Kontroverse um Kunstsammler Eduard von der Heydt: Mäzen oder Nazi-Helfer?

Meine Nachrichten

Um das Thema Kultur Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Wuppertal. War der Kunstsammler ein Unterstützer der Nazis? Ein Symposium sollte die Rolle des Museumsstifters Eduard von der Heydts klären. Unsicherheiten werden aber bleiben.

Er brachte eine riesige Kunstsammlung europäischer Moderne und wertvoller Stücke aus Afrika und Asien zusammen. Eduard von der Heydt (1882-1964) ging als jener Sammler in die Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts ein, der seine Kollektion zur Vision einer Weltkunst formte. Unter dem Titel „Weltkunst“ wird sie derzeit auch in dem nach nach seiner Familie benannten Von-der-Heydt-Museum gezeigt. Gleichzeitig geht die Kontroverse um die Rolle des Mäzens in der Politik seiner Zeit weiter. War Eduard von der Heydt nicht früh in die NSDAP eingetreten? Hatte er nicht mit den Nationalsozialisten politische Hoffnungen verknüpft und ihre Aktivitäten unterstützt? Ein Symposium, das am 23. und 24. Oktober 2015 auf Einladung des Wuppertaler Museums stattfand, sollte diese Fragen näher untersuchen. Zu einem eindeutigen Urteil kamen die Fachgelehrten allerdings nicht. (Hier weiterlesen: Weltkunst - Eduard von der Heydts Kollektion erstmals wieder vollständig in Wuppertal zu sehen) .

Dabei geht es nicht nur um eine Frage für Fachgelehrte. Die Kontroverse um die Person des Kunstsammlers wird in seiner Heimatstadt Wuppertal erbittert geführt. Die Forderungen der Kritiker gingen dahin, das Museum neu zu benennen und auch den bisherigen Namen des Von-der-Heydt-Museums zu ändern. Eine vergleichbare Kontroverse wurde in Bielefeld um die Kunsthalle geführt. Dort regte sich Widerstand gegen die Benennung des Museums als Richard Kaselowsky-Haus. Der Industrielle Kaselowsky, der 1944 mit seiner Familie bei einem Bombenangriff auf Bielefeld getötet worden war, gehörte zur Familie Oetker, die das Kunstmuseum großzügig unterstützte. War Kaselowsky ein Opfer des Krieges oder ein Unterstützer der Nationalsozialisten? 1998 setzte eine Mehrheit aus SPD und Grünen im Stadtrat jedenfalls durch, den Namen Kaselowskys aus der Benennung der Kunsthalle zu streichen. (Hier weiterlesen: Eduard von der Heydt - der Bankier als Sinnsucher auf dem Monte Verità) .

So weit wird es in Wuppertal nicht kommen. Von der Heydt sei kein überzeugter Nationalsozialist, sondern eher ein Mitläufer gewesen, so das Resultat der Historiker. Der Bankier und Sammler wandte sich bereits früh von den Nazis wieder ab, leistete allerdings auch keinen Widerstand. Nach einer Mitteilung des Von-der-Heydt-Museums beschrieb Peter Steinbach, wissenschaftlicher Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin, den Bankier als schwache Persönlichkeit. Seine finanziellen Mittel hätten ihm die Möglichkeit gegeben, Deutschland zu verlassen und der Konfrontation mit den Nationalsozialisten auszuweichen. Als Großbürger habe er die Nationalsozialisten zunächst als das geringere politische Übel seiner Zeit gehalten. (Hier weiterlesen: Das Museum Folkwang in Essen zeigt die Außenseiter der Avantgarde) .

Immerhin positionierte sich von der Heydt deutlich, als es um Kunst und Kultur ging. Ester Tisa Francini vom Rietberg-Museum in Zürich stellte heraus, dass der Sammler auf die Diffamierung moderner Kunst durch die Nazis als „undeutsch“ und entartet klar reagierte habe. Der Sammler habe daraufhin Exponate aus seinen Beständen aus deutschen Museen abgezogen. Eduard von der Heydt hielt nicht nur jüdischen Kunsthändlern, bei denen er kaufte, die Treue, er erwarb auch keine Stücke aus ehemals jüdischem Besitz. Begründer der „Weltkunst“ oder „Nazi-Baron“? Das Wuppertaler Symposium hat diese Frage nicht entschieden. Folgerungen aus den Erkenntnissen zu Person und Verhalten des Bankiers und Mäzens habe die Kommunalpolitik zu ziehen, sagte der Historiker Eberhard Illner. Wieviel Zündstoff in der Debatte noch steckt, ist ohnehin unklar. Der Kulturpreis der Stadt Wuppertal, einst nach der Person des Mäzens benannt, heißt nur noch „Von-der-Heydt-Preis“. Sind damit alle weiteren Kontroversen überflüssig? (Hier weiterlesen: Kulturorden Frankreichs für Wuppertaler Museumsdirektor) .


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN