Felix Nussbaums Cousine erzählt Autobiografie von Auguste Moses-Nussbaum erscheint

Von Dr. Stefan Lüddemann

Sie hat ihre Lebenserinnerungen verfasst: Auguste Moses-Nussbaum. Foto: Universität OsnabrückSie hat ihre Lebenserinnerungen verfasst: Auguste Moses-Nussbaum. Foto: Universität Osnabrück

Osnabrück. Das Buch ist eine wichtige Quelle zur Kunst Felix Nussbaums: Die Lebenserinnerungen seiner Cousine Auguste Moses-Nussbaum sollen auf deutsch erscheinen.

Als „Lebenserinnerungen von unschätzbarem Wert“ bezeichnet die Universität Osnabrück in einer Mitteilung das autobiografische Werk. Die deutschsprachige Version des Erinnerungsbuches der inzwischen 92 Jahre alten Auguste Moses-Nussbaum, der Cousine des Malers Felix Nussbaums (1904-1944), soll noch 2016 im Wallstein-Verlag erscheinen. Der Kunsthistoriker Jürgen Kaumkötter, Kurator des Zentrums für verfolgte Künste in Solingen, und der Historiker Prof. Dr. Christoph Rass von der Universität Osnabrück geben den Text heraus und versehen ihn mit Anmerkungen. Der Mitteilung nach wird das Publikationsprojekt durch die Stiftung Niedersachsen, die Niedersächsische Sparkassen Stiftung und die Stahlwerksstiftung Georgsmarienhütte unterstützt. Hier weiterlesen: Inge Jaehner gibt die Leitung des Felix-Nussbaum-Hauses ab .

Die in Emden geborene Auguste Moses-Nussbaum hat wesentlich dazu beigetragen, die Gemälde des in Auschwitz ermordeten Felix Nussbaum zu retten. Der in Osnabrück geborene Maler hat in seinen Bildern, die vor allem im belgischen Exil in Ostende und Brüssel entstanden, die Themen Gewalt, Vertreibung und Exil beispielhaft für die Kunst des 20. Jahrhunderts künstlerisch umgesetzt. Vor allem Bilder wie das „Selbstbildnis mit Judenpaß“ und „Triumph des Todes“, 1943 und 1944 entstanden, gelten heute als Ikonen einer Kunst als Mahnung und Erinnerung. Rund 200 Bilder Nussbaums bilden den Bestand des 1998 eröffneten Felix-Nussbaum-Hauses in Osnabrück. Hier weiterlesen: Felix Nussbaums bekanntestes Bild - eine Begegnung mit dem „Selbstbildnis mit Judenpaß“ .

Wie die Universität Osnabrück betont, seien die Lebenserinnerungen der Cousine Felix Nussbaums allerdings nicht nur als Quelle zu dessen künstlerischem Werk zu verstehen. Das Buch enthält den Angaben zufolge beeindruckende Schilderungen der nationalsozialistischen Verfolgung, der eigenen Flucht, den Tod fast aller Verwandten im Holocaust und den Neuanfang in Israel. Auguste Moses-Nussbaum lebt heute in einem Altenheim in der Nähe von Tel Aviv. Mit dem Buch werde aber auch deutlich, dass die Leistung von Auguste Moses-Nussbaum und Sophie Nussbaum, einer weiteren Cousine des Malers, bei der Wiederentdeckung von dessen Kunst, neu zu bewerten seien. „Ihre Leistung wird in der relevanten Literatur, wie auch im Osnabrücker Museum, zwar prominent gewürdigt, ihre tatsächliche Bedeutung bleibt gleichwohl marginalisiert“, so Kaumkötter. Hier weiterlesen: Kunst und Holocaust - das Projekt der Erinnerung.

Das Publikationsprojekt steht im Kontext weiterer Forschungen zum gleichen Thema an der Universität Osnabrück. Historiker der Universität entwickeln derzeit ein Projekt zur Erforschung von Lebensgeschichten und Lebenswegen von Künstlerinnen und Künstlern, die zu Opfern des Holocaust geworden sind. Dabei wollen die Forscher der Meldung zufolge über Grenzen von Generationen hinweg Lebensgeschichten erforschen. In diesem Zusammenhang besteht auch ein Kontakt zu Auguste Moses-Nussbaum. Thematisch eng verwandt sind die Ausstellungsprojekte von Jürgen Kaumkötter. Der Kurator hatte zuletzt mit dem Kunstprojekt des Bundestages „Niemand zeugt für die Zeugen - Der Tod hat nicht das letzte Wort“ Kunst zum Thema Holocaust in Berlin ausgestellt. Hier weiterlesen: Kunst zum Thema Holocaust - Jürgen Kaumkötter im Interview .