Kommissar Rex‘ Frauchen im Interview Teresa Ann Miller: Die besten Hundeszenen der Filmgeschichte

Von Daniel Benedict

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Berlin. Teresa Ann Miller trainierte den „Partner mit der kalten Schnauze“ und wurde mit „Kommissar Rex“ zur Top-Tiertrainerin Hollywoods. Für den Film „Underdog“ hat sie in Cannes die „Palm Dog“ gewonnen.

Sie trainiert die Hunde Hollywoods – und Wiens. Mit der Komödie „Mein Partner mit der kalten Schnauze“ wurde Teresa Ann Miller bekannt: Als Frauchen von Kommissar Rex ist sie eine Institution. Im Kino läuft gerade der ungarische Film „Underdog“, der in Cannes nicht nur dem Regisseur Kornél Mundruczó einen Preis eingebracht hat. Auch Miller und ihre Mischlinge Luke und Bodie wurden ausgezeichnet: mit der Palm Dog. Im Interview verrät die Amerikanerin, wie man einen Hund zum Star macht, was die besten Hundeszenen der Filmgeschichte sind – und ob sie trotz ihrer Arbeit an den „Babe“-Filmen Fleisch isst.

Wie geht es Ihnen, wie geht es Luke und Bodie?

Uns geht’s prächtig! Wir sind alle drei auf dem Sofa, und die beiden stehen praktisch auf mir drauf.

Wie haben Sie überhaupt zueinandergefunden?

Ich habe die beiden hier in Amerika adoptiert und trainiert. Die rund 200 Hunde des Films stammen aus Tierheimen in Ungarn, wo wir gedreht haben. Aber Luke und Body und auch Marleen, der kleine Jack-Russell-Terrier, der einen Freund von Hagen spielt, habe ich mitgebracht.

Wie castet man einen Hund? Woher weiß man, dass er nach einem langen Training später einmal vor der Kamera spielen kann?Wie castet man einen Hund? Woher weiß man, dass er nach einem langen Training später einmal vor der Kamera spielen kann?Wie castet man einen Hund? Woher weiß man, dass er nach einem langen Training später einmal vor der Kamera spielen kann?

Luke und Bodie wurden vor allem deshalb ausgewählt, weil sie gute Foto-Doubles sind. Sie ähneln sich sehr, sodass sie sich eine Rolle teilen können. Dem Regisseur war außerdem ein Hund wichtig, den die Zuschauer auf den ersten Blick von allen anderen Tieren unterscheiden können. Er hat die beiden Hunde ausgewählt. Dass sie dann auch spielen können, ist meine Aufgabe.

Besondere Fähigkeiten muss ein Hund für Sie also gar nicht mitbringen?Besondere Fähigkeiten muss ein Hund für Sie also gar nicht mitbringen?Besondere Fähigkeiten muss ein Hund für Sie also gar nicht mitbringen?

Eigentlich nicht. Wenn er keine Angst vor mir hat, nicht aggressiv ist und Interesse zeigt, kann ich mit ihm arbeiten. Diesmal war es mir auch wichtig, dass er Kinder gewohnt ist, weil die Hauptdarstellerin sehr jung ist.

Gibt es typische Fehler, die man Hunden abtrainieren muss? Gucken sie in die Kamera?

Jeder bringt seinem Hund Tricks bei. Normalerweise machen die Tiere das für ihre Besitzer. Bei mir müssen sie mit Fremden zusammenspielen. Das ist die größte Schwierigkeit. Und natürlich müssen wir Hunde darauf trainieren, untrainiert zu wirken.

Trainieren Sie nur die Hunde oder auch die Schauspieler?

Wir arbeiten auch mit den Schauspielern. Vor allem weil sie sich daran gewöhnen müssen, dass ich rede, während sie spielen. Ich gebe den Hunden ständig Kommandos, und das müssen die Menschen ausblenden. Man sagt oft, dass Kinder und Tiere den Darstellern die Schau stehlen. Tatsächlich kann die Arbeit mit einem Tier Stars aber auch sympathischer machen. Und bislang habe ich immer mit Stars zusammengearbeitet, die das zu schätzen wissen.

In „Underdog“ gibt es Massenszenen, bei denen Hunderte Hunde regungslos im Bild sitzen. Wie haben Sie diese gigantische Disziplin erreicht?

Wir hatten natürlich auch sehr viele Trainer, und wir sind in Gruppen vorgegangen. Erst haben wir drei Hunden beigebracht, gemeinsam zu sitzen und zu laufen. Dann den nächsten drei. Danach haben wir die Hunde in Zehnergruppen eingeteilt, dann in Hundertergruppen. Am Ende haben alle zusammen stillgehalten.

Wie erreicht man, dass eine Hundekampfszene gefährlich aussieht, ohne es zu sein?

