zuletzt aktualisiert vor

Ab ins Familienglück Die wehrhafte Mutter verteidigt ihr Heim: Mit „Breaking Dawn 2“ endet die Vampir-Saga


Berlin. „Jetzt bist du die Starke und musst mich beschützen“, sagt Edward seiner Bella. Die Schwangerschaft hat sie überstanden. Nun braucht es ihre wehrhafte Mütterlichkeit, um das Ideal der Familie gegen die Außenwelt zu verteidigen. Selbstverständlich glückt es. Womit Stephenie Meyers „Twilight“-Reihe auch im Kino endet.

Im letzten Band der Romane kontrastiert Stephenie Meyer Angst und Erlösung. Dass fürs Kino zwei Teile daraus wurden, stört das Gleichgewicht. „Breaking Dawn 1“ war 2011 eine Großmetapher auf die Schwangerschaftsangst. Die Menschenfrau Bella trug das Kind des Vampirs unterm Herzen und musste schnellstens selbst untot werden – andernfalls hätte der Fötus sie zerrissen. Abschied von der eigenen Kindheit, Ungewissheit der neuen Rolle und Angst vor der womöglich schmerzhaften Eigendynamik des Körpers: All die ambivalenten Gefühle einer ersten Schwangerschaft waren durch die Genre-Konstellation intensiviert. Bill Condon, der auch jetzt wieder Regie führt, fasste das in ebenso schrille wie schonungslose Horrorbilder.

Im Finale „Breaking Dawn 2“ ist die Schwellenangst überwunden. Mutter und Kind sind wohlauf, und Bella erlebt eine Phase der Selbsterfüllung und -entfaltung. Sie sei zum Vampir geboren, jubelt sie – entsprechend wohl fühlt sie sich in ihrer eisigen Haut, wenn sie Muskelmänner beim Armdrücken schlägt und Bergpumas im Sprung erlegt. Was Bellas Tochter angeht, lässt Meyer nichts aus: Halb Mensch, halb Vampir, hat Renesmee eine messianische Mittlerfunktion; tatsächlich kann sie durch Handauflegen gewissermaßen selbst Blinde sehend machen. Von der Alabasterhaut bis zum Augenglanz beschwärmt Meyer die Schönheit dieses Wunderwesens; Bill Condon nimmt es ernst und lässt die Kinderdarstellerin Mackenzie Foy wie etwas aussehen, das man am Souvenirshop einer süditalienischen Pilgerstätte kauft.

Sorglos ist Bella selbstverständlich auch trotz der schönen Tochter nicht: Der mächtige Vampir-Clan der Volturi rückt mit überwältigender Streitmacht an, um das Kind zu rauben. Bella und Edward Cullen scharen die Ihren um sich und rekrutieren Gleichgesinnte in aller Welt, um die letzte Schlacht zu überstehen.

Kristen Stewart spielt den blutrünstigen Neu-Vampir mit so finsterem Ernst, dass Zuschauer über 20 Jahren sich im Kino diskret das Lächeln verkneifen sollten. Auch der letzte „Twilight“-Film nimmt sich das Recht heraus, weniger All-Age-Format als eben wirklich ein Teenie-Film zu sein. Das führt gerade bei den Hauptfiguren zu einem schwankenden Bild. Erwähltheit, Begabungen und die makellose Schönheit werden genauso betont wie eine grundsolide Normalität: Inmitten des diesmal besonders exotischen Vampir-Sammelsuriums wirken Bellas Baumwollshirt und Edwards Rolli provozierend schlicht. Zum Geburtstag kriegt die neue Fürstin der Dunkelheit sogar ein Eigenheim geschenkt, dessen biedere Häuslichkeit allen Erwartungen an die Gruft Hohn spricht. Womöglich zählt die Intensität des Abenteuers genauso zu den Sehnsüchten zwölfjähriger Mädchen wie die Geborgenheit eines geregelten Alltags. „Twilight“ bedient jedes der widerstreitenden Gefühle. Immerhin: Eine erfüllte Sexualität gehört im als prüde geschmähten Meyer-Kosmos auch zum Glück dazu.

Dramaturgisch ist die Zweiteilung der Vorlage heikel: Weite Passagen der letzten 400 Seiten bestehen aus Strategiegesprächen. Und stets geht es darum, die gefährliche, visuell allerdings viel attraktivere Action des Kriegszustands zu verhindern. Für den Film bedeutet das: Bevor in einer – für kundige Leser überraschenden – Kampfszene Köpfe durch die Luft fliegen, grübeln und debattieren sich die Cullens durch eine Dialogszene nach der anderen, im Wohnzimmer, im Auto, am Lagerfeuer. Erfreulicherweise trägt zumindest Michael Sheen die Werte des klassischen Vampirs in die romantisierte „Twilight“-Welt und lebt als Chef der Volturi mit quiekender Begeisterung seine Macht aus. In der Schlussszene lassen Bella, Edward und ihr Regisseur noch einmal die wunderbarsten Bilder aller fünf Folgen Revue passieren, fast ausnahmslos Kussszenen. War’s nicht wunderschön? Das muss jeder für sich selbst beantworten.

„Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht 2“, USA 2012. R: Bill Condon. D: Kristen Stewart, Robert Pattinson, Taylor Lautner, Ashley Greene, Billy Burke.

115 Minuten. Ab 12 Jahren.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN