Viele Jazzer verdienen unter 12500 Euro Jazzstudie 2016: Wenige Konzerte, noch weniger Gage

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Er muss sich nicht über fehlende Auftrittsmöglichkeiten beklagen. Aber ob Florian Weber durch den Jazz reich oder auch nur einigermaßen wohlhabend wird? Foto: Elvira PartonEr muss sich nicht über fehlende Auftrittsmöglichkeiten beklagen. Aber ob Florian Weber durch den Jazz reich oder auch nur einigermaßen wohlhabend wird? Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Dass Jazzmusikerinnen und -musiker in der Regel nicht reich werden, ist keine Neuigkeit. Aber jetzt belegt die druckfrische Jazzstudie 2016, was die Szene längst vermutet

Jazzmusikerinnen und Jazzmusiker in Deutschland sind hoch motiviert und schlecht bezahlt. So lässt sich das Ergebnis einer Studie zusammenfassen, die der Leiter des Instituts für Kulturpolitik an der Universität Hildesheim, Thomas Renz, herausgegeben hat. Mehr als die Hälfte der Jazzer verdienen weniger als 12500 Euro jährlich. Weiterlesen: Osnabrück hat ein reges Jazz-Leben – zum Beispiel mit Cyminology

Studie mit beschränkter Haftung

An der Studie beteiligt haben sich 1860 Musikerinnen und Musiker. Damit schätzen die Macher, 40 Prozent der Musiker abzubilden – ausgehend von der Zahl der in der Künstlersozialkasse (KSK) versicherten Jazzer. Gleichwohl schränken die Macher der Studie ein, „Die Frage nach der Repräsentativität dieser Teilnahmezahlen lässt sich nur bedingt beantworten, da die Grundgesamtheit der Jazzmusiker/-innen schlicht unbekannt ist.“

Die ermittelten Zahlen zu Auftrittsmöglichkeiten und Gagen sind trotzdem ernüchternd: So geben drei Viertel der Befragten an, weniger als 50 Auftritte pro Jahr zu spielen, und Gagen unter 50 Euro sind keineswegs die Ausnahme. Allerdings bemessen Jazzmusiker die Qualität eines Gigs offenbar nicht allein nach der Bezahlung, sondern auch danach, „ob die Gage gut ist, ob die Musik spannend ist und wie die Menschen sind, mit denen man zusammen spielt“, zitiert die Studie eine 40-jährigen Bassisten. Immerhin herrscht Gleichheit zwischen den Geschlechtern: Frauen und Männer werden gleich bezahlt. In aller Regel heißt das: gleich schlecht. Weiterlesen: Vijay Iyer ist ein Star und muss sich nicht um die Gage sorgen

Familienfeier statt Jazzkonzert

Die meisten Jazz-Musiker müssen daher hinzuverdienen, in dem sie unterrichten oder „mucken“: Sie spielen Hintergrundmusik auf Firmen- oder Familienfeiern oder in Rock- und Popbands. Auch suchen viele Musiker die Anbindung an andere Kulturfelder wie darstellende oder bildende Kunst. Und schließlich arbeitet die überwiegende Mehrheit der befragten Jazzmusikerinnen und -musiker regelmäßig im Studio: Aufnahmen sind ein wesentlicher Faktor im Selbstverständnis eines Jazzers. Doch auch das bringt mehr Ruhm als Geld. Um die Situation zu verbessern, fordert die Studie daher, über ein „kulturpolitisches Konzept der Spielstättenförderung“ nachzudenken. Weiterlesen: Jazz-Studierende der Hochschule Osnabrück feiern Semesterabschluss


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