Biennale in Bad Rothenfelde „lichtsicht 5“: Interaktive Projektionen im Test

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Bad Rothenfelde. „lichtsicht 5“ gibt sich interaktiv. Mit drei Arbeiten der Biennale für Projektionskunst in Bad Rothenfelde kann der Besucher interagieren. Hier der Praxistest.

Die Katze springen lassen, das Feuer nähren? Das klingt nach poetischen Titeln von Yoga-Übungen. Es geht aber um „lichtsicht 5“, die Biennale für Projektionskunst in Bad Rothenfelde. Drei Arbeiten eröffnen für den Besucher die Chance der Interaktion. Dabei ist Bewegung gefragt. Die Kunst belohnt mit einzigartigen Erlebnissen und vielfältigen Anstößen zur Reflexion. (Hier weiterlesen: „lichtsicht 5“ - Schaulaufen im Schattentheater) .

Die Katze springen lassen: Jetzt habe ich die Katze. Sie schaut mich zwar nur von meinem Smartphone an, aber sie gibt mir damit ein Zeichen. Ich schwenke mein Smartphone, lasse es kreise, wische über das Display. Die blauen und roten Linien, die über die Projektionsfläche auf dem Gradierwerk huschen, beginnen zu schwingen und zu kreiseln. Wer die Katze hat, darf sie auch springen lassen - im übertragenen Sinn. Die projizierten Linien kommen in jedem Fall richtig in Schwung. „Lasact“ heißt die Projektion einer Künstlergruppe um Alexander Rechberg. Der Anspruch: Besucher sollen ihre Bewegungen koordinieren, um harmonische Linienkunst für den Augenblick zu kreieren. Der Spaßfaktor liegt hoch - weil „Lasact“ Gespräch und Austausch anregt. Und die Lust am flüchtigen Schein. Als Kunst mit Aufführungscharakter liegt sie obendrein voll im Trend der Kunstwelt. (Hier weiterlesen: Robert Wilson und seine „Video Portraits“) .

Im Lichtschein wandeln: Gleich um die Ecke wird es besinnlich. Auf der Schmalseite des großen Gradierwerkes steht der Besucher im Schein von Projektoren. Sein Schatten fällt auf die meterhohe Wandfläche. Dabei bleibt es allerdings nicht. Algorithmen überlagern die Schattenrisse mit geometrischen Mustern, lassen sie verschwinden und wieder auftauchen. Nur wer sich im Lichtschein bewegt, sorgt dafür, dass sein Bild bleibt. „Aspect (white)“ heißt die Arbeit von Random International, die den Besucher zum Schattentanzen animiert - und zum Nachdenken über die Flüchtigkeit seiner Existenz. Diese Arbeit strahlt poetischen Zauber aus. Der Stimmungswert liegt entsprechend hoch. Wer hier in Kontakt mit der Kunst treten möchte, braucht Geduld. Die Bildwirkungen stellen sich erst nach und nach ein. Dann aber mit großer Kraft. (Hier weiterlesen: „lichtsicht 5“ - die Eröffnung) .

Das Feuer nähren: Schon von Weitem sieht man das Feuer lodern. Der „Feuerwall“ von Holger Förterer flackert auf der ganzen Höhe des kleinen Gradierwerkes. Aber keine Sorge. Diese Flammen nährt kein Reisig, sondern der digitale Datenstrom. Der Besucher kann sich per Smartphone einklinken und Bilder auf die Feuerwand hochladen. Die werden nicht nur dort von den Flammen verzehrt, sondern verschwinden auch vom Smartphone. Die Befreiung vom Datenmüll - als rituelle Handlung gefeiert? Fotos einfach so zu löschen wäre sicher einfacher. Aber der „Feuerwall“ macht daraus einen dramatischen Akt, weil das Bild, das verschwinden soll, noch einmal riesengroß auf der Projektionswand erscheint. Das sorgt für Erlebniswert. Aber macht die Erinnerung an jene öffentlichen Verbrennungsakte, die es in Deutschland leider schon gegeben hat, nicht auch frösteln - und das gerade vor der flackernden Feuerwand? Dieses Werk löst zwiespältige Gefühle aus. Eines bleibt sicher: der Eindruck überwältigender Bildkraft. (Hier weiterschauen: „lichtsicht 5“ in Bildern) .

Und was muss ich mitbringen? Um die Projektionen von Holger Förterer und Alexander Rechberg auch interaktiv genießen zu können, muss der Besucher sein Smartphone mitbringen, um sich vor Ort in Netzwerke einwählen zu können. Die Projektion „Aspect (white) ist auch ohne weitere technische Ausrüstung zu erleben.

Info: Inzwischen gibt es eine App zur „lichtsicht 5“, die über Künstler und Kunstwerke informiert und auch, neben weiteren Informationen, einen nützlichen Lageplan bereithält. Info im Netz: www.lichtsicht-biennale.de


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