Reise auf den Spuren des Pop-Quartetts Stockholm durch die Abba-Brille

Meine Nachrichten

Um das Thema Kultur Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Stockholm. Lebendige Erinnerung an das legendäre Pop-Quartett: Museum, Stadtrundgang, Bootstour oder Party – Stockholm hat mittlerweile so einiges zu bieten, damit Touristen die schwedische Metropole durch die Abba-Brille betrachten können.

Mans – wer? Wer erinnert sich noch an den 29-jährigen Mans Zelmerlöw ? Der Popsänger hat Schweden im Mai dieses Jahres zum sechsten Sieg beim Eurovision Song Contest (ESC) gesungen. Die Erinnerung an ihn und seinen Titel „Heroes“ ist jedoch außerhalb seiner Heimat schnell verblasst. Wer an den ESC und Schweden denkt, dem kommen wohl als Erstes die musikalischen „Helden“ des damals sogenannten Grand Prix d’Eurovision 1974 in den Sinn: das Pop-Quartett Abba. Damals legten die vier Schweden mit dem „Waterloo“-Sieg den Grundstein für ihre Weltkarriere, die ebenso legendär wurde wie ihre seit 1982 erklärte und anhaltende „Pause“.

Überwiegend Musiktouristen aus aller Welt zieht es jedes Jahr in die schwedische Hauptstadt, um auf den Spuren von Leben und Werk der beiden einstigen Liebespaare Agnetha Fältskog und Björn Ulvaeus sowie Anni-Frid Lyngstad und Benny Anderson zu wandern. Das wird 2016, wenn die 61. Ausgabe des ESC in Stockholm ausgetragen wird, nicht anders sein. Die Stadt hat sich längst auf ihre Art darauf vorbereitet.

„Arrival“

Schon bei der Ankunft auf dem Flughafen Arlanda wird der Abba-Tourist im Terminal auf eine nostalgische Popzeitreise vor einem Fenster eingestimmt: Ewig-junge Abba-Abbilder aus Pappe stehen da neben einer Hubschrauber-Attrappe, dahinter eine Plakatwand mit dem Album-Cover „Arrival“ aus dem 1976. Während Kleinkinder den Hubschrauber als Kletterattraktion erobern, geht es für Erwachsene bereits gedanklich zurück in die 70er-Jahre: Zur Erinnerung an Jugendzimmer mit gelb-orangefarbenen und braunen runden Tapetenmustern auf denen dicht gedrängt Abba-„Bravo“-Poster klebten, die die vier talentierten Mittzwanziger zeigten. Und obgleich sie irgendjemand in merkwürdige silberne Plateau-Stiefel, schräge bunte Glitzerkostüme gesteckt hatte, posierten sie glücklich verliebt als musikalischer schwedischer Exportschlager. Wenngleich es zu jener Zeit für Jugendliche in Deutschland und auch in Schweden durchaus als peinlich galt, Fan einer Gruppe zu sein, die selbst die eigenen Eltern gern hörten. Doch wer jetzt als Original-Abba-Fan der 70er-Jahre nach Stockholm reist, ist im Freundeskreis längst rehabilitiert – dem Abba-Revival in den 90er-Jahren inklusive Kultstatus sei Dank.

„Dancing Queen“

„Das Leben ist jetzt so gut wie ein Abba-Song“, sagt Muriel zufrieden am Ende des australischen Spielfilms „Muriels Hochzeit“ (1994) – und eine Pop-Städtereise nach Stockholm ist so gut wie ein Musical, allerdings muss man bereits ein paar Songs und alte Bilder aus den Musikvideos des Quartetts im Kopf haben. Denn Stockholm geht im Stadtbild mit dem berühmten Poperbe eher dezent um. Sieht man mal von der königlichen Leibgarde ab, die gern mal ein Abba-Blasmusik-Medley bei der Wachablösung über den Schloss-Vorplatz schmettert – natürlich inklusive des Evergreens „Dancing Queen“, mit dem Abba 1976 den ersten Nummer-1-Hit in Amerika schaffte.

Vergeblich sucht man jedoch vor allem in der Altstadt Gamla Stan nach offensichtlichen Abba-Hinweisen, die beispielsweise an den „Waterloo“-Sieg von Brighton erinnern, wie Denkmal, Fanartikel in Souvenirläden oder Gedenkschilder an Häusern. Letztere findet man auch nicht an dem orangefarbenen alten Gebäude in der schmalen Gasse Baggensgatan 21: Nur während eines speziellen Abba-Stadtrundgangs erfährt man, dass Anni-Frid und Benny von 1974 bis 1975 hier wohnten. Zu einer Zeit also, als dies „äußerst ungewöhnlich“ und alles andere als en vogue war, erzählt Stadtführerin Elisabeth Daude: „In den 70er-Jahren wollte man hier nicht wohnen, aber heute ist die Altstadt ein Juwel!“ Bis in die 30er-Jahre lebten arme und alte Menschen in den kleinen Wohnungen des heruntergekommen Viertels. Von den heutigen Touristenströmen auf dem Platz Stortorget, wo sich Abba einst in Pelzmänteln vor dem Brunnen ablichten ließ, ahnte damals auch noch niemand etwas.

„Thank You For The Music“

Unbewusst hätten die Popmusiker mit ihren Aufnahmen für Albumcover und Musikvideos früh etwas für den späteren Stadttourismus in der nunmehr restaurierten Altstadt getan, sagt Daude. Daran hatte auch der „Bravo“-Fotograf Wolfgang Heilemann seinen Anteil, der die Gruppe Mitte der 70er-Jahre in Stockholm fotografierte. Doch aus Urheberrechtsgründen kann Daude nur ein paar Abba-Fotos an den wenigen markanten Punkten zeigen. Und da sich die Anwohner in den engen Gassen von den Abba-Songs gestört fühlen, lässt die Stadtführerin nur am Ende ihres anekdotenreichen Rundgangs am Rand von Gamla Stan „Thank You For The Music“ aus ihrem alten Walkman tönen.

Im Opernhaus an der Strömgatan sang Abba 1976 zu Ehren der Hochzeit des schwedischen Königs Carl Gustaf und Silva Sommerlath „Dancing Queen“. In den Sommermonaten wartet nun am Anleger vor der Oper das Ausflugsschiff „Delfin“, das das „Abba-Museum“ auf eine 50-minütige Tour für Touristen zu wichtigsten Eckpunkten aus dem Leben und Werk der Popgruppe in Stockholm schickt.

„Summer Night City“

Begleitet von einem Audio-Guide und einem hilfreichen Faltblatt mit zahlreichen Fotos, schippert das Boot vorbei an Drehorten der Musikvideos. Beispielsweise an der Hafenpromenade Strandvägen, die für die romantischen Spaziergänge der beiden Pärchen in dem Video zu „Summer Night City“ (1978) die passende Kulisse bot. Die idyllische Durchfahrt durch den Djurgardsbrunnsviken lässt dann vergessen, dass man sich in einer Großstadt befindet. Hier entstand die Traumszene aus Lasse Hallströms Kinofilm„Abba – The Movie“ (1977): Während das Quartett auf Bennys Boot mit dem Protagonisten, dem schusseligen Reporter Ashley, plauderte, liefen alle anderen Fotografen ihnen am Ufer auf dem Prinz Carl Weg hinterher. Mit dem kurzen Blick auf die Insel Lidingö hört man noch von der Abba-Ferieninsel Viggsö, wo Björn und Benny „Waterloo“ und „Summer Night City“ komponierten. Sie wird jedoch nicht angefahren. Die Privatsphäre der vier wird genauso gut wie zu besten Abba-Zeiten gehütet.

„Mamma Mia!“

Wer will, kann völlig in den Abba-Kosmos abtauchen – auf der Museums- und Freizeitparkinsel Djurgarden. Hier wird einiges für den Blick auf Stockholm durch die Abba-Brille getan, insbesondere auch auf Björn Ulvaeus’ Betreiben. Im Zuge des Abba-Revivals, das mit dem „Abba-Gold“-Album (1992) begann und nach dem Welterfolg des Musicals „Mamma Mia“ seinen Höhepunkt mit der Hollywoodverfilmung mit Meryl Streep (2008) erreichte, sind die Attraktionen rundum die Popstars in Stockholm stetig gewachsen: Im Zentrum steht das im Mai 2013 eröffnete „Abba – The Museum“, mit angeschlossenem Pop House Hotel auf Djurgarden. Ins Museum strömten bereits über 700000 Besucher. Neben der Präsentation etlicher Originalkostüme gibt es viele kuriose interaktive Stationen – vom Soundmix bis zum Karaoke-Auftritt. Highlight seit 2014: die lebensgroßen Silikon-Figuren des Quartetts. Am 20. Januar eröffnet ein weiteres Projekt des 70-jährigen Ulvaeus: „Mamma Mia! The Party“ , eine interaktive Mischung aus Restaurant, Musik, Show und Party, die in einer Halle des Freizeitparks Gröna Lund über die Bühne geht. Die Kulisse entsteht gerade: Nicos griechische Taverne aus der „Mamma Mia!“-Verfilmung. Zum ESC soll es auch englischsprachige Sondervorstellungen geben.

„The Winner Takes It All“

1982 war das Märchen von zwei Liebespaaren, die gemeinsam und harmonisch erfolgreich Popmusik machten, vorbei. Beide Paare waren mittlerweile geschieden. Sie hinterließen 1980 noch einen melancholischen Trennungsschmerz-Hit: „The Winner Takes It All“, geschrieben von Björn, gesungen von seiner Ex-Frau Agnetha. Es ist einer ihrer Lieblingssongs geblieben: 2014 sang sie ihn auch im nachgebauten Polar-Studio bei ihrem Besuch im Abba-Museum. „Wir Musiker haben das Ende bereits auf der Australien-Tour 1977 kommen sehen. Da hatten die Mädchen schon ihre eigene, von den Jungs getrennte Garderobe“, erinnert sich der ehemalige Abba-Musiker Ulf Andersson im traditionsreichen Restaurant „Ulla Windbladh“ am Fuße des Freilichtmuseums Skansen auf Djurgarden, wo ebenfalls etliche Abba-Fotos in den 70er Jahren entstanden sind.

Der 75-jährige Saxofonist geht im Frühjahr 2016 wieder mit „Abba – The Show“ der schwedischen Tribute-Band Waterloo um die Frontfrauen Camilla Dahlin und Katja Nord auf Tour, mit Stopps in Norddeutschland und Nordrhein-Westfalen. Die Coverband leistet seit 20 Jahren mit Liebe für Details erfolgreich ihren Beitrag, damit die Musik von Abba bleibt.


Tipps und Infos zu Reisen in Schweden sowie zum Thema Abba auf der offiziellen „Visit Sweden“, der offiziellen Homepage der Schwedischen Tourismuszentrale hier .

Zur offziellen „Abba The Museum“-Homepage geht es hier.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN