Breslauer Highlights: Von Kaiser Leopold bis David Gilmour

Von Norbert Meyer


Breslau. Breslau ist Europas Kulturhauptstadt 2016. Das Jahresprogramm enthält viele Höhepunkte - und die Stadt hat einzigartige Sehenswürdigkeiten zu bieten.

Höhepunkte des Breslauer Kulturhauptstadt-Programms 2016:

15. – 17. Januar: Eröffnungsfeiern unter dem Motto „Erwachen“ mit dem Zusammentreffen von vier großen Menschenzügen, die die Stadtgeister „Wiederaufbau“, „Innovation“, „Hochwasser“ und „Religionsvielfalt“ symbolisieren, auf dem Rathausplatz.

23. Februar: Konzert des Filmmusik-Komponisten Ennio Morricone (86) in der Jahrhunderthalle – zusammen mit 200 anderen Musikern und Sängern.

März bis Juni: Architektur-Ausstellung der experimentellen Werkbund-Siedlungen der Jahre 1927 bis 1932 in den Städten Stuttgart, Brünn, Zürich, Prag, Wien und Breslau. Erstmalige Präsentation aller sechs Wohnsiedlungen an einem Ort.

22. – 24. April: Breslau wird Unesco-Welthauptstadt des Buches. Höhepunkt ist die Eröffnung des Museums „Pan Tadeusz“, in dem künftig die Original-Handschrift des gleichnamigen Werks von Adam Mickiewicz präsentiert wird.

27. April – 1. Mai: Anlässlich des Jazz-Welttages gibt es Konzerte unter anderem im Nationalen Musikforum, auf Schiffen auf der Oder, nächtliche Jam-Sessions in Lokalen und ein Abschlusskonzert in der Jahrhunderthalle.

10. – 12. Juni: Unter dem Motto „Flow“ wird in einer großen Performance auf der Oder und an ihren Ufern zur Halbzeit des Kulturhauptstadtjahres an Ereignisse aus der Stadtgeschichte des 20. Jahrhunderts erinnert.

18. Juni: Spanische Nacht mit Carmen im Stadion. Die Breslauer Oper präsentiert zusammen mit Musikern aus Madrid und der Zwillingskulturhauptstadt San Sebastian ein Show-Spektakel auf einer riesigen Bühne mit mehr als 500 Mitwirkenden.

25. Juni: Johannes der Täufer ist der Schutzpatron Breslaus, sein Namenstag wird alljährlich groß gefeiert. Aus diesem Anlass geben Pink-Floyd-Gitarrist David Gilmour und der polnische Jazzpianist Leszek Mozdzer ein gemeinsames Open-Air-Konzert.

14. Oktober – 14. November: Internationale Theaterolympiade – basierend auf einer Idee Melina Mercouris, der Initiatorin des Wettbewerbs um den Titel „Europäische Kulturhauptstadt“.

10. Dezember: 29. Gala zur Verleihung der Europäischen Filmpreise im Nationalen Musikforum. Zuvor werden im Kino „Nowe Horyzonty“ die nominierten Filme gezeigt.

17. Dezember: Abschlussfeier in der Jahrhunderthalle

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Breslaus:

Dom und Dominsel: Die Keimzelle der Stadt. Hier errichteten im 9. Jahrhundert slawische Siedler eine Festung. Der Dom, benannt nach Johannes dem Täufer, wurde zwischen 1244 und 1341 errichtet. Besonders sehenswert ist die Elisabethkapelle (gebaut von 1682 bis 1700). Rechts vom Hauptaltar befindet sich Denkmal für den letzten deutschen Erzbischof Adolf Bertram. Vor der Kreuzkirche steht das Denkmal für den Initiator des Versöhnungs-Briefwechsels zwischen den deutschen und polnischen Bischöfen im Jahr 1965, Kardinal Boleslaw Kominek.

Rathaus und Markt (poln. Rynek): Seit Jahrhunderten Zentrum der Stadt und einst wichtigster Handelsplatz Schlesiens. Zwischen 1470 und 1480 entstand das Rathaus im spätgotischen Stil, heute ist es eines der schönsten erhaltenen Gebäude dieser Epoche in Europa und Breslaus Wahrzeichen. Das Bierlokal „Schweidnitzer Keller“ im Rathausgebäude (poln. „Piwnica Swidnicka“) existiert seit rund 700 Jahren.

Jahrhunderthalle: Errichtet nach den Plänen des Architekten und Stadtbaumeisters Max Berg im Jahr 1913 auf einem Ausstellungsgeländes zur 100-Jahrfeier der Befreiungskriege. Der mit einer Spannweite von 65 Metern von der Firma Dyckerhoff und Widmann errichtete damals weltgrößte Stahlbeton-Kuppelbau dient der Stadt noch heute als wichtigster Ort für überdachte Großveranstaltungen.

Universität: Der Bau des Hauptgebäudes wurde noch unter der Regentschaft der Habsburger 1728 begonnen. Aus dieser Zeit stammt auch der Prunksaal Aula Leopoldina, benannt nach Kaiser Leopold I. Von 1811 bis 1945 hieß die Hochschule Schlesische Friedrich-Wilhelms-Universität. Dort wirkten unter anderen die Nobelpreisträger Paul Ehrlich, Theodor Mommsen, Otto Stern und Fritz Haber.

Königliches Schloss: Im Breslauer Schloss der preußischen Könige befindet sich ein Museum zur 1000-jährigen Geschichte der Stadt. Hier ist auch die Uniform ausgestellt, in der sich der letzte deutsche Festungskommandant, der aus Papenburg stammende Infanteriegeneral Hermann Niehoff, am 6. Mai 1945 der sowjetischen Armee ergab.

Zwergenaufstand: Auf Schritt und Tritt begegnen Besucher im Zentrum Breslaus Zwergenfiguren aus Bronze. Inzwischen sind es etwa 300. Sie gehen zurück auf die Oppositionsbewegung gegen die kommunistischen Machthaber („Orange Alternative“) in den 1980er Jahren, als die Gewerkschaft Solidarität verboten war und Kriegsrecht herrschte. Demonstranten gingen damals zum Beispiel am Weltkindertag mit orangefarbenen Mützen auf die Straße. Ihr Treffpunkt war die Milchbar „Barbara“, die – renoviert – zum zentralen Infopunkt des Kulturhauptstadtjahres geworden ist.