Kampf um Menschenrechte „Suffragette“ – Frauen begehren auf

Der Film „Suffragette“ schildert den Kampf britischer Frauenrechtlerinnen. Foto: ConcordeDer Film „Suffragette“ schildert den Kampf britischer Frauenrechtlerinnen. Foto: Concorde

Osanbrück. Sie waren militant, zäh und riskierten viel: Anfang des 20. Jahrhunderts forderten britische Frauenrechtlerinnen fundamentale Menschenrechte ein. Der Film „Suffragette“ schildert nun ihren Kampf.

„Wir schmeißen Fenster ein, brennen Dinge nieder, weil schließlich Krieg das Einzige ist, was Männer verstehen.“ Maud Watts ( Carey Mulligan ) sitzt dem Polizei-Inspektor Steed (Brendan Gleeson) gegenüber, gibt sich kämpferisch: „Was wollen sie tun? Uns alle einsperren? Wir sind in jedem Haus. Wir bilden die Hälfte der Menschheit. Sie können uns nicht aufhalten.“

Es scheint heute unvorstellbar: Frauen durften in Großbritannien bis 1928 nicht wählen, kein politisches Amt bekleiden und waren der Gnade ihrer Ehemänner ausgeliefert. Auch Maud Watts, die als Wäscherin schuftet, hat schlimme Erfahrungen gemacht. Ihre (fiktive) Geschichte setzt im Jahr 1912 ein, als sie während eines Suffragetten-Protestes verhaftet wird. Der Ehemann (Ben Whishaw) verstößt sie, verbietet ihr den Kontakt zum Sohn und von Kolleginnen und Nachbarn wird sie fortan gemieden.

Doch Maud findet in der Apothekerin Edith ( Helena Bonham Carter ) eine neue Freundin und in Emmeline Pankhurst (Kurzauftritt: Meryl Streep ), der Anführerin der Suffragetten-Bewegung, ein Vorbild. Aber die Bewegung ist auch militant: Sie sprengt Häuser in die Luft, ja, schreckt selbst vor dem größten Opfer überhaupt, dem eigenen Leben, nicht zurück. 

Kein Zweifel, auch der Film „Suffragette“ gibt sich kämpferisch. Er schildert bewegend, unter welch harten Bedingungen Frauen damals in England ihr Leben fristeten und wie rechtlos sie der Willkür von Männern ausgeliefert waren. Regisseurin Sarah Gavron zeigt dies alles wohl durchaus realistisch, schreckt dabei aber auch nicht vor melodramatischen Überspitzungen zurück.

Dennoch: Trotz aller emotionalen Beteiligung, wirkt die Inhaltsangabe revolutionärer als der Film selber. Nicht nur, weil er seine Botschaft dick aufträgt, wie schon der Untertitel „Taten statt Worte“ andeutet, sondern auch weil er eine komplexe Geschichte recht hastig erzählt und vieles konstruiert wirkt. Wie etwa das Ende, das eine Verzweiflungstat zum heroischen Akt verklärt. Mögliche Zwischentöne vermeidet der Film so konsequent und setzt auf ein eher simples Schwarz-weiß-Schema.

Und so wirkt „Suffragette“, trotz durchweg grandioser darstellerischer Leistungen, auch eher wie ein ins starre Korsett gezwängte arg konventionelle TV- Kostümdrama. An Ikonen des feministischen Kinos, etwa Chantal Akerman  oder Margarethe von Trotta , reicht Gavron nie heran.

Allerdings: In seiner Darstellung der Unterdrückung von Frauen, erweist sich „Suffragette“ als immer noch empörend. Bis zum Nachspann, der darauf hinweist, wie zögerlich Frauen weltweit das Wahlrecht zugestanden wurde – und wird. Der Kampf geht also weiter.


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