Geschichte mit Lücken Vis-á-Vis zum Tanz am Theater Osnabrück

Tanzpädagogin Bettina Escaño erinnerte an die Geschichte von Ballett und Tanztheater an der Osnabrücker Bühne. Foto: Elvira PartonTanzpädagogin Bettina Escaño erinnerte an die Geschichte von Ballett und Tanztheater an der Osnabrücker Bühne. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. In der Reihe „Vis á Vis“ erinnerten die Tänzerin und Tanzpädagogin Bettina Escaño und die Tanzdramaturgin Patricia Stöckemann an die Geschichte von Ballett und Tanztheater an der Osnabrücker Bühne.

Zwei Dinge nur bräuchte sie mitzunehmen, wenn sie nach Osnabrück geht, habe Joel Schnee ihr gesagt, nachdem der damalige Ballettdirektor Osnabrücks ihr 1989 in New York einen Vertrag für sein Ensemble an den Städtischen Bühnen gegeben hatte: „Einen Schirm und einen Mantel“, erinnert sich Bettina Escaño und lacht. Als junge Tänzerin (Jahrgang 1968) war sie nach Osnabrück gekommen. Es sollte eine Zwischenstation sein, hatte sich die junge Philippinin ehrgeizig vorgenommen. Damals wollte sie weiter zu den Ensembles in Den Haag oder Stockholm. Doch sie blieb. Der Liebe wegen.

Jetzt sitzt sie mit der Tanzdramaturgin Patricia Stöckemann vor Publikum im Ballettsaal und blättert mit den Seiten von zwei dicken Büchern viel Geschichte auf: Die von Tanztheater und Ballett an der Osnabrücker Bühne, die 1909 gegründet worden war.

Doch so ganz dicht können die beiden Tanz-Expertinnen die Geschichte erst gegen Ende weben, wenn es in die jüngste Zeit geht, seit den 1960er Jahren etwa. Vorher war es in Osnabrück nicht üblich, die Namen von Choreografen und ihren Werken oder gar der Ensemblemitglieder konsequent zu notieren.

Und so nennen sie manche Namen oder Inszenierungen, ohne fundiert erzählen zu können, welche Persönlichkeiten hier an Stücken gearbeitet haben, wie „Die Puppenfee“ oder „Copelia“ in den Spielzeiten 1913 und 1914/15. Patricia Stöckemann bindet die Stücke in den damaligen Zeitgeist ein, so dass der Abend nicht ins Stocken gerät.

Dazu tragen auch Gäste bei, vermögen sie doch aus ihrer Erinnerung zu erzählen, wie es war – freilich erst seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Beispielsweise Hilde Middelberg. Die Initiatorin der Tanzpaten berichtet von Aufführungen in der Blumenhalle, für die das Publikum nicht nur eine Karte erwerben musste. „Man musste auch zwei Briketts mitbringen, damit die Bude warm war“, erinnert sich Middelberg an Aufführungen im Ausweichquartier, weil das Theater zerstört und noch nicht wieder aufgebaut war.

Es fallen Namen wie Werner Eck und Günter Braun, die nach dem Zweiten Weltkrieg die Bühne bespielten und so dazu beitrugen, dass der Rückstand, der durch die Zeit des Nationalsozialismus in der Kunst bestand, wieder aufgeholt wurde. „Der Zweite Weltkrieg hat ein kolossales Loch gerissen“, betont Stöckemann.

Später sei der Tanz mal stärker durch Ballett geprägt gewesen, mal legte der jeweilige Choreograf mehr Wert auf das Tanztheater. Jeder brachte seinen eigenen Stil, seine eigene Herangehensweise, seine eigene Persönlichkeit mit, auf die sich das Publikum einstellen musste, das durchaus manchmal irritiert war, beispielsweise von der Arbeit Gregor Zölligs, der von 1997 bis 2005 in Osnabrück gearbeitet hat und viel Wert auf die Entwicklung eigener Stücke legte. Es folgte Marco Santi, bevor Nanine Linning 2009 aus den Niederlanden nach Osnabrück kam. „Der lagen wir ja alle zu Füßen“, sagt jemand im Publikum. Seit 2012 leitet Mauro de Candia die Tanzcompany.

Damit endet ein Einblick in die Entwicklung des Tanztheaters in Osnabrück, der deutlich macht, wie bereichernd die Arbeit auf der Bühne für die Kultur der Stadt ist.


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