Staatliche Kulturlenkung? AfD und die Kultur: Absage an die Kunstfreiheit

Von Dr. Stefan Lüddemann

Künftig nur noch deutsche Stücke auf dem Spielplan? Das Opernhaus vom Theater der Landeshauptstadt in Magdeburg (Sachsen-Anhalt). In dem Bundesland gewann die AfD die meisten Stimmen. Foto: dpaKünftig nur noch deutsche Stücke auf dem Spielplan? Das Opernhaus vom Theater der Landeshauptstadt in Magdeburg (Sachsen-Anhalt). In dem Bundesland gewann die AfD die meisten Stimmen. Foto: dpa

Osnabrück. Mehr Mut zur Leitkultur? Das will die AfD. Ihre Forderungen zum Thema Kultur führen aber in die Bevormundung. Kultur lebt von ihrer Offenheit.

Wie dumm nur, dass Goethe nach Italien reiste und iranische Dichter las, um seine klassischen Werke schreiben zu können. Wie ärgerlich, dass Schiller in seiner Ode an die Freude einen Kuss der ganzen Welt und nicht nur den Deutschen zudachte. Wie seltsam überhaupt, dass Dichter und Denker oft nach außen schauten, um zu schaffen, was heute als Kernbestand deutscher Kultur gilt. Hier weiterlesen: Goethes „West-östlicher Divan“ als Muster der Toleranz.

Seltsam? Natürlich nicht. Kultur entsteht nicht in stickigen Heimatstuben, sondern auf freien Kontaktarealen. Kultur gibt es nur im Austausch – so wie jeder Mensch nur Identität ausbilden kann, wenn er in Interaktion mit anderen tritt. Für die AfD gilt das alles nicht. Sie will Kultur und vor allem die Künste auf die Linie einer engen „Leitkultur“ bringen. Wer Kunst unter einen politischen Auftrag zwingen will, nimmt ihr jedoch die Freiheit. Das widerspricht der im Grundgesetz garantierten Kunstfreiheit. Die AfD-Vorschläge zur Kultur enthalten Anklänge an den völkischen Geist der NS-Zeit und die staatlich gelenkte Kultur der DDR. Hier weiterlesen: Ein Philosoph für starke Konzepte der Toleranz.

Deutschland braucht so etwas nicht wieder. Im Gegenteil. In der globalisierten Welt ist Offenheit gefragt, nicht Deutschtümelei. Nur eine Kultur der freien Künste hilft, Respekt, Toleranz, Offenheit auszubilden, kurz Menschen in gegenseitiger Wertschätzung miteinander zu verbinden. Genau das ist jetzt in Gefahr. Das lehrt das Programm der AfD. Wir sind gewarnt.


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