Das ist schwierig, weil die Hunde tatsächlich miteinander spielen. Die Kampfszene in „Underdog“ haben wir mit Luke und dem Rottweiler Bernard gedreht. Bodie hatte sich dabei nicht wohlgefühlt und signalisiert: Ich weiß nicht, der Rottweiler sieht ziemlich groß aus – er wollte mit dem nicht spielen. Luke und Bernard mochten sich von Anfang an, also haben wir sie ermutigt zu raufen. Das haben wir erst in Los Angeles geübt und dann noch einmal vier Wochen am Set, damit die beiden sich an den Ort gewöhnen und an die Ablenkung durch die vielen Leute. Die eigentliche Aufnahme hat dann noch einmal eine volle Woche gebraucht – weil wir immer nur so lange drehen konnten, wie Luke und Bernard Lust zum Spielen hatten. Wir sind morgens mit ihnen ans Set, als sie noch voller Energie waren, haben gedreht, solange es ging – jeden Tag ein paar Minuten. Danach mussten wir am selben Ort Szenen ohne Hunde aufnehmen. Was für den Regisseur besonders frustrierend war: Bernard hat sich liebend gern auf den Rücken gelegt und von Luke in die Beine beißen lassen – und zwar viel zu früh für die Szene.

Wie leben Sie? Haben Sie eine Farm voller dressierter Hunde, Schweine und Alligatoren?

Das geht schon deshalb nicht, weil ich 17 Jahre in Europa gelebt habe, um „Kommissar Rex“ zu machen. Ich habe immer noch zwei Schäferhunde, aber ansonsten nur Luke, Bodie und eine Katze. Das sind die Tiere, mit denen ich zurzeit arbeite. Ich behalte bewusst nicht alle Tiere, mit denen ich drehe. Wenn sie nur ein paar Tage gebraucht werden, nehme ich fremde Tiere. Bei Schäferhunden ist das etwas anderes, die sind mein Markenzeichen. Mein Bruder arbeitet mit Reptilien, Insekten und Würmern. Zusammen haben wir eine Menge zu bieten. (Bekommt Rex ein Frauchen?)

Sind Schäferhunde schlau?

Sie sind intelligent, aber vor allem vielseitig: Sie spielen Familienhunde, Polizeihunde, Wachhunde. 1988 hat „Mein Partner mit der kalten Schnauze“ mir den Ruf eingebracht, die besten Schäferhunde zu haben. Ich bin dabei geblieben, und durch „Kommissar Rex“ haben meine Hunde eine enorme Menge Verhaltensweisen gelernt. Inzwischen bietet keine andere Firma mehr Schäferhunde an.

Sie teilen sich mit Rex sogar einen Facebook-Account.

Genau, ein schöner Weg, um mit den Fans zu kommunizieren.

Es gibt Oscars für alle Gewerke, aber nicht für Tierdarsteller. Müsste das eingeführt werden?Es gibt Oscars für alle Gewerke, aber nicht für Tierdarsteller. Müsste das eingeführt werden?

Es gab mal den Patsy-Award von der American Humane Association, die auch ein Gütesiegel für Filme vergibt, in denen keine Tiere zu Schaden kamen. 1986 wurde der Preis aus Geldmangel abgeschafft. Danach gab es den Golden Collar Award (Das goldene Halsband). Beim letzten Versuch wurde es ins Lustige gedreht; die Tiere saßen im Publikum, kamen vor und holten Preise ab. Die Arbeit wird nicht sehr ernst genommen. Bei den wichtigen Preisverleihungen spielen Tiere keine Rolle – nur in Cannes, wo es neben der offiziellen Palme d’Or auch einen Palm Dog Award gibt, den wir mit „Underdog“ gewonnen haben.

Was macht für Sie eine preiswürdige Tierrolle aus? Mögen Sie Figuren mit Ecken und Kanten? Legen Sie Wert auf artgerechtes Verhalten?Was macht für Sie eine preiswürdige Tierrolle aus? Mögen Sie Figuren mit Ecken und Kanten? Legen Sie Wert auf artgerechtes Verhalten?Was macht für Sie eine preiswürdige Tierrolle aus? Mögen Sie Figuren mit Ecken und Kanten? Legen Sie Wert auf artgerechtes Verhalten?

Ich liebe eine schöne Herausforderung. Die große Anzahl von Tieren in „Underdog“ war aufregend. Die vielen menschlichen Verhaltensweisen von Rex genauso. Als ich für „Rex“ zugesagt habe, wurde mir der nächste „Beethoven“-Film angeboten, ein „Babe“-Film und eine „Benji“-Fortsetzung. Ich habe „Rex“ genommen – weil es so was noch nie gegeben hatte und ich mich hier entwickeln könnte . Aber grundsätzlich nehme ich jede Arbeit an. Gestern habe ich ein Pudel-Shooting für ein Kaufhaus gemacht; letzte Woche habe ich für eine Fernsehshow mit Ratten gearbeitet.

