In der Kunsthalle Osnabrück Maria José Arjona zeigt zweite Performance

Von Dr. Stefan Lüddemann


Osnabrück. In der Kunsthalle Osnabrück setzt Maria José Arjona die Reihe ihrer Performances mit „Der zweite Botschafter“ fort. Sie wiederholt ihre Performance am 6. und 7. Februar 2016.

Am Ende hält sie uns zum Besten. Maria José Arjona hat gerade drei Viertelstunden lang im Schneidersitz gesessen und mit der Würde einer Hohepriesterin Zigarren geraucht. Jetzt steigt sie herab, geht kerzengerade aus der Kunsthalle – und lässt einen Zettel zurück. „Wir haben unsere Flügel ganz entfaltet, um unseren Stimmen den letzten Namen anzuvertrauen.“ Die Zuschauer treten scheu an den Tisch, lugen auf das Blatt Papier, rätseln. Hier weiterlesen: Maria José Arjona - die Termine der Performances .

Was soll dieser Satz bedeuten? Formuliert er eine letzte Weisheit, führt er als Finte ins Leere? Das Spiel mit der Bedeutsamkeit gehört zu jeder Performance. Sitzen, rauchen, gehen – das alles gehört zur Banalität des Alltags. Als Elemente einer Performance müssen Handlungen, Objekte, Gesten und Ort miteinander zu einem Ganzen verschmolzen werden, das über seine einzelnen Bestandteile hinausweist. In der Kunsthalle Osnabrück ist es an der Künstlerin Maria José Arjona, ihren Auftritt mit Spannung und Leben zu erfüllen und ihm damit Bedeutsamkeit zu verleihen. Hier weiterlesen: Maria José Arjona - das Kunstprojekt „You are splendid“ .

Vor einer Woche ist sie mit „Flugplan“ in ihr Ausstellungsprojekt „You are splendid!“ gestartet. Die Künstlerin posierte dabei mit Vögeln und Objekten in einem lebenden Bild, das einen ganzen Bedeutungskosmos entwarf. Mensch und Natur, Vögel, Migration und Wissen: Mit ihrer ersten Performance zeichnete Arjona die Landkarte einer ganzen Kulturgeschichte auf. Hier weiterlesen: Maria José Arjona - die Eröffnungsperformance „Flugplan“ .

Nach dieser Exposition hat sie sich nun auf die Reise gemacht. Den langen Holztisch hat sie nun diagonal in die Vierung der Dominikanerkirche gestellt. Auf dem Tisch sitzt sie vor drei Kerzenleuchtern. Arjona trägt Falkenklappe und Federjacke. Sie raucht Zigarren, lässt den Rauch in dichten Schwaden aus ihrem Mund in die Höhe entweichen. Rauchen als Opferhandlung und Anverwandlung? So wirkt es. Arjona zerbröckelt die Zigarren, lässt Tabakbrösel in Häufchen auf dem Tisch zurück. Hier weiterlesen: Maria José Arjona - die Performance „Habito“ .

Mit „Der zweite Botschafter“ zielt die Künstlerin auf einen Akt der Verwandlung. Sie wird selbst zum Vogel, inhaliert mit dem Tabak die Stoffe aus den Blättern der in Lateinamerika heiligen Pflanze. Mit ihrer Performance beschwört sie den Übertritt über jene Grenze, der Mensch und Tier, Kultur und Kreatur trennt. Mit ihren Performances setzt sie nun die einzelnen Elemente des belebten Bildes, das sie zur Eröffnung zeigte, in Bewegung. Die Intensität von „Flugplan“ erreichte sie mit ihrem zweiten Auftritt nicht ganz. Dafür liefert sie mit dem Zettel eine ironische Pointe. Der Sinn der Botschaft: Macht Euch selbst Euren Reim.

Kunsthalle Osnabrück: Maria José Arjona: You are splendid!. Die Performance „Der zweite Botschafter“ wird am Samstag, 6. Februar, und am Sonntag, 7. Februar 2016, jeweils um 16 Uhr wiederholt.

Info: kunsthalle.osnabrueck.de/strtseite.html


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