Premiere im Theater Osnabrück Dreiteiliger Tanzabend „Tri_Angle“


Osnabrück. Spürbare Freude über einen hochkarätigen Tanzabend, anhaltender Applaus im Osnabrücker Theater am Domhof: Die Premiere von „Tri_Angle“, dem dreiteiligen Tanzabend mit Werken von Stephan Thoss, Marco Goecke und Mauro de Candia, kam beim Publikum gut an.

Osnabrück hat mittlerweile ein Tanzpublikum, das anspruchsvolle Choreografien zu schätzen weiß. Nur so konnte auch das Konzept aufgehen, Werke dreier beziehungsreich miteinander verbundener Choreografen an einem Abend aufzuführen: von Stephan Thoss, der momentan frei arbeitet und ab 2016/17 Ballettintendant am Nationaltheater Mannheim wird, von Marco Goecke, der als Gastchoreograf in Thoss‘ Zeit in Hannover arbeitete und von Mauro de Candia, heute Osnabrücks Tanzchef, dem Jüngsten der drei, der als Solist in Thoss‘ Ensemble tanzte und dort auch Goecke kennen lernte.

Erkennbare Gemeinsamkeiten

„Tri_Angle“ heißt deswegen auch der neue Osnabrücker Abend. Er hat erkennbare Gemeinsamkeiten: Alle drei Stücke beziehen sich extrem stark auf ihre jeweilige Musik, alle drei haben mit dem spannungsreichen Verhältnis von Menschen zu tun, mit Nähe und Ferne – und sie thematisieren Tod und Abschied. „Sweet Shadow“ von Stephan Thoss stammt von 2009 aus seinem Wiesbadener Tanzabend „Labyrinth“. „Blushing“ von Marco Goecke entstand sogar schon 2003 in Hamburg, mit dem Stuttgarter Ballett und wurde mit dem berühmten „Prix Dom Pérignon“ ausgezeichnet. Und „Prélude“ hat Mauro de Candia zu den 24 Préludes von Frédéric Chopin als Uraufführung beigesteuert.

Dennoch dauert der Abend nur zwei Stunden – die es aber in sich haben. Vor allem für die Osnabrücker Tänzer, die die drei unterschiedlichen Tanzstile mit Bravour meistern. Die technische Sicherheit, Körperspannung und Präzision der Dance Company sind enorm gewachsen – und offenbar auch ihre Gedächtnisleistungen für so hochkomplexe und temporeiche Choreografien wie die von Thoss und Goecke.

„Sweet Shadow“ von Thoss

„Sweet Shadow“ reflektiert eine Single-Gesellschaft, deren Mitglieder auf Annäherung mit höchst individueller Selbstdarstellung, sprich: Tanzsprache, reagieren – um sich den potenziellen Partner letztlich doch vom Leibe zu halten. Die Utopie des Zusammenlebens, der Liebe vielleicht auch, wird nach allen Regeln der Tanzkunst umworben, bleibt aber in Gestalt eines roten Spitzenkleides im doppelten Wortsinn unerfüllt.

„Blushing“ von Marco Goecke

Eine ganz andere Tanzsprache spricht Marco Goeckes „Blushing“ („Erröten“). Ein Bilderreigen von auftrumpfenden Posen und peinlich berührter Nervosität zieht wie im Zeitraffer vorbei. Tiergeräusche, asiatische Kampftechniken, Muskelspiele oder Militärparaden-Schritte bekunden eine animalische Virilität, die mit dem für Goecke typischen nervösen Flattern der Hände oder der Rockschöße witzig konterkariert wird. Die Tänzer arbeiten auffällig mit ihren muskulösen Oberkörpern und einer temporeichen, geschmeidigen Eleganz, die nie die klaren Körperlinien des Balletts aufgibt.

Das tut Mauro de Candia sehr wohl, wenn er seine Tänzer mit unsicherer, teils am Boden verkrümmter Körpergestik scheinbar darüber nachsinnen lässt, wie Musik Bewegung werden kann. Verschiedenfarbig wie die Tonarten der Préludes sind die Trikots der TänzerOb Solo oder Formationssymmetrie: Komplex wie in der Musik korrespondieren Tänzergruppen miteinander. Oft recken sich angewinkelte Arme zeitlupenhaft und nur minimal dem Bühnenlicht entgegen, als wollten sie sanft die Musik aufnehmen. Das ist schön und rätselhaft zugleich, jedenfalls weniger nachvollziehbar als de Candias sinfonischer Tanzabend „Brahms 1 – Reflection“.

Weitere Aufführungen von „Tri_Angle“: 26. Februar, 1. und 9. März. Kartentel. 0541-7600076.


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