Ein Bild von Ralf Döring
01.03.2016, 17:32 Uhr zuletzt aktualisiert vor MEINUNG

Konzert in Köln abgebrochen: Unerträglich chauvinistisch

Ein Kommentar von Ralf Döring


Zu gut für die Kölner Philharmonie? Der iranische Cembalist Mahan Esfahani. Foto: Bernhard Musil/DGZu gut für die Kölner Philharmonie? Der iranische Cembalist Mahan Esfahani. Foto: Bernhard Musil/DG

Osnabrück. Ein Konzert von Concerto Köln und dem iranischen Cembalisten Mahan Esfahani ist durch ein pöbelndes Publikum unterbrochen worden. Eine unerträgliche Geschichte, die an dunkle Zeiten erinnert.

Mal angenommen, ein deutscher Musiker wird von iranischen Zuhörern durch Unmutsbekundungen niedergerungen. Auf „Reden Sie gefälligst Farsi“ folgen höhnisches Gelächter und Buhrufe, das Konzert wird schließlich unterbrochen: Sehr schnell wäre da von „schwer integrierbaren Gästen“ die Rede. (Lesen sie auch: So reagiert das Netz auf den Konzert-Abbruch)

Nun hat sich dieses Spiel aber genau umgekehrt zugetragen, und das in der Kölner Philharmonie, ein paar Meter entfernt vom Hauptbahnhof und von der Domplatte. Dort wurde nicht um ein Richtig oder Falsch in der zeitgenössischen Musik gerungen, ein lautstarker Diskurs, wie er in den Sechzigern um Stockhausen und andere Neutöner geführt wurde. Nein: Das Kölner Publikum hat mit kleingeistiger Borniertheit auf Musik unserer Zeit reagiert.

Weiterlesen: Mahan Esfahani: Angegriffen, weil er Ausländer ist >>

Viel schlimmer noch: Der iranische Meistercembalist Mahan Esfahani musste sich Sprüche der Kategorie „Reden Sie doch gefälligst Deutsch“ anhören. In einem Saal für klassische Musik gab es einen derartigen Chauvinismus zuletzt vor siebzig, achtzig Jahren. Geschrieben steht das in den ganz dunklen Kapiteln deutscher Geschichte. (Lesen sie auch: Konzert von Mahan Esfahani wird wiederholt)


Der Artikel zum Kommentar

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN