Scans von 200000 Blättern Kunsthalle Bremen digitalisiert ihre Grafiken

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Bremen. Die Kunsthalle Bremen digitalisiert ihren Bestand. Nach Gemälden und Skulpturen geht es nun an die Grafiken. Der berühmte Bestand zählt 200000 Blatt.

Bremen. „Klick, das war es schon“, sagt Viola Rosenau und lächelt kurz. Die junge Frau von der Berliner Firma „Die Kulturgutscanner“ hat gerade die in einem Stativ fixierte Kamera ausgelöst. Zwei Scheinwerfer werfen ihr Licht auf einen Tisch. Auf dem liegt eine Radierung aus dem 17. Jahrhundert, eine Grafik von François Millet (1642–1679). Die Kamera hat die Grafik detailscharf abgelichtet. Wieder ist ein Scan fertig – einer von 200000, die in der Kunsthalle Bremen gemacht werden sollen. (Hier weiterlesen: Hitzefrei für die Kunst? Museen und ihre Klimatisierung) .

Das Museum hat bereits seine Gemälde und Skulpturen digitalisiert. Jetzt machen sich die Museumsleute an ihr Graphisches Kabinett, eine kapitale, auch international hoch geschätzte Kollektion von rund 200000 Grafiken und Zeichnungen. Die Sammlung reicht von Albrecht Dürer bis Nam June Paik. „Das ist international eigentlich schon Standard“, sagt Museumsdirektor Christoph Grunenberg zu dem Projekt der Kunsthalle. (Hier weiterlesen: „Enlight my Space“ in der Kunsthalle Bremen) .

Ob Henri Toulouse-Lautrec, Pablo Picasso oder Joseph Beuys – Meisterwerke der Kunst auf Papier sollen in einer großen Datenbank künftig jedem Nutzer zur Verfügung stehen. Das verspricht Katja Riemer, Projektleiterin für Digitalisierung in der Kunsthalle. Das Projekt wird von der Waldemar-Koch-Stiftung gefördert. Allerdings werden Nutzer erst 2016 auf den digitalen Bilderschatz zugreifen können. „Die Öffnung der Graphischen Kabinette ist einfach positiv. Darin steckt eine riesige Chance“, sagt Anne Buschoff, Kustodin für die Graphische Sammlung. (Hier weiterlesen: Selfie-Aktion in der Kunsthalle Bremen) .

Schätze, die ansonsten meistens in Schränken und Schubladen aufbewahrt werden, sollen auf diese Weise besser zugänglich werden. Ob Nutzer Bildmotive suchen, sich ihre eigene Ausstellung zusammenstellen, Fachleute im Bestand der Kunsthalle nach möglichen Leihgaben suchen oder Experten für Raub- und Beutekunst nach Sammlerstempeln und damit nach Hinweisen auf die Herkunft von Kunstwerken fahnden – all dies kann mit digitalen Datenbanken nur einfacher werden. (Hier weiterlesen: Mit dem Selfie-Stick in das Museum) .

Zuvor wartet auf die Projektmitarbeiter jedoch eine Herkulesaufgabe. Zehn Jahre wird es wohl dauern, um das Graphische Kabinett der Kunsthalle zu digitalisieren. Im Oktober 2015 sollen immerhin schon 18000 „Digitalisate“, so der Fachterminus“, vorliegen. Mit den 3000 Ablichtungen wichtiger Bilder ergibt das schon einen Datenbestand von 21000 digitalen Abbildungen. Bei jedem neuen Ausstellungsvorhaben sollen ohnehin digitale Abbildungen entstehen. (Hier weiterlesen: Kunsthalle Bremen und das Thema Raubkunst) .

„Mit Datenbanken wird das Interesse an den Werken stärker“, sind sich Anne Buschoff und Christoph Grunenberg sicher. „Wir wollen das Original jedenfalls nicht ersetzen“, sagt Grunenberg.

Info:www.kunsthalle-bremen.de/sammlung/online-katalog/


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