Wettbewerb für digitale Kunst Bilder des Docma-Awards im Museum präsentiert

Von Christian Huther


Frankfurt/Main. Anlässlich des Wettbewerbs „Docma Award“ werden die 50 besten Bilder im Frankfurter Museum für Kommunikation gezeigt. Der „Docma Award“ ist einer der renommiertesten Wettbewerbe für digitale Kunst im deutschsprachigen Raum.

Die junge Frau ist glücklich. Allein und hüllenlos liegt sie auf einer Insel. Aber just in diesem Moment entdeckt sie, dass die im Vordergrund schwimmende Möwe nicht echt ist, sondern als Tarnung für eine Kamera dient. Diese widerstreitende Szene zwischen Intimität und Öffentlichkeit hat Alexander Nemec größtenteils gemalt und dann mittels 3D-Technik zu einem fertigen Bild montiert. Doch der Österreicher hat mit seinem Beitrag nur den vierten Platz belegt beim diesjährigen „Docma-Award für digitale Bildbearbeitung“.

Wettbewerb seit 2003

Es handelt sich um den renommiertesten Wettbewerb für digitale Kunst im deutschsprachigen Raum, der seit 2003 alljährlich stattfindet. Nun versammelt er die 50 besten Bilder im Frankfurter Museum für Kommunikation. Präsentiert werden die ersten zehn aus den drei selbst wählbaren Kategorien „Meister“, „Geselle“ und „Lehrling“. In diesem Jahr hat das „Docma“-Magazin, das sich ansonsten zweimonatlich um professionelle Bildbearbeitung kümmert, das Thema „Im Blitzlicht – Wenn Privates öffentlich wird“ vorgeschlagen. Wie in den Vorjahren gab es rund 1000 Einsendungen von Einzelbildern oder Serien. Die 17-köpfige Jury hatte also einiges zu tun, hat aber nicht immer die besten Beiträge prämiert. Das Bild vom stillen Örtchen in der Wüste nebst Überwachungskamera ist jedenfalls nicht so originell, dass es den dritten „Meister“-Preis erhalten müsste.

Gegensatz zwischen privat und öffentlich schwindet

Wie man das geschickter und mit subtileren Mitteln macht, beweist Jens Schreier, der den zweiten Platz bei den „Gesellen“ belegt. Sein „Social Fixer“-Bild zeigt einen jungen Mann mit Laptop, Handy und Kabeln, um sich auf allen Kanälen jederzeit und richtig zu positionieren. Den ersten Platz bei den „Lehrlingen“ verdient hat auch Martin Rehm. Er bildet eine junge Frau ab, die unter einem Hallendach eine Überwachungskamera entdeckt hat. Erbost geht sie in die Offensive, steigt auf eine Leiter, zieht ihr T-Shirt hoch und reckt der Kamera ihre Brüste entgegen.

Eine freche Idee, die gut umgesetzt wurde, befindet „Docma“-Herausgeber Hans D. Baumann. Freilich bemängelt er zu Recht, dass das Dach mit der Kamera zu schlecht ausgeleuchtet ist und der Betrachter deshalb den Witz erst nach einer Weile versteht – aber das darf man einem „Lehrling“, ob Amateur oder Auszubildender, schon mal durchgehen lassen.

Ein heißes Eisen hat das „Docma“-Magazin angepackt: Durch Facebook, Google & Co. schrumpft die Privatsphäre zusehends, der Gegensatz zwischen privat und öffentlich schwindet. Diese Phänomene der Zurschaustellung und des Ausspähens wurden schon oft von Künstlern thematisiert. Doch Fotografen und Grafiker gehen anders an das Thema heran, viel direkter und plakativer. Der Schweizer Geza Kercho etwa hat ein gutes Symbol für voyeuristische Fotografie gefunden. Er lässt aus einem dunklen Umfeld zwei weiße Teleobjektive aufleuchten, die wie ein Fernglas auf der Suche nach Sensationen sind.

Das Bild, mit dem ersten „Meister“-Preis belohnt, funktioniert ohne Erklärung. Kercho umschreibt seine Arbeitsweise treffend mit einem Zitat von Antoine de Saint-Exupéry: „Perfektion ist, wenn man nichts mehr weglassen kann.“

Weitere Informationen aus dem Bereich Kultur finden Sie unter www.noz.de/kultur


„Docma-Award 2015. Im Blitzlicht – Wenn Privates öffentlich wird“: Museum für Kommunikation in Frankfurt/Main. Bis zum 25. Oktober. Di.-Fr. 9-18, Sa./So. 11-19 Uhr.