schon Architektur im Tischformat der Skulptur vorgedacht. Was bislang eigenwillige Utopie blieb, steht nun als gebaute Wirklichkeit auf dunkelbrauner Ackererde. Die Skulpturenhalle ist nicht einfach nur ein Kunstcontainer, sondern vor allem Schüttes größtes Werk. Hier weiterlesen: „Waldfrieden“ - ein Besuch im Skulpturenpark von Tony Cragg .

Depot unter der Ausstellung

Der Clou: Unter dem Ausstellungsraum mit 650 Quadratmetern Fläche gibt es ein 800 Quadratmeter großes Depot. Oben das Kunstprogramm mit zwei Ausstellungen jährlich, unten das separate Arsenal, aus dem heraus Werke an Kunstschauen in alle Welt gehen können: Das Haus funktioniert als Schaufenster des Werkes wie als Knotenpunkt für internationale Aktivitäten. Schütte will beides, der Wahrnehmung von Kunst eine neue Ruhe geben und zugleich sein eigenes Werk arrondieren. „Ich habe die Verantwortung, mein Werk nicht unsortiert zu hinterlassen“, sagt der 61 Jahre alte Bildhauer. Hier weiterlesen: Skulpturengarten am Dümmer .

Stiftung trägt das Budget

Lars Klatte vom Atchitektenbüro RKW beziffert das Budget des Baus auf 5,6 Millionen Euro. Diese Summe stemmt die Thomas-Schütte-Stiftung, die sich aus Verkäufen von Werken des Künstlers speist. So kaufte das New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) mehrere der „United Enemies“-Figuren von Thomas Schütte. Der Millionenerlös floss in die Stiftung und damit in das Projekt der neuen Halle. Ab 2017 will das MoMA Schüttes Werk zeigen. Hier weiterlesen: Eduard von der Heydt - Sammlertycoon auf dem Monte Verità .

Ausgeklügeltes Konzept

Architekt Klatte lenkt den Blick auf das ausgeklügelte Baukonzept. Oben schwebt eine im niedersächsischen Lohne gefertigte Holzdecke wie ein riesiges Speichenrad auf dem Hallenoval mit dem hellen Fensterband. Darunter dehnt sich das Depot wie ein gigantischer Keller aus blankem Beton. Thomas Schütte wirkt unter Tage besonders stolz. Sein Highlight ist der klimatisierte Raum für seine Werke auf Papier. „Dafür habe nur ich den Schlüssel“, sagt Schütte und ergänzt: „Wenn ich eine Krise habe, gehe ich ins Lager“. Das Depot als Rückzugsort für die Selbstvergewisserung? Hier weiterlesen: Skulptur am Aasee in Münster verbuddelt .

Langen Foundation in der Nachbarschaft

Die neue Kunsthalle steht in guter Nachbarschaft. In Sichtweite findet sich die von Stararchitekt Tadao Ando gebaute Langen Foundation und die Museumsinsel Hombroich, das Landschaftsareal mit den Klinkerpavillons von Erwin Heerich. Zusammen mit Schüttes neuer Halle fügt sich so ein Ensemble von Orten, die die Wahrnehmung von Kunst aus dem Erlebnis der Landschaft heraus neu eröffnen. Hier weiterlesen: Zaubergarten der Kunst - ein Besuch auf der Museumsinsel Hombroich .

„Keiner hat wirklich Zeit“

„In der Stadt ist alles hochgejazzt, keiner hat wirklich Zeit“, beklagt Thomas Schütte die Hektik des hippen Kunstbetriebes. Und macht sich zugleich Sorgen um die Parkplätze für all die Gäste, die zur Eröffnung des neuen Kunstortes am 10. April in der Einsamkeit erwartet werden, wenn das Programm mit Werken des Arte Povera-Klassikers Mario Merz startet. Tausend Gäste erwartet Schütte schon, mindestens. Bis dahin ziehen Regenfäden über braunen Ackerboden. Thomas Schütte steht unter dem Vordach seiner Kunsthalle und bläst Zigarettenrauch in die kühle Landluft. Hier weiterlesen: „Zero“ - Heinz Macks „Identifikationsplastik“ in Osnabrück.

Neuss, Skulpturenhalle: Mario Merz. Eröffnung: 10. April. Fr.-So., 10-18 Uhr. Adresse: Kreuzung Lindenweg/Berger Weg. www.thomas-schuette-stiftung.de


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