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Klare Botschaft

In der Ausstellung: Jelena Reinert, Renate Michalick (Vorsitzende der BBK-Bezirksgruppe), Jens Raddatz und Sigrid Poller. Foto: Egmont SeilerIn der Ausstellung: Jelena Reinert, Renate Michalick (Vorsitzende der BBK-Bezirksgruppe), Jens Raddatz und Sigrid Poller. Foto: Egmont Seiler

Was sagen Erich Maria Remarques Werke bildenden Künstlern? Zehn Mitglieder des Bundes Bildender Künstler (BBK) haben auf Bücher des Osnabrücker Schriftstellers reagiert.

Zum „Remarque-Jahr 2008“ ist so ein Parcours von Werken entstanden, die nicht nur zeigen, wie unterschiedlich Reaktionen auf literarische Texte im Medium des Bildes ausfallen können. Die Schau macht auch deutlich, dass thematische Vorgaben für künstlerische Produktion allzu oft zu heiklen Ergebnissen führen. Mit „Im Westen nichts Neues“ und „Der schwarze Obelisk“ hatten Tilman Westphalen und Jens Raddatz von der Remarque-Gesellschaft zwei Romane als Bezugspunkte vorgegeben.

Sigrid Poller überzeugt auf diesem Hintergrund mit ihrem Beitrag gerade deshalb, weil sie die unfertige Werkgestalt offen als Provisorium benennt und damit das genannte Dilemma sichtbar macht. Ihr Konstrukt aus farbigen Kreuzen und Textzeilen – auch mit einem Zitat Willy Brandts – ist als Entwurf für eine Wandgestaltung gedacht und wartet entsprechend auf eine weiter gehende Umsetzung.

Der Initiator des Projekts, Jens Raddatz, hingegen verdichtet Fotos von Remarque und ein Textzitat zu einer Collage im Medium des Siebdrucks – und zitiert wie von ferne die Optik des Propagandaplakats. So hat seine Arbeit unübersehbaren Bekenntnischarakter, macht Kunst ohne Umschweife zum Transportmittel einer Botschaft. Gerät das Bild damit in den Griff politischer Parteinahme – und das ausgerechnet im Namen Remarques? Spielerischer hat dagegen Ilse Kampen Textzitate Remarques eingesetzt. Sie unterlegt mit diesen Zitaten einen aktuellen „Antrag auf Einbürgerung“ und macht damit den Konflikt zwischen behördlicher Verfügung über Menschen und deren individuelle Äußerungen sichtbar. Auch diese Arbeit („Namen müssen aufgeschrieben sein“) ist gleichfalls ausdrücklich als „Skizze“ bezeichnet. Drängte da nur die knappe Zeit bis zum Ausstellungsbeginn oder nicht wiederum die thematische Vorgabe?

In sich gerundeter wirken genau die Werke, die bereits deutlich vor der Ausstellung entstanden oder sich bereits bestehenden Arbeitskontexten verdanken. Jelena Reinert verdichtet ihre Bilder zu existenzieller Klage und Anklage, Friedrich Storck verbindet Textzeilen mit Motiven, die Nussbaums „Selbstbildnis mit Judenpass“ und dem Berliner Holocaust-Mahnmal entlehnt sind. Weiter stellen Ludwig Burandt, Reinhard Dasenbrock, Johannes Eidt, Petra Höcker und Tina Schick aus. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog zum Preis von zwei Euro.


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