Kunstformat in Münster Skulpturprojekte 2017: Neue Ideen für den Stadtraum

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Münster. Kein Stadtmarketing, aber Kunst zum Thema Digitalisierung: Kasper König, Britta Peters und Marianne Wagner kuratieren die Skulpturprojekte Münster 2017.

Kasper König hat das Format 1977 mit begründet, Marianne Wagner ist gerade neu als Kuratorin am LWL Museum für Kunst und Kultur und Britta Peters kommt als freie Kuratorin von außen: Das Kuratorenteam der fünften Skulpturprojekte, die vom 10. Juni bis 1. Oktober 2017 in Münster stattfinden werden, verkörpert die Aspekte jenes internationalen Kunstformates, das sich 2017 mehr als jemals zuvor neu erfinden muss. Digitalisierung der Medien, veränderte Vorstellungen von öffentlichem Raum und Skulptur im Zeichen neuer Tendenzen der Aufführungskunst - die zentralen Parameter, nach denen sich die Skulpturprojekte definieren, müssen ganz neu diskutiert werden. „1977 gab es kein Fax, kein Internet“, sagt Kasper König. Nun soll es aber eine Ausstellung geben, die digitale Medien integriert, allerdings ohne gleich ganz ins Internet abzuwandern. „Das Internet ist sicher ein wichtiger öffentlicher Raum. Eine Kunstausstellung im Netz wäre aber nichts mehr zum Anfassen“, betont Britta Peters. (Hier weiterlesen: Das Archiv als Kraftquelle - Beispiel Documenta) .

35 Namen auf der Künstlerliste

Mit 35 Namen soll die Künstlerliste in etwa so umfangreich wie bei der letzten Ausgabe 2007 sein. Mit der Rumänin Alexandra Pirici und dem französischen Tänzer Xavier Le Roy sowie der türkischen Bildhauerin Ayse Erkmen, ihrem Kollegen Santiago Sierra und Konzeptkünstlern Aram Bartholl und Andreas Bunte sind erste Künstlerinnen und Künstler benannt. Zugleich repräsentieren sie für Tendenzen der nächsten Skulpturprojekte, die 2017 parallel zu der Kasseler Documenta und der Biennale von Venedig stattfinden werden. Xavier Le Roy steht für die Performancekunst, die in den letzten Jahren den Begriff der Skulptur verändert hat. Und mit Ayse Erkmen ist eine Künstlerin wieder dabei, die schon 1997 bei den dritten Skulpturprojekten vertreten war. Den Aspekt der Geschichtlichkeit von Ausstellungen betont auch Alexandra Pirici, die 2013 gemeinsam mit Manuel Pelmus im rumänischen Pavillon der Biennale eine Geschichte des venezianischen Ausstellungsformates aufführte - als Performance. Wie Marianne Wagner sagt, soll der zweibändige Katalog der Skulpturprojekte 2017 auch die Geschichte des Kunstformates ausführlich aufbereiten. (Hier weiterlesen: Begehbare Skulpturen: Museumsinsel Hombroich am Rhein) .

Ausstellung 2017 auch im Museum

„Die Ausstellung wird 2017 auch im LWL Museum stattfinden“, betont Wagner. Damit sei kein Rückzug hinter die Mauern des Museums gemeint. Allerdings müsse auch das Museum selbst als öffentlicher Raum neu zur Diskussion gestellt werden. Zugleich will das Kuratorenteam auch mit dem Münsteraner Stadtraum, der bereits rund 40 Beiträge der vergangenen Skulpturprojekte dauerhaft beherbergt, sensibler als bisher umgehen. „Wir müssen den öffentlichen Raum auch in Ruhe lassen und nicht überall noch einmal Kunst hinstellen“, plädiert Kasper König für Augenmaß. Aus einem öffentlichen Streit über die Plastik „Drei rotierende Quadrate“ von George Rickey hatten der damalige Museumsdirektor Klaus Bußmann und Kurator Kasper König die Idee entwickelt, nach Formen und Kriterien der Kunst im öffentlichen Raum zu fragen. Die Skulpturprojekte waren geboren. Nun geht es darum, den Bestand an Kunst im Stadtraum kritisch zu überprüfen. Marianne Wagner spricht von „Entmöblierung“, die nun ansteht. Zur nächsten Ausstellung sollen auch Kunstwerke aus dem Stadtraum entfernt werden. Eine am Aasee in den Boden eingelassene Installation des Belgiers Guillaume Bijl war erst kürzlich verfüllt worden. (Hier weiterlesen: Skulptur am Münsteraner Aasee verbuddelt) .

„Unheimlich beschauliche Stadt“

Stattdessen sollen „Ideen am Rand des Skulpturalen“, so Britta Peters, zum Zuge kommen. Peters, Wagner und König wehren sich gegen Kunst als Stadtmarketing oder soziale Nützlichkeit. In der, so Britta Peters, „unheimlich beschaulichen“ Stadt Münster wollen die Kuratoren eine Ausstellung ausrichten, die durch die Krfat ihrer Fragen beeindruckt. Kasper König: „Das Ergebnis muss sich an Qualitätsansprüchen messen lassen. Wir wollen die Messlatte immer höher legen“. Aber können die zunächst von den Münsteranern beargwöhnten und inzwischen als Aushängeschild gefeierten Skulpturprojekte ihrer Stadt entkommen? Kooperationsprojekte in anderen Erdteilen sollen den Rahmen weiter spannen helfen. 2017 wird es eine Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Austin geben. Auch eine Stadt in Afrika ist derzeit im Gespräch. „Das werden aber keine Ausstellungsorte. Die Skulpturprojekte finden in Münster statt“, betont allerdings Marianne Wagner. (Hier weiterlesen: Konzeptkunst auf Zeit: Wandbilder von Sol LeWitt in Bottrop) .

Sieben Millionen für den Etat

Das Projekt wird übrigens einen Etat von sieben Millionen Euro haben. Stadt und Landschaftsverband Westfalen-Lippe geben jeweils eineinhalb Millionen, die Bundeskulturstiftung wird mit einer Million dabei sein. Der Anteil des Landes Nordrhein-Westfalen steht noch nicht fest. Zu den Förderern gehören auch diverse Stiftungen. Ein Logo haben die Skulpturprojekte 2017 übrigens nicht. Stattdessen gibt es eine Frisbee-Scheibe mit dem Schriftzug. „Freundlich, liebenswürdig, kostet kein Geld“, sagt Kasper König über die Plastikscheibe und wirft sie seinen Kuratorenkolleginnen mit Schwung zu.

Info:www.skulptur-projekte.de


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