Meinung Perspektive Altersarmut: Die bittere Realität des Jazz

Jung, preisgekrönt, gut: Die Band Malstrom. Ob das den jungen Musikern ein Auskommen als Jazzer garantiert? Foto: Swaantje HehmannJung, preisgekrönt, gut: Die Band Malstrom. Ob das den jungen Musikern ein Auskommen als Jazzer garantiert? Foto: Swaantje Hehmann

Die Jazzstudie 2016 bestätigt, was schon immer vermutet wurde: Jazzmusikerinnen und -musiker haben es schwer, an Auftritte zu kommen und dafür auch noch angemessen bezahlt zu werden.

Jetzt ist es empirisch belegt: Jazzer führen ein pekuniär armseliges Leben. Ihre Leidenschaft zwingt sie geradewegs in ein prekäres Leben und vermutlich in die Altersarmut. Umso erstaunlicher ist die Leidenschaft, mit der sie ihren Beruf ausüben: Die wollen tatsächlich vor allem spielen. Trotz erbärmlich niedriger Gagen. So steht es in der brandaktuellen Jazzstudie 2016.

Nun melden die Autoren der Studie selbst Zweifel an der Repräsentativität ihrer Arbeit an. Trotzdem bestätigen die Ergebnisse, was Jazzmusiker über ihren Berufsalltag sagen: etwa über die Schwierigkeiten, neue Spielorte zu erschließen. Denn Clubbetreiber engagieren in der Regel Formationen, die das Publikum kennt. Bei unbekannten Acts bleiben die Gäste nämlich weg, so die Argumentation. Wie aber soll eine Band bekannt werden, wenn sie nicht auftritt? Erbarmt sich dann ein Club, werden die Gagen gedrückt – auf ein Niveau, für das die Kollegen aus dem Klassik-Segment nicht einmal ihr Instrument auspacken. Und das ist keine übertriebene Zuspitzung, sondern bittere Realität.

Die Studie empfiehlt deshalb, den Jazz öffentlich zu fördern – eine schöne Utopie. Immerhin aber werfen die Autoren ein Schlaglicht auf die Situation der Jazzer. Damit wenigstens das Problem erkannt wird.


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