Dem Bösen sämtliche Zähne gezogen Krimi-Sketch-Abend im Piesberger Gesellschaftshaus

Kriminalistik mit Komik: Szene aus „Das Böse, nein, es ruht und rastet nicht“ der „Märchenhaften“. Foto: Elvira PartonKriminalistik mit Komik: Szene aus „Das Böse, nein, es ruht und rastet nicht“ der „Märchenhaften“. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Nein, das Böse ruhte und rastete in der Tat nicht, wie der Titel der neuen Produktion der seit 2003 bestehenden Laienschauspielgruppe „Die Märchenhaften“ aus Wallenhorst versprach. Aber facettenreich und mit viel schwarzem Humor nahm ihre bunte Krimi-Sketch-Show im gut besuchten Piesberger Gesellschaftshaus dem Kriminellen und Niederträchtigen immerhin den Schrecken.

Im launigen Boulevardtheater-Stil brachte das elfköpfige Ensemble ebenso viele Szenen auf die Bühne, die nicht nur Mord und Totschlag, sondern auch Spionage, Betrug, Korruption und Kunstraub mit Komik begegneten. Nicht jedem Text von Andreas Kroll gelang es dabei so überzeugend, gängige Krimimuster zu persiflieren, wie das mit der Tatort-Erkennungsmelodie eingeleitete Verhör zweier älterer Schwestern mit Gedächtnisproblemen. Oder der Text eines aus der Großstadt in die verschlafene Provinz strafversetzten Wachtmeisters, der sich dort mit einer alten Schreibmaschine, einer geschwätzigen Dorfbewohnerin und einem Mangel an Kapitalverbrechen herumschlagen muss, aber am Ende selbst für einen Mord sorgt.

Nicht blutrünstig, sondern stets nett und unterhaltsam zogen die Laiendarsteller unter der Regie von Anja Mewes sämtliche Register, um dem Bösen in seiner vielfältigen Form mit der Waffe des Humors alle Zähne zu ziehen. Der Spieß wurde dabei in Form eines Revolvers schon mal umgedreht, um ihn auf nicht ernst zu nehmende Entführer zu richten. Vermeintlich professionelle Auftragskiller entpuppten sich als Stümper, die böse daneben zielten. Ein weiterer erreichte sein Ziel allein mit Worten. Und im Museum war ein Räuberpaar mit eingeschränktem Kunstverständnis auf die verständige Beratung des Nachtwächters angewiesen.

So führten die elf Märchenhaften mit spielerischer Leichtigkeit und Mordsspaß rund zwei Stunden lang das vermeintlich Böse variantenreich an der Nase herum, wendeten es gegen sich selbst oder lösten es in Wohlgefallen auf. Die beklemmende Atmosphäre, die zu Beginn mittels im Saal verstreuter Spione und irrlichtender Revolverhelden erzeugt wurde, war schnell vergessen.


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