Museumspädagogik in Osnabrück Schüler werden im Felix-Nussbaum-Haus zu Künstlern

Von Anne Reinert

Nicht nur zuhören, sondern auch fragen: Felix-Nussbaum-Schüler aus Osnabrück im Museum, das die Bilder ihres Namenspaten zeigt. Foto: Jörn MartensNicht nur zuhören, sondern auch fragen: Felix-Nussbaum-Schüler aus Osnabrück im Museum, das die Bilder ihres Namenspaten zeigt. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Das „Selbstbildnis mit Judenpass“ kennen Schüler aus den Geschichtsbüchern. Im Felix-Nussbaum-Haus lernen sie viele weitere Facetten des Malers kennen.

Manchmal werden Schüler im Felix-Nussbaum-Haus selbst zu Künstlern. Dann stehen sie vor den Bildern des von den Nazis ermordeten Malers und zeichnen sie mit Bleistift nach. In der Werkstatt, die im Akzisehaus neben dem Museum untergebracht ist, vollenden sie das Bild mit Farben und nehmen danach ihren eigenen Nussbaum mit nach Hause.

Das ist nur eine Form, mit der sich junge Menschen Felix Nussbaum annähern. Der Museumspädagogische Dienst bietet reine Führungen mit und ohne Werkstattprogramm an. Doch passiv bleiben die Schüler dabei nie. „Unsere Führungen sind immer dialogisch“, sagt Museumspädagoge Ralf Langer. Einfach nur Zuhören gilt im Nussbaum-Haus nicht. Die Schüler sind aufgefordert zu sagen, was sie auf den Bildern sehen, und Fragen zu stellen. Nussbaums Bilder eigneten sich gut für das dialogische Prinzip. „Schön ist ja, dass seine Bilder narrativ sind“, so Ralf Langer. 

Er arbeitet seit 1998 als Museumspädagoge im Nussbaum-Haus . Davor war er im Museum für Industriekultur tätig und wechselte mit der Eröffnung des Libeskind-Baus in die Innenstadt. Unterstützt wird er bei seiner Vermittlungsarbeit von Studenten, die viele Führungen und die anschließenden Werkstattprogramme im Akzisehaus übernehmen.

Führungen haben einen Schwerpunkt

Zum Vermittlungsprogramm kommen Schulklassen aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Einmal im Jahr etwa reist gleich der komplette neunte Jahrgang der Felix-Nussbaum-Oberschule in Walsrode an, um den Namensgeber ihrer Lernstätte besser kennenzulernen. Auch eine Klasse der Osnabrücker Felix-Nussbaum-Schule war vor Kurzem da, um zu sehen, was ihr Namenspate geleistet hat und wie er unter der Diktatur der Nazis gelitten hat.

Die Führungen haben immer einen Schwerpunkt. Da kann es etwa auch um die Architektur gehen. Ralf Langer zeigt dafür auf das Modell, das im Felix-Nussbaum-Haus in einem Glaskasten steht und an dem die Besucher erkennen können, wie der Bau aus der Vogelperspektive aussieht. Nur so lässt sich der besondere Aufbau des Libeskind-Museums als Ganzes erkennen.

Bei anderen Führungen steht Felix Nussbaums Biografie im Mittelpunkt. „Da geht es um seine Person und seine Familie“, sagt Ralf Langer. Aber auch der Künstler Nussbaum kann im Mittelpunkt stehen oder das Thema Nationalsozialismus und Judenverfolgung.

Programm für jedes Alter

Auch zu den Sonderschauen im Nussbaum-Haus gibt es museumspädagogische Angebote. Im Kindermuseumsklub haben die Jungen und Mädchen etwa vor einigen Wochen Druckgrafiken gemacht. Damit knüpften die Museumspädagogen an die jüngste Sonderausstellung „Traum und Wirklichkeit“ über Nussbaum-Lehrer Hans Meid und seine Schüler an. Auch einen Comic-Workshop gab es schon. Der wiederum war inspiriert von dem Trickfilm „Pit und Peggs“, den Felix Nussbaum 1936 plante , aber nie realisierte.

Felix Nussbaum kommt auch in den Vermittlungsprogrammen des Kulturgeschichtlichen Museums und der Villa Schlikker vor. „Das lässt sich nicht klar abgrenzen“, sagt Langer. Ebenso wenig lassen sich manchmal die Zielgruppen Kinder und Erwachsenen voneinander trennen. Einmal habe er eine Gruppe mit vielen Kindern durchs Museum geführt, erzählt Langer. Deshalb habe er seine Führung auf die jungen Besucher abgestimmt - und auch die Erwachsenen begeistert. „Bieten Sie so etwas auf für Erwachsene an?“, habe ein Vater gefragt.

Grundschüler durch die Ausstellung im Nussbaum-Haus zu führen, lehnt Langer allerdings ab. Zwar zählt er gleich ein paar Ausnahmen auf und nennt Grundschulen, die sich in Projektwochen mit dem Nationalsozialismus und Nussbaum auseinandergesetzt haben. Die haben er und seine Kollegen dann doch durch das Museum geführt. Aber generell hält Langer sie für zu jung. Er will keine Grundschulklasse mal eben am Wandertag durch das Museum führen und ihnen in 90 Minuten erklären müssen, was der Nationalsozialismus ist. Denn das Thema haben die meisten bis dahin noch nicht in der Schule behandelt. „Ab zehn oder zwölf Jahren ist das früh genug“, erklärt er.

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