Serie – „Künstler im Hotel“ (5) Wenn sich Stars in Hotels danebenbenehmen

Von Tom Bullmann


Osnabrück. Der fünfte Teil der Serie „Künstler im Hotel“ widmet sich den Exzessen der Stars. Von den Rolling Stones bis Amy Winehouse - viele berühmte Persönlichkeiten sind für ihre Auswüchse bekannt.

John Lennon und Yoko Ono demonstrierten im Hotelbett für den Weltfrieden, Sex-Pistols-Bassist Sid Vicious verpasste sich im Hotelzimmer eine tödliche Überdosis Heroin, und bei den Rolling Stones flogen die Fernsehgeräte aus den oberen Stockwerken ihrer Nobelhotels: Im Rock-’n’-Roll-Zirkus werden die Beherbergungsbetriebe weltweit auf eine harte Probe gestellt.

Sex and Drugs and Rock’n’Roll gehören zusammen wie Kino und Popcorn. Und da ein erfolgreicher Rockstar stets „on the Road“ ist, stellt er seinen exzentrischen Lebensstil oft in Hotelräumen unter Beweis. Heute sind die Skandale zwar seltener geworden, aber am Beispiel Amy Winehouse kann man ablesen, dass es auch in der jüngeren Vergangenheit zu Auswüchsen und Exzessen in Hotels kommt.

Nachdem sich die viel zu früh gestorbene britische Sängerin im Londoner Hotel Sanderson heftigst mit ihrem Ex-Ehemann gestritten hatte, musste die Hoteldirektion angeblich Blutspuren an den Wänden beseitigen lassen.

Beiname „Riot House“

Da ging es in den Sechzigerjahren doch friedlicher zu: Um gegen den Vietnam-Krieg zu demonstrieren, veranstaltete John Lennon mit seiner Frau Yoko Ono im Amsterdamer Hilton Hotel ein sogenanntes „Bed-In“. Dazu lagen sie eine Woche lang im Bett, mehr oder weniger öffentlich.

Ganz anders geraten die Sitten, wenn bekannte Rock-’n’-Roll-Bands auf Tour sind und mit ihrer gesamten Entourage Residenz beziehen. Legendär sind die „Auftritte“ von Led Zeppelin, die in den Siebzigerjahren gleich mehrere Stockwerke des Andaz West Hollywood okkupierten und Champagner-Flaschen aus den Fenstern warfen, während im Parterre Crew-Mitglieder mit Motorrädern durch die Lobby knatterten. Kein Wunder, dass das Hotel wenig später den Beinamen „Riot House“ (Randale Haus) verpasst bekam. Aber es liegt vermutlich in der Psychologie des Rock’n’Roll begraben, dass Musiker die Tatsache, von den Fans zum Idol, einem gottgleichen Wesen stilisiert zu werden, auch demonstrieren und irgendwie verarbeiten müssen.

Allmacht bewiesen

So erheben sie sich über sämtliche Konventionen und beweisen in fast öffentlichen Räumen ihre angebliche Allmacht. Oder scheitern an ihrer Rolle. Wie Sid Vicious von den Sex Pistols. Er hinterließ 1978 einen dunklen Schatten auf der Geschichtstafel des New Yorker Chelsea Hotels, eines der bekanntesten Künstlerhotels überhaupt.

In dem historischen Gebäude lebten oder übernachteten bereits Jimi Hendrix , Janis Joplin und Leonard Cohen, aber auch der Künstler Salvador Dalí oder Schriftsteller Arthur Miller. Der Sex-Pistols-Bassist fand dort sein bitteres Ende: Nachdem Vicious unter Drogen mit seiner erstochenen Freundin Nancy Spungen gefunden worden war, setzte er sich, kaum auf Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen, in seinem Appartement einen tödlichen Schuss. Da schwelgen Musik-Fans, die es nicht so mit Punk haben, lieber bei den Klängen der Eagles in der Vergangenheit. Denn 1971 hatte die amerikanische Band mit „Hotel California“ einen Song geschrieben, der zu einem der bekanntesten Hits aller Zeiten avancieren sollte. Der Text ist jedoch eher eine Abrechnung mit dekadentem Lebensstil – gerade in Hotels: Im „Hotel California“ lebt nämlich eine äußerst merkwürdige, sektenartige Community.

Magische Anziehung

Ein Hotelgast, der einmal seinen Fuß in das Etablissement gesetzt hat, kommt nie wieder wirklich davon los. Auf dem Cover des Eagles Albums mit dem Titel findet man übrigens ein real existierendes Haus: das Beverley Hills Hotel in Los Angeles.

Fans fühlen sich von solchen Geschichten und dokumentierten Skandalen offenbar magisch angezogen, denn sie wollen auch einmal in der Suite oder dem Hotelzimmer übernachten, in der die Stars hemmungslos über die Stränge geschlagen sind. Im Internet findet man entsprechende Angebote, und vielleicht trifft man in einem der beliebten Musiker-Hotels ja nächtens auch mal einen Star, der sich in der Bar mächtig einen hinter die Binde gießt.


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