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Anis Hamdoun gewinnt bei „Nachtkritik“ „The Trip“ ist die herausragende Inszenierung 2015


Osnabrück. Das Flüchtlingsdrama „The Trip“ hat bei einem Voting des Online-Theaterportals „nachtkritik.de“ den ersten Platz gemacht. Das Stück von Anis Hamdoun wird damit Thema des nachtkritik-Theatertreffen-Kritikergespräch 2016 erhalten, in dem Theatermacher und Nachtkritiker gemeinsam mit dem Publikum über die Arbeit diskutieren.

Der Facebook-Kommentar liest sich extrem lakonisch. „I have won“, schreibt Anis Hamdoun zum Post des Onlinetheaterportals nachtkritik.de, der sein Stück „The Trip“ als Gewinner des nachtkritik-Theatertreffens vermeldet. 47 Inszenierungen hatten die Autorinnen und Autoren von „nachtkritik.de“ den Lesern zur Abstimmung angeboten. 470 von 7170 Stimmen haben Hamdouns Stück den ersten Platz beschert. „The Trip“ war 2015 beim Osnabrücker Theaterfestival Spieltriebe 2015 uraufgeführt worden. Hamdoun thematisiert darin die Flucht vor dem Krieg in Syrien, und zwar aus der Perspektive von Flüchtlingen und aus der von Menschen, die den Bomben, der Verfolgung und dem Elend in Syrien trotzen. Das Stück wurde zum Geheimtipp der „Spieltriebe“, und entgegen ursprüngliche Pläne nahm es das Theater Osnabrück in den Spielplan auf. Weiterlesen: Ein Blick hinter die Kulissen von „The Trip“

Anis Hamdoun vor Castorf und Pollesch

Beim Nachtkritik-Voting hat Hamdoun mit „The Trip“ eine Reihe großer Theater und großer Namen auf die hinteren Ränge verwiesen. So folgt auf Platz zwei „Kongo Tribunal“ von Milo Rau. An dritter Stelle steht „Fear“ von Falk Richter, das an der Schaubühne Berlin das Licht der Theaterwelt erblickt hat. René Pollesch schaffte es mit „Von einem der auszog, weil er sich die Miete nicht mehr leisten konnte“ an der Volksbühne Berlin mit 256 Stimmen auf Platz sieben, Frank Castorf mit den „Brüdern Karamasov auf Platz 9. Doch das Theater Osnabrück ist nicht der einzige David unter lauter Theater-Goliaths: Mit „Fliegeralarm“ von Jens-Erwin Siemssen schafft es die Landesbühne Nord Wilhelmshaven auf Platz 5, und das Deutsche Theater Göttingen kommt mit Max Frischs „Biedermann und die Brandstifter“ in der Inszenierung von Lucia Bihler auf Platz 6.

„Osnabrück hat das Recht, stolz zu sein“

Der Intendanten des Theaters Osnabrück, Ralf Waldschmidt, sieht durch das Nachtkritik-Votum den guten Ruf bestätigt, den sein Haus überregional genießt. „Die Stadt Osnabrück hat das Recht, Stolz zu sein“, sagt er. „Der erste Platz für ,The Trip‘ ist das Ergebnis einer tollen Teamarbeit“, meint Waldschmidt weiter. Schon seit längerem seien das Theater und Hamdoun deshalb im Gespräch über weitere gemeinsame Projekte – Details wollte Waldschmidt aber noch nicht nennen.

Anis Hamdoun hat sich unterdessen etwas dezidierter geäußert: Er sei „wirklich glücklich“, schreibt er aus dem ICE, dankt seine Freunden aus der ganzen Welt – und widmet den Preis den Freunden, „die im Kampf um Freiheit gestorben sind.“ „The Trip“ ist ein Stück von bedrückender Realität. Weiterlesen: Anis Hamdoun engagiert sich weiter für Flüchtlinge - demnächst im Film


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