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01.08.2015, 09:00 Uhr DER WÖCHENTLICHE SILBERBLICK

Blick in die Zukunft: Süchtig nach der Wetter-App

Kommentar von Eva Voß

Jederzeit zu wissen, wie das Wetter wird, gibt einem manchmal das Gefühl, in die Zukunft blicken zu können. Foto: dpaJederzeit zu wissen, wie das Wetter wird, gibt einem manchmal das Gefühl, in die Zukunft blicken zu können. Foto: dpa

Osnabrück. In unserer wöchentlichen Kolumne „Silberblick“ berichtet die Kulturredaktion über mehr oder weniger skurrile Beobachtungen aus Alltag und dem Kulturleben. In dieser Woche geht es um die Sucht nach der Wetter-App.

Seit jeher sind die Menschen davon fasziniert, die Zukunft vorhersehen zu können. Nostradamus (1503-1566) ist vermutlich der bekannteste Wahrsager, darüber hinaus hat sich in den vergangenen Jahrhunderten eine regelrechte Industrie entwickelt: Horoskope, Tarotkarten und Orakel sollen uns wahlweise voraussagen, ob demnächst die große Liebe vor der Tür steht , oder die deutsche Fußballnationalmannschaft Welt- oder Europameister wird.

Schon vorher zu wissen, was demnächst passieren wird, ist vielleicht ein bisschen langweilige, aber auch unheimlich verlockend: Unfälle oder peinliche Situationen könnten wir rechtzeitig verhindern und auf blöde Sprüche unserer Mitmenschen endlich angemessen reagieren.

Weil das aber alles bislang nachweislich noch niemandem gelungen ist, begnüge ich mich mit der Zukunftsprognose im Kleinen und der bin ich wahrlich verfallen: der Wetter-App. Ich sehe fast stündlich nach, ob und wann es regnet, wie warm oder windig es ist – ich will eben wissen, was auf mich zukommt. Als neulich meine Kollegin fragte, ob es heute noch regnen würde, oder ob sie doch mit dem Rad nach Hause fahren könnte, zückte ich sofort mein Smartphone, fragte Wetter-App und Regen-Radar um Hilfe und prognostizierte, dass es in etwa einer Stunde aufhören würde zu regnen. Ein anderer Kollege, der das Gespräch mitbekommen hatte, schmunzelte, sah mich an und sagte trocken: „Warum guckst du nicht einfach nach draußen?“ Niederschmetternd.

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