Kultur für europäische Einheit Ruhrtriennale: Künstler aus 20 Ländern treten auf

Von Pedro Obiera

Das Tanzstück „Model“ in der Choreografie von Richard Segal wird während des Festivals in der Kokoerei Zollverein uraufgeführt . Foto: Wilfried HöslDas Tanzstück „Model“ in der Choreografie von Richard Segal wird während des Festivals in der Kokoerei Zollverein uraufgeführt . Foto: Wilfried Hösl

Bochum. Johan Simons, der neue Intendant der Ruhrtriennale, setzt bei dem Festival auf 150 Veranstaltungen mit 40 Produktionen, darunter 33 Eigen- und Koproduktionen sowie 17 Uraufführungen und Neuinszenierungen.

„Seid umschlungen!“ Mit diesem Motto will sich Johan Simons, der neue Intendant der Ruhrtriennale, in seiner dreijährigen Amtszeit zwar keine programmatischen Fesseln anlegen, wohl aber die Sensibilität für die Frage schärfen, wieweit die Kultur und nicht nur die Wirtschaft zu einer europäischen Einheit beitragen kann.

Ein Fest für alle

Dazu legt er das Festival, das am kommenden Freitag, dem 14 August, in seine erste Runde geht, als Fest für alle an. Ein „Refektorium“ erhebt sich vor der zentralen Bochumer Jahrhunderthalle, das als Café und Begegnungsstätte für jedermann geöffnet ist: ganztägig und auch mit Disco-Flair nach den Veranstaltungen. Etliche Installationen und Veranstaltungen sind zum Nulltarif erlebbar. Und die Eröffnungsproduktion legte der derzeitige Intendant der Münchner Kammerspiele erstmals in der Geschichte der Ruhrtriennale in die Kohlenmischhalle der Zeche Lohberg in Dinslaken. Gelegen in einem bildungsfernen Stadtteil in einem 200 Meter langen Raum, den der Niederländer als „Wüste „ empfindet, passend zur Uraufführung des Musiktheaters „Accattone“ nach dem 1961 entstandenen Film von Pier Paolo Pasolini „Accattone – Wer nie sein Brot mit Tränen aß“, einer theatralischen „Höllenfahrt“, getragen von Musik aus etlichen Bach-Kantaten.

18 Spielstätten

Bis zum 26. September erwarten die Besucher in dichter Folge 150 Veranstaltungen mit 40 Produktionen, darunter 33 Eigen- und Koproduktionen sowie 17 Uraufführungen und Neuinszenierungen. In 18 Spielstätten der Städte Bochum,Dinslaken, Duisburg, Essen, Gladbeck, Mülheim und Oberhausen werden sich 1300 Künstler aus 20 Ländern dem Publikum stellen. Simons steht ein Etat von 14,5 Millionen Euro zur Verfügung, die zu 80 Prozent aus öffentlicher Förderung und Sponsoren stammen. Der Vorverkauf der 48.500 Eintrittskarten ist bereits gut angelaufen. Schon jetzt liegt eine Platzausnutzung von durchschnittlich 75 Prozent vor. Besonders begehrt sind die Produktionen „Accattone“ in Dinslaken, Mika Vainios und Johan Simons Neuinszenierung von Wagners „Rheingold“ in der Bochumer Jahrhunderthalle, das aus Wagners mit dem Werk verbundenen Interesse an Karl Marx und Michail Bakunin heraus interpretiert wird. Die Zeche Zollverein in Essen bietet den Schauplatz für ein Opernexperiment mit Monteverdis „Orfeo“, das als Parcours durch acht Räume angelegt ist, die jeweils nur zehn Zuschauern Platz bieten. Über 400 solcher Durchgänge sind bereits ausgebucht, weitere sind in Planung.

Vier Tanzprojekte, Konzerte aus Symphonik und Pop, Schauspiele nach Stücken von Proust, Couperus und Zola, erstmals ein Familienstück („Sturzflug“ des Studios ORKA), Installationen und ein reichhaltiges Rahmenprogramm können auf der Homepage www.ruhrtriennale.de eingesehen werden. Dort ist auch der Ticketverkauf möglich.

Nach dem Auftakt in Dinslaken werden am Samstag, dem 15. August, gleich drei Installationen in Duisburg, Bochum und Dinslaken für das Publikum geöffnet. In der Jahrhunderthalle wird es ab 18 Uhr ein Open Air und Indoor-Dauermarathon elektronischer Musik geben, in Essen steht das erste Tanzprojekt, „Model“ von Richard Siegal an. Am Sonntag folgt um 14 Uhr das Familienstück „Sturzflug“ in Dinslaken, um 14 Uhr wird im Duisburger Landschaftspark des verstorbenen Gründungsintendanten der Ruhrtriennale, Gerard Mortier, gedacht, und abends erklingen in der Bochumer Jahrhunderthalle konzertant die Bach-Kantaten, die in

„Accattone“ ausschnittweise verwendet werden.

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Das Rahmenprogramm gibt es im Internet unter www.ruhrtriennale.de