Spieltriebe 2015 Endzeit-Varianten Spieltriebe Route rot: Identitäts-Chamäleon Thomas Kienast


Osnabrück. Die Spieltriebe 2015 sind gestartet: Auf fünf Theaterrouten geht es um die Apokalypse. Hier lesen über die rote Route, über „Mit gezücktem Revolver“.

Wer auf Rot setzt, bekommt ein buntes Kontrastprogramm. Schwarzmalerisch macht die Route im Hafenspeicher in der dritten Etage zuerst Station. Dort erfährt das Publikum Varianten vom Ende der Welt, leidenschaftlich vorgetragen von Thomas Kienast. Als eine Art Identitäts-Chamäleon sucht er nach der weltweit größten Verbrecherin der Welt und begegnet am Ende seiner Suche an der Akropolis einer Frau, die ebenfalls ihr wahres Gesicht zunächst verbirgt und die von Anne Hoffmann ebenfalls vielschichtig gespielt wird. Der finstere Plan der Vintila Radukezcu glänzt als minimalistisch inszeniertes Wortgefecht zweier durchtriebener Protagonisten, die auf Augenhöhe ihre wechselseitige Anziehungskraft gnadenlos gegeneinander ausspielen.

Von düsteren Weltuntergangsfantasien in kühlen Gemäuern werden die Zuschauer um die Ecke gebracht in die Hoppla-Spielarena, wo eine bunte Welt voller skurriler Fabelwesen in schrillen Kostümen auf sie wartet. Die vom Institut für Musik inszenierte Spieltriebe-Musicalpremiere Alice im Wunderland macht Rutschen zu Schlupflöchern in eine fantastische Parallelwelt, in der nichts verboten und alles möglich ist. In rasantem Tempo werden Spielgeräte zur Guillotine, eine Mülltonne zum Suppentopf, Trampoline zur Zauberteestube, Spielflächen zum „Wald ohne Namen“ und das hauseigene Zappeltier zum Sündenbock. Das neunköpfige, von einem Trio aus Schlagzeug, Kontrabass und Klavier adäquat begleitete Ensemble um die quirlige Hauptdarstellerin Lasarah Sattler versteht es dabei prächtig, das Publikum mit vielen Rollenwechseln, mitreißender Spiellaune und hinreißenden Gesangseinlagen in eine „umgekehrte Welt hinter den Spiegeln“ zu entführen. Am Ende einer Route, die vom Ende der Welt flugs in eine andere führt.


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