Konzert des BVN in St. Marien Blinde und sehende Künstler beim „Klassikherbst“

Die Streicher der Radiophilharmonie. Foto: Egmont SeilerDie Streicher der Radiophilharmonie. Foto: Egmont Seiler

Osnabrück. Mit seinen Konzerten schafft der BVN eine Bühne für die Begegnung blinder und sehender Menschen. In St. Marien musizierten die Sopranistin Alina Konarska-Schmidt, Carsten Zündorf und Streicher der Radiophilharmonie Hannover.

Wenn Carsten Zündorf in St. Marien Orgel spielt, ist das zwar schön, aber nicht weiter ungewöhnlich. Ein Konzert am Mittwoch aber war dennoch etwas Besonderes, denn als Veranstalter trat eine Organisation in Erscheinung, die in Osnabrück bislang nicht für klassische Konzerte bekannt war und einen besonderen Fokus setzt. Der Blinden- und Sehbehindertenverband Niedersachsen e.V. (BVN) möchte, so der Kulturbeauftragte Werner Schlager, blinde Künstler vorstellen und mit sehenden zusammenbringen und veranstaltet offenbar gar nicht wenige kulturelle Begegnungen. Ein Programmheft gibt es nicht, stattdessen moderiert Fritz Stenger-Lutz das Konzert. Für blinde und sehende Zuhörer ist das also gleichermaßen verständlich.

Sanfter, schlichter Gesang

Auf der Bühne steht bei diesem Konzert des „Klassikherbsts“ des BVN die Sopranistin Alina Konarska-Schmidt als einzige blinde Künstlerin. Die Sängerin habe, so Werner Schlager, unter anderem ein vereinfachtes Verfahren entwickelt, Partituren in Blindenschrift zu lesen. Das Konzert fand zuvor bereits in Hildesheim und Hannover statt, wo der BVN bislang seine Konzerte veranstaltet hat, jeweils mit den örtlichen Organisten.

So eröffnet Carsten Zündorf mit Bachs Präludium und Fuge C-Dur BWV 545, bevor Alina Konarska-Schmidt mit einer Solokantate von Händel zu hören ist. Begleitet wird sie dabei nur von der kleinen Truhenorgel und Carsten Zündorf. Der Titel der Kantate lautet „Dolce mio ben, s’io taccio“, und den Begriff dolce nimmt die Sopranistin wahrhaftig ernst: Sehr sanft und schlicht singt sie, die Stimme leicht und schwebend. Das Ganze wiederholt sich später in einer weiteren Kantate von Albinoni, ein sanftes Werk, was man bei dem Titel „Amor, sorte, destino“ auch anders hätte erwarten können.

14 Streicher der Radiophilharmonie

Mit von der Partie ist außerdem eine Abordnung von 14 Streichern der Radiophilharmonie Hannover, mit der Alina Konarska-Schmidt und Carsten Zündorf aber nicht zusammen musizieren. Die Streicher bestreiten ihren Programmbeitrag alleine und auch ohne Dirigenten. Von Mozart gibt es Adagio und Fuge c-moll KV 546, ein ernstes und weniger bekanntes Werk, von Toru Takemitsu drei sehr unterschiedliche Film-Partituren, und schließlich setzen die Hannoveraner den fulminanten Schlusspunkt mit der Serenade C-Dur von Pjotr Tschaikowskij, das ist „der“ Schlager für Streichorchester schlechthin. Das kleine Ensemble spielt stehend, flott und leicht, wahlweise sehr sanft oder auch mit großem Klang und lässt alle Facetten der Musik blühen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN