Tangency 2015 Goldene Markierungen vor dem Dom in Osnabrück

Von Tom Bullmann


Osnabrück. Marktbesucher wunderten sich über die goldenen Markierungen, die sie vor dem Dom in Osnabrück und in den Gassen rundherum entdeckten. Es handelt sich um Sternzeichen, die die amerikanische Künstlerin Cheryl Pope hier im Rahmen des Kunstprojekts „Tangency 2015 – Stadtvermessungen“ applizierte. Eine Präsentation mitsamt einer Performance beendete die mehrtägige Arbeit der drei an dem Projekt teilnehmenden Künstler in der Hasestraße.

Zwei Wochen bemächtigte sich der japanische Künstler Yukihiro Taguchi eines Ladenlokals, das gerade zu einem Club umgebaut wird. Von hier aus zog er los, um mithilfe der Stop-Motion-Technik einen Film zu drehen, der jetzt Premiere hatte: Styropor-Teile, die er auf „seiner“ Baustelle gefunden hatte, verselbstständigen sich. Sie bilden eine Prozession, mutieren auf dem Bürgersteig zu künstlerischen Skulpturen, verwandeln sich in eine Figur, die mit Passanten auf einer Bank chillt, oder in einen Hasen, der zur Bischöflichen Kanzlei hoppelt.

Ein Boot aus Styropor

Am Ende baut Taguchi ein Styropor-Boot, mit dem er über die Hase schippert. „Inkarnation“ nennt er den vierminütigen Film – eine starke, im Endprodukt witzig-unterhaltsam Auseinandersetzung mit dem urbanen Umfeld.

Den blauen Linien als nachempfundenen Haseflusslauf von Kati Gausmann folgend, gelangten die Teilnehmer der Präsentation zum Dom, wo Cheryl Pope mit Blattgold Sternzeichen auf das Pflaster spiegelte. Mithilfe der App „Starchart“, auf deutsch „Sternatlas“, ermittelte sie die Sternzeichen, die aktuell über dem Hasetorviertel am Himmel prangen und projizierte sie auf das Pflaster.

Reflektion auf sakrale Kunst

So stolpert der Flaneur jetzt über den „Luchs“, den „Fuhrmann“ und vor dem Dom über den „Kleinen Bär“ in Gold – als Reflektion auf sakrale Kunst wie die Ikonenmalerei, die stets mit viel Gold prunkt. Eine interaktive Performance, zu der sich Besucher nach Alter gestaffelt auf den goldenen Streifen formieren sollten, beendete die aktive Arbeit der „Tangency“-Künstler.

Yukihiro Taguchis Film ist während der Kulturnacht (5. September) bis Mitternacht in der temporären Ausstellung „Natur Formen“ in der Hasestraße 29/30 zu sehen.


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