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Reform bis heute umstritten Quiz zum Geburtstag der Rechtschreibreform

Zehn Jahre nach Inkrafttreten neuer Rechtschreibregeln an Schulen werden die Reform und ihre Folgen noch immer kritisch gesehen. Foto: dpaZehn Jahre nach Inkrafttreten neuer Rechtschreibregeln an Schulen werden die Reform und ihre Folgen noch immer kritisch gesehen. Foto: dpa

KNA/dpa Frankfurt. Zehn Jahre nach Inkrafttreten neuer Rechtschreibregeln an Schulen werden die Reform und ihre Folgen noch immer kritisch gesehen. Der Duden-Chefredakteur Werner Scholze-Stubenrecht bemängelt etwa, dass seitdem zu viele Varianten erlaubt seien.

„Wir Wörterbuchmacher hätten es lieber, wenn möglichst viel Einheitlichkeit herrscht“, sagte er. In bestimmten Bereichen sei die Reform zwar eine Erleichterung gewesen. „Ich persönlich hätte aber mit etwas weniger Aufwand und etwas weniger Änderungen gut leben können.“

Gänzlich überflüssige Reform

Der frühere bayerische Kultusminister Hans Zehetmair (CSU), der an der Reform maßgeblich beteiligt war, hält sie heute sogar gänzlich für überflüssig, wie er der „Zeit“ sagte. „Ich muss mir vorwerfen, dass ich als Kultusminister nicht frühzeitig die Tragweite erkannt und die Reform in geordnete Bahnen gelenkt habe“, so Zehetmair. Behutsame Änderungen der Schriftsprache seien zwar nötig. „Sprache ist nicht statisch, sondern ein lebendiger Prozess“, sagte Zehetmair dem Blatt. „ Ob man Friseur mit „ö“ schreibt oder mit „eu“ – wen sollte das aufregen?“

Normen für Schreibung sind wichtig

Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) dagegen bricht eine Lanze für eine möglichst einheitliche Rechtschreibung. „Normen für die Schreibung sind wichtig, weil sie einer gelingenden Kommunikation dienen“, sagte die GfdS-Geschäftsführerin Andrea-Eva Ewels. „Es dient einfach der Lesbarkeit und der Verständigung, ein großes Maß an Einheitlichkeit zu gewährleisten.“ Ein Großteil des Wortschatzes sollte orthografisch festgelegt sein, allein schon wegen der Lehrbarkeit an Schulen, betonte sie. Das Hickhack um die Reform habe auch nicht zu einer Gleichgültigkeit in der Bevölkerung geführt, so Ewels. Zwar werde in Internetforen oder Chats wenig auf korrekte Schreibung geachtet. Bei Bewerbungsschreiben, in Todesanzeigen oder bei Imagebroschüren werde dagegen nach wie vor großer Wert auf korrekte Orthografie gelegt. Die Reform habe zu einem riesigen Bedarf an Beratung und Rechtschreibseminaren geführt.

Einführung im August 2005

Die neuen Regeln waren nach heftigen Auseinandersetzungen und mehrfachen Überarbeitungen am 1. August 2005 an Schulen eingeführt worden, 2006 zogen Bayern und Nordrhein-Westfalen nach. Seit der Reform sind unter anderem häufig mehrere Schreibweisen – etwa „dein“ und „Dein“ oder „Schifffahrt“ und „Schiff-Fahrt“ –erlaubt.