Robert Wilsons „Video Portraits“ Kunstprominenz bei „lichtsicht 5“ in Bad Rothenfelde

Von Dr. Stefan Lüddemann


Bad Rothenfelde. Mit Robert Wilson und William Kentridge bietet die Biennale „Lichtsicht 5“ in Bad Rothenfelde so viel Kunstprominenz wie selten zuvor. Das Kunstereignis wird am Freitag, 18. September 2015 um 21 Uhr eröffnet.

Robert Wilson ist mit seinen berühmten „Video Portraits“ (2004-2015) vertreten. Auf dem 312 Meter langen und knapp zehn Meter hohen großen Gradierwerk in dem Kurort Bad Rothenfelde laufen Wilsons Porträts von Stars wie Salma Hayek oder Brad Pitt. Gemeinsam mit romantischer Musik aus Tschaikowskys „Schwanensee“ ergibt sich damit ein Spektakel aus Bildern und Klängen. „Porträt ist das Thema der Lichtsicht-Biennale“, sagte am Abend des 17. September 2015 der künstlerische Leiter Peter Weibel vor der Presse. Weibel, der das Zentrum für Kunst- und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe leitet, betonte, dass die aktuelle Ausgabe des Kunstereignisses mit „Project Mapping, user generated content, 3D-Simulationen“ und anderen Verfahren modernste Medientechnologie aufbiete. (Hier weiterlesen: Die Testprojektionen für die Lichtsicht-Biennale)

Für Prominenz steht neben dem Regisseur Peter Wilson, der zuletzt im Berliner Ensemble beide Teile von Goethes „Faust“ an einem Abend auf die Bühne brachte , der südafrikanische Künstler William Kentridge. Kentridge zeigt mit „More Sweetly Play the Dance“ eine Figurenprozession mit kritischem Bezug zur gesellschaftlichen Wirklichkeit Afrikas. In dem Zug seien Aktivisten neben Ebola-Kranken und Müllsammlern zu sehen. Die Bilderprojektion ist eine der wenigen Arbeiten der diesjährigen Ausgabe der „Lichtsicht-Biennale“ mit explizit politischem Bezug. Kentridge hatte 2012 aus der Documenta 13 mit seinem Beitrag, einer fantastischen Zeitreise, das Kunstpublikum begeistert. Zum Star der „Lichtsicht 5“ dürfte aber auch Eyal Gever avancieren. Unter dem Titel „Water Dance“ projiziert er eine in Wasserfluten tanzende Frauenfigur auf die sprühende Fontäne im Teich am Ende des Gradierwerkes. (Hier weiterlesen: Er ist der Star der Lichtsicht-Biennale: Robert Wilson im Gespräch)

Wie Marion Carey-Yard, Geschäftsführerin der „lichtsicht gmbh“, sagte, bewegt sich das Budget der technisch aufwendigen Projektionswerke „im hohen sechsstelligen Bereich“. Nach den Worten von Peter Weibel belaufen sich die Kosten für die künstlerischen Projekte auf 220000 Euro. Hinzu kommen den Angaben zufolge erhebliche Kosten für Reisen, die technischen Geräte und Arbeiten. Das Budget der 2005 zum ersten Mal ausgerichteten Biennale wird von der privaten Heinrich W. Risken-Stiftung getragen. In diesem Jahr sind mit Rolex und Rüschenbeck zwei weitere Sponsoren an den Kosten für die Projektionsprojekte von zehn internationalen Künstlern beziehungsweise Künstlergruppen beteiligt. „Es ist das Ziel, dass die Biennale eines Tages komplett durch Sponsoren getragen wird“, warf Marion Carey-Yard einen Blick in die Zukunft. Die Risken-Stiftung wolle dann aus der Finanzierung aussteigen. (Hier weiterlesen: Peter Weibel leitet die Lichtsicht-Biennale)

Die „lichtsicht“ hat zum ersten Mal auch externe Kooperationspartner. So soll ein Ausschnitt aus der Arbeit von William Kentridge vom 29. Oktober bis zum 29. November 2015 auf die Fassade der Kunsthalle Osnabrück projiziert werden. Eine weitere Projektion soll vom 10. bis 17. Oktober 2015 auf dem Theater Osnabrück zu sehen sein. Beiträge der Biennale sollen auch in und auf der Kunsthalle Bielefeld gezeigt werden. (Hier weiterlesen: William Kentridge - Star der Documenta 13) .

Das Kunstereignis wird am Freitag, 18. September 2015, eröffnet. Ab 19 Uhr soll am Kurmittelhaus Jazzmusik der Formation „Fine and Mellow“ zu hören sein. Um 21 Uhr starten zum ersten Mal die Projektionen, die von Dutzenden von Hochleistungsbeamern auf die Gradierwerke geworfen werden. Die Projektionen werden bis zum 7. Februar 2016 täglich ab Einbruch der Dunkelhei t zu sehen sein. Alle Arbeiten sind frei zugänglich. Den Angaben nach soll in Kürze auch eine App zur Verfügung stehen, mit der an den jeweiligen Werken Informationen zu den Künstlern abrufbar sein sollen.

Info: www.lichtsicht-biennale.de/de/start/


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