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Serie „Künstler im Hotel“ Udo Lindenberg seit 20 Jahren im Hamburger Atlantic


Hamburg. 20 Jahre im Hotel – Udo Lindenberg hat im Hamburger „Atlantic“ seinen Dauerwohnsitz gefunden – mit Swimmingpool und eigenem Kino.

Kein Radiosender, über den noch nicht diese Liedzeilen getönt sind: „Als ich noch ein junger Mann war/ saß ich locker irgendwann da/ auf der Wiese vor’m Hotel Kempinski/ Trommelstöcke in der Tasche/ in der Hand ne Cognacflasche/ und ein Autogramm von Klaus Kinski“.

„Mein Ding“

Klar, das ist „Mein Ding“. Einer der größten Erfolge in der an Top-Hits nicht armen Karriere des Udo Lindenberg. Normalerweise ginge die Geschichte so weiter, dass man die Cognacnase schnell und unauffällig von der Wiese vor der Nobelherberge entfernt hätte. Doch bei Lindenberg kam’s anders: „Irgendwann, das war doch klar/ irgendwann da wohn ich da/ in der Präsidentensuite/ wo’s nicht reinregnet und nicht zieht/ und was bestell‘ ich dann?/ Dosenbier und Kaviar!“

Treffen an der Bar

Lindenberg hat sein Ding gemacht, in diesem Jahr feiert er sein 20-Jähriges als Dauerbewohner des „Hotel Atlantic Kempinski Hamburg“, wie der schmucke Kasten an der Außenalster offiziell heißt. „Das Leben im Hotel ist für mich genau das Richtige,“ sagte der mittlerweile 69-Jährige letztes Jahr im Gespräch mit unserer Redaktion. „Da habe ich alles – meine Ruhe, wenn ich sie haben will, aber auch jede Menge total unterschiedliche Leute an der Bar, wenn ich das haben will. Mit denen kann ich über Texte, Shows und alles Mögliche reden, wann immer ich will. Das ist ein bisschen so wie eine WG.“ (Hier weiterlesen: Ausführliches Interview mit Udo Lindenberg)

An Komfort mangelt es ihm dort wahrlich nicht, selbst wenn er einfach mal nur fernsehen will: „Ich habe ein kleines Kino für zehn Leute, das die Hotelgäste auch mieten und sich Filme reinknallen können. Für mich ist das eine prima Sache – ich kann da Shows studieren, die mich interessieren.“

Nachts im Pool

Und wenn er dann noch baden möchte, wird ihm nachts der Hotel-Pool aufgeschlossen. „Ich schwimme zwei Kilometer jede Nacht,“ sagte Lindenberg einmal, um im typisch um sich selbst kreisenden Nuschel-Singsang hinzuzufügen: „Da durchquere ich den lindischen Ozean.“

1995 zog er ein, im selben Jahr startete er im Hotel seine Zweitkarriere als Maler. „Likörelle“ nennt Lindenberg seine Bilder, die Kunstkritiker das Grauen lehren, Sammlern aber bis zu 30.000 Euro pro Exemplar aus der Tasche ziehen. „Begonnen hat das mit den Udogrammen, die ich an der Bar machte,“ erzählte Lindenberg mal. „Da hab ich das Udo-Konterfei mit Hut als Autogramm gemalt und darüber Schnaps und Eierlikör gekippt.“ Im Atlantic zieren die Werke seit Jahren etliche Wände.

Edle Suiten

Auch wenn das Hotel selbst keine Auskunft gibt über seinen prominenten Dauergast – ein Besuch auf der Homepage vertreibt alle Zweifel, dass es ihm da schlecht gehen könnte: „Das Interieur der Zimmer und Suiten ist vielfältig und individuell,“ heißt es da. „Verschiedene Dekorelemente und Farbnuancen, perfekt in Szene gesetzt mit edlen Materialien und Kunstobjekten, verleihen jedem einzelnen Zimmer seine persönliche Note…Unvergleichlich schön ist der Panoramablick auf die Außenalster durch die bodentiefen Fenster.“

Trinkgeld für Isaac Hayes

So schön hatten es die Gäste nicht immer, auch wenn das Atlantic jahrzehntelang die Absteige der Stars war. Marlene Dietrich, Romy Schneider, der Schah von Persien, Elizabeth Taylor, Michael Jackson, Neil Armstrong – die Liste der prominenten Gäste ließe sich endlos fortsetzen. Der große Isaac Hayes bekam mal von einem Gast 10 D-Mark Trinkgeld, nachdem er sich im Anschluss an ein Konzert in Hamburg noch an den Flügel der Atlantic-Bar gesetzt hatte.

Doch um die Jahrtausendwende bröckelte der Ruf des Hotels „wie der Putz an den Fassaden“, wie die „Hamburger Morgenpost bemerkte. Selbst der Fünf-Sterne-Status ging verloren – bis die Hausherren tief in die Tasche griffen, 30 Millionen Euro für eine Renovierung locker machten und 2012 das Ende einer dreijährigen Renovierungsphase feiern konnten. Der fünfte Stern kam zurück und Udo Lindenberg bekam neue Gemächer.

„Zappelige Zeiten“

Wie das Hotel hatte auch er nicht die besten Zeiten durchgemacht und um ein Haar den Kampf gegen die Cognacflasche verloren: „Ich war ein paar Mal im Krankenhaus, und der Notarzt wurde zu meinem ständigen Berater. Irgendwann dachte ich: Das kannst du der Welt nicht antun, Trauerwellen und Selbstmordwellen würden das Land überziehen, wenn ich abdanke. Die Nachtigall muss den Leuten noch ein bisschen erhalten bleiben. Ich hab den Entgiftungstropf abgemacht und bin wieder aufgestanden. Das waren schon zappelige Zeiten.“

Heute ist das Atlantic Lindenbergs perfekter Startpunkt für sein Fitnessprogramm, mit dem er längst die Cognacflaschen ersetzt hat: „Ich jogge um die Alster rum, das sind gute acht Kilometer. Ich bin ja nicht nur Nachtigall, sondern auch eine Gazelle. Und zwar eine mit Turbolader.“ Und die macht ihr Ding. Im Atlantic und auf den großen Bühnen des Landes.


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