Vis-à-Vis im Theater Giovanni Di Palma über die Arbeit von Choreografen

Von Marie-Luise Braun


Osnabrück. Einblicke in die Arbeit eines Choreografen gab Giovanni Di Palma in der Reihe „Vis-à-Vis“ im Vorfeld zum Tanzabend „tri_angle“ am Theater Osnabrück.

Auf der Bühne wirken Tanz und Tänzer zumeist so leicht und selbstverständlich. Wie viel Arbeit dahinter steckt und wie viele Personen daran mitwirken, damit es gelingt, bleibt dem Publikum zumeist verborgen. Diesen speziellen Vorhang lüftete das Theater Osnabrück ein wenig beim Besuch des Choreografen und ehemaligen Tänzers Giovanni Di Palma bei „Vis-à-Vis“ .

Er ist viel unterwegs: Gerade kommt Giovanni Di Palma aus Tokio, in wenigen Tagen geht es wieder zurück. Außerdem steht ein Einsatz in Brasilien auf dem Programm, Anfang Februar ist er wieder in Osnabrück und zwischendurch will der gebürtige Italiener auch einmal nach Hause. Das liegt seit einigen Jahren in Südfrankreich.

Der ehemalige Solist des Leipziger Balletts reist beruflich im Namen des Choreografen Marco Goecke. Als dessen Assistent studiert er mit Ensembles in diversen Ländern dessen Stücke ein. In Osnabrück ist es die Choreografie „Blushing“, die am 20. Februar als Teil des dreiteiligen Abends „tri_angle“ zu sehen sein wird. Die anderen beiden Teile stammen von Mauro de Candia , dem Künstlerischen Leiter der Osnabrücker Dance Company, und Stephan Thoss , der in der kommenden Spielzeit am Nationaltheater Mannheim Ballettintendant wird.

„Es ist eine große Verantwortung, die Stücke in Marcos Namen einzustudieren“, sagt Di Palma im Gespräch mit der Tanz-Dramaturgin Patricia Stöckemann. Dafür müsse man den Choreografen sehr gut kennen, ergänzt Giovanni Di Palma, der in Leipzig selbst einige Jahre bei Goecke getanzt hat – auch in Choreografien, die Marco Goecke eigens für ihn entwickelt hatte.

„Ich erzähle viel von Marco, damit die Tänzer seine Welt, seine Philosophie, seine Person kennenlernen können“, sagt Di Palma. Während des Trainings versuche er zudem, auf die einzelnen Tänzer, ihr Potenzial und ihre Gedanken zum Stück einzugehen und diese einzuarbeiten, erläutert er sein Arbeitsverständnis, das dem eines Vermittlers zwischen den Welten zu gleichen scheint.

Wo aber steckt bei all dem Einsatz die Persönlichkeit „Giovanni Di Palma“ selbst? Die Arbeit jetzt sei wesentlich intensiver, als zu seiner Zeit als Tänzer, antwortet Di Palma auf die Frage dieser Redaktion. „Ich begleite die einzelnen Tänzer vom ersten Schritt bis zur Aufführung“, ergänzt er und: „Ich bin bei der Aufführung nervöser als die Tänzer“, sagt Giovanni Di Palma, der im Alter von fünf Jahren seine ersten Tanzschritte in einem Ballett bei Neapel machte.

Zum Tanz habe er gefunden, weil er eine Nachbarin aus dem 3000-Seelen-Dorf, aus dem er stammt, ein Mal zum Ballettunterricht begleitet habe. Anschließend habe er seine Eltern gebeten, selbst Unterricht nehmen zu dürfen. Dass die Umsetzung dieses Wunsches als Junge in einem italienischen Dorf und in einer Familie, in der es zuvor keine Künstler gegeben hatte, nicht leicht gewesen ist, auch das machte Giovanni Di Palma deutlich: „Es ist ein harter Weg.“