Sammlung von Kulturklischees Ein Araber und ein Deutscher im Gespräch

Von Dr. Stefan Lüddemann


Osnabrück. Der Titel klingt gut, das Buch ist es leider nicht: „Ein Araber und ein Deutscher müssen reden“ enttäuscht.

Wir müssen reden: Diese Redewendung leitet ernsthafte Auseinandersetzungen ein – oder endlose Palaver. Hamed Abdel-Samad („Mohammed. Eine Abrechung“) und Hans Rath („Da muss man durch“) haben sich für die zweite Variante entschieden. Leider.

Dabei klingt der Titel verlockend. Ein Araber und ein Deutscher führen vor, was gerade jetzt alle machen sollten: das Gespräch eröffnen. Aber was ist, wenn dieses Gespräch kein Thema wirklich voranbringt? Hamed Abdel-Samad und Hans Rath, Spezialisten für leichte Bestseller und schnelle Debattenbücher, palavern über Werte und das Grundgesetz, deutsche Gründlichkeit und arabische Gastfreundschaft. Vor allem aber häufen sie Plattitüden zum Gerümpelberg der Banalitäten auf.

Das Problem: Abdel-Samad und Rath haben kein Buch geschrieben, sondern einen Austausch von E-Mails zwischen zwei Deckel geschoben. Rath darf über den Staat als neuen Leviathan grübeln, Abdel-Samad über Toleranz klagen. Der Kaffeeklatsch vor dem Laptop geht ins Leere.

Ein Buch von Rath trägt den Titel: „Und Gott sprach: Wir müssen reden“. Im Hinblick auf das E-Mail-Büchlein keine gute Idee.

Hamed Abdel-Samad, Hans Rath: „Ein Araber und ein Deutscher müssen reden“. Rowohlt. 122 Seiten10 Euro.


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