Nobelpreisträgerin schon 2001 geehrt Osnabrück freut sich mit Swetlana Alexijewitsch

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Osnabrück. 2001 erhielt Swetlana Alexijewitsch den Remarque-Friedenspreis der Stadt Osnabrück. Jetzt folgt für die Autorin der Literaturnobelpreis. Osnabrücker freuen sich mit ihr.

„Ich freue mich sehr, dass die Preisträgerin des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises von 2001, Swetlana Alexijewitsch, nun mit dem Literaturnobelpreis geehrt wird“, kommentierte Osnabrücks Oberbürgermeister Wolfgang Griesert laut einer Mitteilung der Stadt die Entscheidung der Stockholmer Jury. Die Autorin sei mit dem Werk des Osnabrücker Romanciers Erich Maria Remarque („Im Westen nichts Neues“) in besonderer Weise verbunden. Auch für ihre Arbeit gelte, so Griesert weiter, das Motto Remarques: Man muss an die Zukunft glauben, an eine bessere Zukunft. Vielleicht habe sie in Erinnerung an dieses Motto ihrem Buch über die Tschernobyl-Katastrophe den Untertitel: Eine Chronik der Zukunft“ gegeben. (Hier weiterlesen: Swetlana Alexijewitsch im Osnabrücker Gymnasium In der Wüste) .

„Entscheidung freut uns“

„Sehr schön“: So kommentiert Thomas Schneider vom Osnabrücker Remarque-Zentrum die Verleihung des Literaturnobelpreises an Swetlana Alexijewitsch. „Diese Entscheidung freut uns“, sagte der Literaturwissenschaftler auf Anfrage. Schneider ist Geschäftsführer des Erich-Maria-Remarque Friedenspreises . Die Jury habe seinerzeit „sehr weise entschieden“, sagte auch Wolfgang Lücke, Präsident der Universität Osnabrück und qua Amt Vorsitzender der Jury des Preises. „Die Verleihung des Literaturnobelpreises an Frau Alexijewitsch zeigt, dass wir mit unserer Entscheidung damals absolut richtig gelegen haben“, blickte Schneider auf das Juryvotum von 2001 zurück. Das sei im Rückblick umso mehr zu würdigen, als die Autorin „damals noch nicht so bekannt“ gewesen sei, sagte Schneider. (Hier weiterlesen: Begegnung mit Swetlana Alexijewitsch auf der Frankfurter Buchmesse) .

„Freut mich auch für Osnabrück“

„Die Vergabe des Nobelpreises an Swetlana Alexijewitsch freut mich für sie und für Osnabrück“, sagte Lücke weiter. Die Vergabepraxis des Osnabrücker Preises sei durch das Votum der Nobelpreis-Jury „in ein besonderes Licht gerückt“ worden, ergänzte Lücke im Hinblick auf die Kontroversen um die aktuelle Vergabe des Preises an den Lyriker Adonis.

(Hier weiterlesen: Literaturnobelpreis für Swetlana Alexijewitsch - der Kommentar) .

„Nobelpreis ist absolut verdient“

Swetlana Alexijewitsch habe den Preis „absolut verdient“, sagte Schneider weiter. Ihr Einsatz für die Aufarbeitung der Folgen der Reaktorkatastrophe sei vorbildlich gewesen, zitierte der Literaturexperte beispielhaft Alexijewitsch´ Buch „Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft“ von 1997. Dieses Buch hob auch Wolfgang Lücke besonders hervor. Es sei bemerkenswert, wie intensiv sich die Autorin seinerzeit unter den schwierigen Bedingungen der Öffentlichkeit Russlands mit der Thematik auseinandergesetzt habe. Alexijewitsch stehe mit ihrem Engagement für Aufklärung und Menschenrechte in der eindeutigen Nachfolge Remarques, betonten Lücke wie auch Thomas Schneider. (Hier weiterlesen: Die Kontroverse um den Remarque-Preis für Adonis).

„Hat ihr Ohr bei den Menschen“

Als Aufklärerin würdigte Beatrice Le Coutre-Bick vom Literaturbüro Westniedersachsen in Osnabrück die Nobelpreisträgerin. „Alexijewitsch hat ihr Ohr bei den Menschen und gibt gerade den Leidtragenden eine Stimme. Sie ist eine ausgezeichnete Zuhörerin“, sagte Le Courte-Bick. Sie habe Swetlana Alexijewitsch 2011 bei einem Auftritt im Osnabrücker Gymnasium In der Wüste persönlich kennengelernt. Seinerzeit sei es in der Schulveranstaltung um die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl gegangen. Die „Aktion Ferien für Tschernobylkinder“ hatte sie eingeladen. Die Autorin habe in ihren Publikationen zum Thema Krieg „gerade den Frauen eine Stimme verliehen“. Beatrice Le Coutre-Bick: „Anders als andere Autoren lebt Alexijewitsch nicht in einer abgehobenen, eigenen Welt, sondern ist nah bei den Menschen“. (Hier weiterlesen: Remarque-Preis für Henning Mankell) .

Gefahren der Reaktortechnik

Osnabrücks Oberbürgermeister Griesert weist darauf hin, dass Alexijewitsch an jenem 11. März 2011 auch von seinem Amtsvorgänger Boris Pistorius, dem heutigen niedersächischen Innenminister, empfangen worden sei. „Die Gäste unterhielten sich über die Gefahren, die vom havarierten Atomkraftwerk in Tschernobyl noch immer ausgehen – noch nicht wissend, dass sich am selben Tag am anderen Ende der Welt der Name „Fukushima“ ins Gedächtnis der Menschheit einbrennt und für Wochen die Weltnachrichten beherrscht“, heißt es in der Mitteilung der Stadt Osnabrück.

Lew Kopelew und Henning Mankell unter den Geehrten

Mit dem Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis werden Autorinnen und Autoren ausgezeichnet, die sich in der Nachfolge des in Osnabrück geborenen Erich Maria Remarque („Im Westen nichts Neues“) in besonderer Weise für den Frieden engagieren. Zu den Ausgezeichneten gehören Lew Kopelew, Henning Mankell, Avi Primor, Leoluca Orlando und Hans Magnus Enzensberger.


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