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27.01.2016, 18:22 Uhr ORCHESTERGEWERKSCHAFT HAT GETAGT

Wir brauchen das Konzert der Zukunft

Kommentar von Ralf Döring

Alles gut? Beim Neujahrskonzert des Osnabrücker Symphonieorchesters schon. Denn da ist die Halle voll. Foto: Jörn MartensAlles gut? Beim Neujahrskonzert des Osnabrücker Symphonieorchesters schon. Denn da ist die Halle voll. Foto: Jörn Martens

Die Deutsche Orchestervereinigung hat getagt und die schlechte Bezahlung für Orchestermusiker, vor allem in Ostdeutschland, beklagt. Außerdem befürchtet sie, dass sich die Orchesterlandschaft weiter ausdünnt. Alles richtig - nur: Die Orchester sind nicht ganz unschuldig an der Misere. Sie müssen sich Gedanken über ihr Publikum und das Konzert der Zukunft machen. Ein Kommentar.

Ist das klassische Sinfonieorchester noch zeitgemäß? Der Blick ins Programmheft und von da ins Publikum sagt in der Regel: nein. Gespielt wird Musik, die mindestens hundert Jahre alt ist, für ein Publikum jenseits der sechzig. Links und rechts im Saal: leere Sitze. So schön die Musik sein mag: Es sieht aus, als schaffe sich eine Institution gerade selbst ab. Gut besucht: Das jüngste Konzert des Osnabrücker Symphonieorchesters

Die Entschlossenheit der Politik

Das leistet Politikern Vorschub, die in der Kultur, in diesem Fall bei den Orchestern, den Rotstift ansetzen wollen. Der Einspareffekt ist zwar allenfalls von symbolischem Wert, weil die Millionendefizite, die den Kommunen die Luft nehmen, nicht in der Kultur entstehen. Aber die Politik demonstriert Entschlossenheit. Das zieht beim Wähler. Auch Osnabrück sucht sein Heil bei Kürzungen im Kulturhaushalt.

Berechtigte Forderungen

Wollen die Orchester dagegenhalten, brauchen sie den Rückhalt in der Bevölkerung. Sie müssen deshalb dringend überlegen, wie sie für eine jüngere Generation Teil des gesellschaftlichen Lebens werden. So berechtigt die Forderung der Deutschen Orchestervereinigung nach angemessener Bezahlung sein mag: Der grundlegenden Diskussion über das Konzert der Zukunft muss sich die DOV auch stellen. Dringend.