Kultureller Blick: Auch Seven begeistert Fanta 4 beim Schlossgarten Open Air tatsächlich fantastisch

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Osnabrück. Fantastisch, diese Vier: Mit lässiger Souveränität jagen sie durch ein Programm mit diversen neuen und ganz vielen alten Hits, die das Publikum im Schlossgarten aus dem Häuschen geraten lassen. Dass die knapp 10000 Zuschauer bereit sind, eine zünftige Party zu feiern, zeigen sie bereits am frühen Abend, als Soulmann Seven aus der Schweiz mit funkigem Groove für Tanzlaune sorgt.

Leider hat Seven nur seine Basisband mit nach Osnabrück gebracht. Wenn er seine variationsreiche Stimme auf ein fulminantes Soulfundament legen kann, das von gepfeffertem Bläsersätzen und tanzenden Backgroundsängerinnen angetrieben wird, kommt Seven besonders in Fahrt. Aber auch ohne großes Besteck hat der hierzulande noch recht unbekannte Musiker, eine Entdeckung übrigens von Fanta 4-Manager Andreas „Bär“ Läsker, schon bald viele Fans gewonnen.

Vor allem Keyboarderin Rose Ann Dimalanta, die früher schon bei der US-Funk-Legende Prince für infektiöse Soultöne sorgte, heizt dem Sound mächtig ein. Griffige Bässe, ein exakt rhythmisierender Schlagzeuger und ein Gitarrist, der dem Funk ein bisschen Rock einbläut – Seven versteht es, das Publikum angemessen auf die Fanta Vier einzustimmen.

In Ehren altern

Ganz in Schwarz betritt alsbald And.Ypsilon mit fünf Live-Musiker die Bühne, um das Intro für die „Rekord-Show“ abzuspulen. Die Stuttgarter sind ja immer noch auch Jubiläums-Tour: Vor 26 Jahren starteten sie ihre phänomenale Karriere – und machten immer wieder Halt in Osnabrück. Ganz am Anfang vor wenigen Zuschauern im Works, dann 2003 im Schlossgarten vor zirka 8000 Zuschauern.

Jetzt beweisen sie, dass es durchaus möglich ist, mit HipHop, dem Extrembeispiel für Jugendkultur, in Ehren zu altern. Sie starten mit „25 Years“, dem nostalgischen-schrägen Exkurs in ihre Anfangszeit, geben neueres Material wie „Gegen jede Vernunft“ oder „Typisch ich“ zum Besten, heben mit „Smudo in Zukunft“ in panischem Swing zum Elektro-Gospel ab, betreten mit „Krieger“ mystische Gefilde, die in tiefes Rot getaucht sind, und in denen Thomas D. wie ein Schamane agiert, seinen durchtrainierten nackten Oberkörper zeigend. Schließlich setzt es alte Hits: „Sie ist weg“, „MfG“, „Der Picknicker“ geben den Zuschauern den Rest.

Ein bisschen Nostalgie

Im Zugabenteil greifen die Fantas unversehens ganz tief in die Retrokiste: „Wer A sagt, muss auch B sagen, wer Osna sagt, muss auch Brück sagen, wer ´die´ sagt, muss auch ´da´ sagen“, brüllt Thomas D. ins Mikrophon und intoniert mit Michi Beck, Smudo und And.Ypsilon tatsächlich den Song, den er im Interview mit unserer Zeitung vor einigen Jahren als „Fluch und Segen“ bezeichnete. Weil er Erfolg brachte, aber eigentlich ein „Witz“ war, den die Stuttgarter schon bald nicht mehr hören konnte. Jetzt, nach 26 Jahren, geht die Nummer wohl wieder ins Ohr: „Die da“.

Ein finales „Troy“ macht auch dem letzten Zuschauer klar: Die Fantastischen Vier sind grandiose Entertainer, die sich ihren Platz im Pop-Olymp zu Recht erspielt haben.


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