Bilder kosten Tausende Euro Leon Löwentraut - mit 17 schon ein gefragter Maler

Von dpa

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Auch ein Selbstdarsteller: Mit einem Pinsel im Mund posiert der junge Maler Leon Löwentraut neben einem seiner Gemälde. Foto: Horst Ossinger/dpaAuch ein Selbstdarsteller: Mit einem Pinsel im Mund posiert der junge Maler Leon Löwentraut neben einem seiner Gemälde. Foto: Horst Ossinger/dpa

Düsseldorf. Seine Bilder werden ihm für mehrere Tausend Euro das Stück abgekauft: Mit gerade einmal 17 Jahren ist Leon Löwentraut schon ein gefragter Maler. Aber ist er auch ein Künstler?

Blonde Haare, blaue Augen, schlanke Figur - vom Aussehen her würde man denken, dass Leon Löwentraut nachmittags Sport treibt und abends mit seinen Freunden abhängt. So wie andere Schüler auch. Aber der 17-Jährige aus der Nähe von Düsseldorf verbringt jede freie Minute im Atelier: Er malt - und das so erfolgreich, dass ihm mittlerweile mehrere Tausend Euro pro Bild bezahlt werden. Die Presse bedenkt ihn mit immer neuen, schmeichelhaften Namen: „Weltstar“, „Wunderkind“, „neuer Picasso “, „blonder Picasso“...

Groß und bunt

Zum Gespräch lädt er in die Düsseldorfer Wohnung seines Vaters, denn dort hängen noch zwei Bilder von ihm. Alle anderen sind verkauft. Leons Bilder sind groß, bunt und ein bisschen wie Picasso. „Saint-Tropez“ heißt das eine, das bei seinem Vater im Flur hängt. „Ich benutze sehr bunte und helle Farben, um gute Laune zu verbreiten“, erklärt er. Und das stimmt: „Saint-Tropez“ ist wirklich ein Bild, das dazu angetan ist, einen Betrachter fröhlicher zu stimmen.

Leon wirkt locker und zugleich selbstbewusst. „Ich habe eine Vision, ich will später einmal zu den ganz Großen gehören und in den großen Museen hängen“, sagt er ohne dabei mit der Wimper zu zucken. „Picasso ist mein absolutes Vorbild, weil er einer der Ersten war, der sich aus meiner Sicht wirklich getraut hat, den Expressionismus in die moderne Kunst zu bringen. Aber auch die Farben, die er genommen hat: sehr kräftige Farben, das hat mich inspiriert, noch kräftigere Farben zu wählen.“

„Richtig geile Story“

Sein derzeitiger Erfolg ist ihm nicht in den Schoß gefallen: „Ich habe schon als zehnjähriger Junge Zeitungsredaktionen angerufen und habe ihnen über mich erzählt. „Wenn du mal ‚ne richtig geile Story schreiben willst, dann musst du über mich schreiben“, hab ich gesagt. Wenn ich heute zurückdenke, war ich entweder verdammt mutig oder total verrückt.“

Auf jeden Fall hatte er Erfolg damit, denn schon vor Jahren erschienen in der Lokalpresse die ersten Artikel über ihn. „Irgendwann bin ich dann auch in London die Galerien abgegangen und habe gefragt: „Wollt Ihr nicht mal eine Ausstellung mit meinen Bildern machen?“ Eine Galerie wollte dann tatsächlich. Ich glaube, ich bin der erste 17-Jährige aus Deutschland, der in London seine eigene Ausstellung bekommen hat.“ Bei einer Ausstellung in Hamburg wurden alle 13 dort gezeigten Bilder verkauft.

Fachwelt ist skeptisch

Es gibt also viele Leute, die Leons farbenfrohe Bilder mögen. Das heißt allerdings nicht, dass ihn auch die Fachwelt schon als ernst zu nehmenden Künstler akzeptiert hat. Kunsthistoriker an führenden Museen wollen sich lieber nicht zu ihm äußern. Das gilt auch für Markus Heinzelmann, Direktor des Museums Morsbroich für zeitgenössische Kunst in Leverkusen. Allerdings erklärt er, was für ihn Kriterien für die Qualität von Kunst sind.

Dass ein Bild „schön“ oder „hell“ ist, spielt dabei keine Rolle. Für Heinzelmann geht es vielmehr um die „Diskursfähigkeit“. Damit meint er: Setzt sich das Werk mit gesellschaftlichen Fragen auseinander, ist es aktuell relevant, kann es Impulse setzen und die Menschen weiterbringen? Ein zweites Kriterium für ihn ist die „Medienspezifität“: „Kunst muss den gesellschaftlichen Diskurs weiterentwickeln mit Mitteln, die ausschließlich der Kunst zur Verfügung stehen.“

Nur Kunstgewerbe?

Auf Bilder, die im Stil einer früheren Epoche oder eines lang verstorbenen Künstlers wie Picasso gemalt sind, kann dies zwangsläufig kaum zutreffen. Heinzelmann: „Wenn einer heute malt wie Caspar David Friedrich, mag das schön sein, hat aber nichts mit Kunst zu tun - bestenfalls mit Kunstgewerbe.“

Leon ficht das nicht an. „Ich male für mich selbst und die Leute, denen meine Kunst gefällt“, sagt er. Gleichzeitig weiß er, dass er sich weiterentwickeln muss, wenn er dauerhaft Erfolg haben will. „Ich möchte auf jeden Fall auf eine Kunsthochschule gehen“, sagt er. „Zu Erfolg gehört sicher auch Kritik. Ich muss bestimmt lernen, damit umzugehen und mit den Kritikern der Zukunft dann auch auf dem richtigen fachlichen Niveau zu sprechen.“ Denn eines steht für ihn fest: „Malen ist mein Ein und Alles!“


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