Halle Münsterland ausverkauft Zaz feiert in wunderbarem Konzert ihr Traum-Paris

Von Ralf Döring


Sie ist die bezauberndste Botschafterin, die Frankreich derzeit aufzubieten hat: die Sängerin Zaz. Derzeit tourt sie mit ihrer neuen Show durch die Welt; am Mittwoch gastierte sie in der nahezu ausverkauften Halle Münsterland.

„Lauter“, ruft Zaz ein paar mal in die Menge; es ist eines der wenigen Wörter, die sie auf deutsch kann. Ein paar mal wendet sie sich auch an ihr Publikum: Dann liest sie einen holprigen Text ab, der vor ihr auf dem Boden liegt. Kleine Pausen in zwei Feierstunden, die Zaz ihrem Paris zu Ehren zelebriert.

„Paris sera toujour Paris“: Das Chanson von Maurice Chevalier gibt das Motto des Abends und die Richtung vor, und mit allem Bühnenzauber, den Zaz betreibt, rückt Paris von Anfang an ins Reich der Illusion. Sie macht aus dem Chanson eine quirlige Swing-Nummer, mit Kontrabass, Akkordeon und Gipsy-Swing-Gitarre. Dazu läuft über den Gaze-Vorhang vor der Bühne ein Filmvorspann in Schwarzweiß, denn er verweist auf alte Zeiten, in denen Django Reinhardt den Gipsy-Stil, ach was: den französischen Jazz überhaupt erfunden hat. Wo? Natürlich in Paris. Akribisch listet der Vorspann auf, wer an der Produktion beteiligt ist, wirft Spotlights auf die Musiker, würdigt Chevalier als den geistigen Vater im Pariser Himmel. In erster Linie aber feiert dieses Intro die Metropole und damit das Leben an sich – und es beschert dem Publikum in der ausverkauften Münsterlandhalle den schönsten Konzertauftakt, den man sich vorstellen kann. Weiterlesen: Das Paris-Album von ZazWeiterlesen: Das Paris-Album von Zaz

Erinnerung, Traum, Illusion

Klar ist das Paris von Zaz Erinnerung, Traum, Illusion. Denn nur da können Jazz-Gitarre, melancholische Akkordeon-Musette und ein paar animierte Zeichnungen eine Stadt bauen. Und ist das nicht genau die Antwort, die Paris seit jeher geibt, wenn die Zeiten mal nicht so gut sind? Das Bild wandelt sich indes: Zaz inszeniert Schnitte, Schwenks, Blenden. Dann greift der Bassist vom Kontra- zum E-Bass, wechseln die Trompeter zur Percussion und der Akkordeonist zum Synthesizer. Die Band spielt dann sanften Soul, wird rockig, reist zurück in alte Glamrock- und Psycedelic-Zeiten.

Nun zählen die Pop-Rock-Passagen nicht zu den Höhepunkten der Show. Immerhin aber spielt die Band vorzüglich, egal, was gerade angesagt ist. Und in jedem Moment ist Zaz, die eigentlich Isabelle Geffroy heißt, eine bezaubernde Sängerin, bei der jeder Ton sitzt, die mit der Leichtigkeit einer Jazz-Sängerin Verzierungen setzt, mit dem Volumen einer Rockröhre Dampf macht und mit der Energie eines aufgekratzten Teenies über die Bühne tanzt und wirbelt. Die den Oberkörper mit beiden Armen voraus Richtung Publikum wirft und einmal mehr „Lauter!“ ruft. Ein wirbelnder Esprit, dem man sich nur schwer widersetzen kann. Weiterlesen: Zaz, Camille und andere: das neue Gesicht des Chansons

Die Stimme einer durchliebten Nacht

Am Besten aber ist Zaz, wenn sie swingt und scattet, um das Chanson auf die Höhe unserer Zeit zu heben. Dann schlendert sie mit mit einem Hauch von Traurigkeit musikalisch „Dans ma rue“ oder beschöwrt „La romance de Paris“, das aber mit unwiderstehlichem Charme in der Stimme. Ein Teenager im Stimmbruch schimmert da noch leise durch, in einer Stimme, die stark nach ein paar Drinks und einer durchliebten Nacht klingt, nach dem Paris der Träume. Wenn sie dann, zu „Comme çi, comme ça“, per Animation Sternenstaub verstreut, verwandelt sich Zaz endgültig in die Fee, von der sie vorher schon gesungen hat.

Ein starkes Team hat diese Illusionsmaschine aus Filmen, Animationen, Projektionen von vorne und Projektionen von hinten gebaut und die Teile perfekt aufeinander abgestimmt; der Abspann ehrt das Team dafür ein zweites Mal. Zaz aber macht Paris zur schönsten Illusion der Welt.