Teenagernöte und schwarzer Humor Jugend-Tragikomödie „About a Girl“ überrascht

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Osnabrück. Die Jugend-Tragikomödie „About a Girl“ überzeugt mit flotten Dialogen und einer starken Hauptdarstellerin - gespielt von Jasna Fritzi Bauer. Im Film treffen die beiden Teenager Charleen und Linus aufeinander. Haben sich hier zwei Außenseiter gefunden?

Was bringt ein ganz normales Mädchen mit 15 dazu, sich umbringen zu wollen? Wer bei der Antwort auf die Frage eine Tragödie erwartet, wird bei „About a Girl“ durchaus angenehm überrascht werden. Mit flotten Dialogen beweist der mehrfach prämierte Film bittersüßen Humor bei einem ernsten Thema. Die Botschaft ist klar: „Wer früh stirbt, bleibt für immer jung.“ – „Aber auch für immer tot.“ Charleen, knapp 16, Fan verstorbener Musiker, hat keine Träume mehr. Ihr Umfeld ist trist.

Zwei Außenseiter finden sich

Die Mutter (sehr gut: Heike Makatsch) vertickt als „Powerseller“ nutzloses Zeugs bei Ebay, der kleine Bruder nervt, und ihr Vater, ein Musiker, wurde schon vor Jahren aus dem Haushalt verbannt, nur um durch einen farblosen,

„total peinlichen“ Vegetarier ersetzt zu werden, der zu allem Überfluss auch noch Charleens Bio-Lehrer ist. Und die beste und einzige Freundin Isa? Interessiert sich nur für die Körbchengröße ihrer Brüste und wie diese wachsen. Völlig genervt von ihrer Situation fasst Charleen einen spontanen Entschluss: Sie steigt in eine Badewanne und macht den Föhn an; hofft, dadurch zu sterben. Doch sie überlebt. Und muss nun zum „Psycho-Doc“, bei dem sie ausgerechnet dem Klassenstreber Linus (überzeugend: Sandro Lohmann) begegnet.

Auch der ist peinlich. Und „anders“. So wie Charleen. Und dadurch irgendwie schon wieder interessant. Haben sich hier zwei Außenseiter gefunden?

Starke Hauptdarstellerin

Teenagernöte, schwarzer Humor und pointenreiche Dialoge: Das Spielfilm-Regiedebüt von Mark Monheim, der zusammen mit Martin Rehbock auch das Drehbuch schrieb, beweist Qualitäten, die selten sind im deutschen Kino.

Denn zum einen beherrscht „About a Girl“ die Kunst, durchaus ernste Themen mithilfe grandios witziger Dialoge und toller, teils surrealer Bildideen in eine Komödie zu verwandeln. Zum anderen gelingt es Monheim, mit Charleen eine Figur zu präsentieren, die unter ihrer Kratzbürstigkeit stets ein Meer an Gefühlen vermuten lässt, das sich auch in ihrer schnodderigen Art irgendwann mal Bahn brechen muss.

Getragen werden muss ein solcher Film natürlich von einer starken Hauptdarstellerin. Und die hat der Regisseur in Jasna Fritzi Bauer gefunden. Bekannt aus Filmen wie „Ein Tick anders“ oder „Scherbenpark“ , spielt die übrigens inzwischen 26-Jährige (!) die Rolle der etwa zehn Jahre jüngeren Charleen so überzeugend, dass sie dafür den Bayerischen Filmpreis als „Beste Nachwuchsdarstellerin“ erhielt. Angesichts des Ergebnisses durchaus verdientermaßen.

Sympathische Unterhaltung

Da ist zu verzeihen, dass es auch einige peinlich überzogene Momente gibt, wie etwa die Figur einer übereifrigen Sozialpädagogin als graue Maus, die die typischen Vorurteile bekräftigt, oder eine gütige Oma, die zu Kakao simple Kalendersprüche als Weisheiten verkaufen darf.

Und auch die puppenstubenhafte Mittelstands-Kulisse, in der beharrlich wirkliche Probleme negiert werden oder sich in Klischees auflösen, ist ein Manko.

Dennoch: In seiner nassforschen Art erweist sich „About a Girl“ als sympathische Unterhaltung. Die mag zwar manchmal bekannten Bahnen folgen, überrascht aber zwischendurch als hübsche und gewitzte Jugend-Tragikomödie.


About a Girl. D 2014. R.: Mark Monheim. D.: Jasna Fritzi Bauer, Heike Makatsch, Sandro Lohmann, Simon Schwarz, Aurel Manthei. 105 Minuten. Ab 12. Cinema-Art

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