Wider den Jugendwahn Wagner-Tenor Stephen Gould verärgert über Opernbetrieb

Von dpa

Stephen Gould
              Foto: dpaStephen Gould Foto: dpa

Bayreuth. Der Wagner-Tenor Stephen Gould bedauert, dass es in der Oper zunehmend um die Optik der Sänger gehe.

Für große Rollen wie etwa den Siegfried im Vierteiler „Der Ring des Nibelungen“ müsse man ein gewisses Alter erreicht haben. „Leider versucht der Opernbetrieb aber immer wieder, junge Leute zu pushen. Es wird auch immer wichtiger, wie man aussieht, insbesondere für die HD-Aufnahmen fürs Kino“, sagte der 54-Jährige dem „Nordbayerischen Kurier“.

Gould steht derzeit bei den Bayreuther Festspielen als Tristan in „Tristan und Isolde“ auf der Bühne. „Viele junge Sänger singen die Partien zu früh“, sagte der US-Amerikaner. „Sie haben zwar scheinbar die Stimme dafür, aber es gibt keinen 28-jährigen Siegfried. Wenn einer mit 28 den Siegfried singt, ist eines klar: Er wird ihn mit 40 nicht mehr singen.“

Es sei aber grundsätzlich ein Problem, dass Siegfried in der gleichnamigen Oper von Richard Wagner ein jugendlicher Held von 15 oder 16 sein soll. „Er sollte einen schönen Brad-Pitt-Body haben mit blonden Haaren und blauen Augen. Okay – das ist schön. Aber das geht nicht.“

Vom Publikum gefeiert

Bei der Eröffnung der 104. Bayreuther Festspiele war Stephen Gould als Tristan vom Publikum Ende Juli einhellig gefeiert worden – im Gegensatz zu anderen Hauptfiguren des Abends: Überraschenderweise musste sich der neue Musikdirektor Christian Thielemann einige Buh-Rufe anhören – ebenso wie die kurzfristig für Anja Kampe als Isolde eingesprungene Evelyn Herlitzius. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich angetan: „Es hat mir gut gefallen“, sagte sie. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sprach von einem großen Abend, „gut für Bayreuth“.

Weiterlesen: „Tristan und Isolde“ in Bayreuth bejubelt