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26.01.2016, 06:00 Uhr KORREKTUR DER HISTORIE?

Potsdam streitet über DDR-Hotelbau

Ein Kommentar von Dr. Stefan Lüddemann


Der Klotz stört: Das Hotel Mercure (links), das Stadtschloss (Mitte) und die Nikolaikirche in Potsdam. Foto: dpaDer Klotz stört: Das Hotel Mercure (links), das Stadtschloss (Mitte) und die Nikolaikirche in Potsdam. Foto: dpa

Osnabrück. Potsdam streitet über das ehemalige DDR-Interhotel. Die Stadtspitze will den „Klotz“ abreißen. Aber lassen sich Geschichte und Erinnerung so einfach korrigieren?

Alle Debatten und Projekte zum Wiederaufbau zerstörter Monumente wie Frauenkirche oder Berliner Stadtschloss haben einen Antrieb: die Rückholung verlorener Geschichte. Geschichte ist hingegen kein Material, über das sich nach dem Drehbuch der Gegenwart verfügen ließe. Historie hat ihre eigenen Gesetze und Gegenläufigkeiten. Hier weiterlesen: Neil McGregor - Intendant für das Humboldt-Forum.

Eine Binsenweisheit? Vielleicht. In Potsdam schlägt sie gerade aber voll durch. Dort wollen Lokalpolitiker ihre Stadthistorie nach einem homogenen Gesamtplan neu inszenieren. Das widerspricht nicht nur dem Missbrauch, der mit der Symbolik Potsdams gerade im Dritten Reich getrieben worden ist. Probleme bereitet auch das ehemalige Interhotel aus DDR-Zeiten. Selbst ein Zeugnis der Geschichte, steht es jetzt jener Geschichte im Weg, die Potsdams Stadtspitze neu schreiben möchte. Hier weiterlesen: Humboldt-Forum - Ort der Begegnung der Weltkulturen.

Ein Widersinn? Ja. Der Hotelturm müsste als Wahrzeichen der Stadt zu akzeptieren sein, ohne falsche Ostalgie, aber mit Respekt vor einer Erinnerung, die ohne Brüche nicht zu haben ist.


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