Sie machen Ihr Geschäft in der zweiten Generation. Wie hat sich die Arbeit mit Tieren im Entertainment verändert?

Ich glaube, wir können immer mehr machen, weil unsere Erfahrung profunder wird. Und weil die Autoren ihre abenteuerlichen Ideen entwickeln, ohne auch nur zu wissen, was die Tiere können. Selbst wir Trainer wissen es vorher nicht. Dadurch werden Rollen für Tiere tiefer, komplexer. Und natürlich sind wir rücksichtsvoller. Wenn früher ein Pferd im Western erschossen werden sollte, haben die Trainer es mit dem Lasso zu Fall gebracht und gefährdet. Heute lehren sie Pferde, auf Matratzen zu fallen. Daran hätte früher niemand gedacht.

Inzwischen braucht man Tiere nicht mehr zu trainieren – man kann sie einfach am Computer gestalten. Macht die Tricktechnik Sie bald arbeitslos?

Es ist faszinierend, was Computer können: Massenszenen herstellen, exotische Tiere animieren, Dinosaurier wiederbeleben. Aber sie können kein Leben in Tiere bringen. Der Regisseur von „Underdog“ wurde gefragt, wieso er mit 250 echten Hunden drehen wollte, statt die Szene am PC zu machen. Seine Antwort: Er wollte Tiere sehen, nicht die menschliche Vorstellung von Tieren. Am PC hätte der Ausbruch von 250 Hunden fantastisch ausgesehen, aber auch überaggressiv, unrealistisch, stilisiert. Die Hunde hätten wie eine Armee gewirkt. Wir zeigen den Realismus des Ungeplanten: Hunde, die zurückbleiben, am Baum schnüffeln, nicht so aggressiv wie die anderen sind. Was Computer auch nicht herstellen können, ist die Beziehung der Tiere zum Menschen, gilt besonders bei Hunden und Pferden.

Den Tieren, die die längste Geschichte mit den Menschen haben.

Absolut. Und man sieht die Beziehung in ihren Augen. Das kann man nicht herstellen. Nicht am Computer, nicht als Schauspieler. Menschen in computergenerierten Szenen spielen mit nichts, ohne lebendes Gegenüber.

Eine Alternative ist das Motion-Capture-Verfahren, bei dem ein Mensch Mimik und Bewegungen auf eine Animation überträgt – wie Andy Serkis als Affe im „Planet der Affen“.

Das ist fantastisch, und in diesem Film geht es nur so: Hier übernehmen Affen die Macht, reiten auf Pferden, kämpfen mit Waffen – das ist so futuristisch, dass es nur mit Tricktechnik geht.

Tiercharaktere werden oft von mehreren Tieren im Wechsel gespielt. Sehen Sie, dass Lassie mehr als ein Hund ist?

Natürlich, und das Publikum sieht es in meinen Filmen auch, die Hunde haben oft eine sehr unterschiedliche Statur, manchmal sogar eine andere Färbung. Ich arbeite gern mit mehreren Hunden, um eine größere Bandbreite im Ausdruck zu haben. Hagen beginnt in „Underdog“ als Haustier und ist am Ende der aggressive Alpha; dafür brauche ich zwei Hunde. Einer ist verspielt wie ein Welpe, der andere dominant. Einer springt höher, der andere ist gut mit Kindern. Mit zwei Hunden hat man doppelt so viel Performance.

Welches sind Ihre liebsten Tierstars in der Filmgeschichte?

Puh! Ich bin der Industrie aufgewachsen und kenne viele Kollegen. Eine Darstellung, die mich immer begeistert hat, ist die Tollwut des Bernhardiners, den mein Vater für die Stephen-King-Verfilmung „Cujo“ trainiert hat. Ich habe nie etwas Vergleichbares gesehen. Dieser Hund sieht aus, als hätte er Tollwut. Natürlich mag ich auch die Arbeit des Schweins in den „Babe“-Filmen. Wunderbar gefilmt war „Eight Below“, ein antarktisches Schlittenhund-Drama mit Paul Walker. Das emotionalste Filmerlebnis meines Lebens ist das Ende von „Marvey and me“. Ich bin auch glücklich über meine Arbeit mit Luke und Bodie. Aber wenn ich eine zweitbeste Tierszene benennen sollte, würde ich Kommissar Rex in der Sterbeszene von Tobias Moretti nehmen. Die Episode heißt „Mosers Tod“, und mein Hund B.J. hat in seinem Spiel mit Moretti eine De-Niro-Performance hingelegt. (Hier geht‘s zu „Cujo“ auf Youtube.)

Gibt es untrainierbare Spezies?

Man kann sogar einer Schildkröte beibringen, von einem Ort zum nächsten zu gehen. Mein Bruder motiviert Schlangen, indem er sie mit Wärme schneller schlängeln lässt oder mit Kälte langsamer. Das ist nicht, was ein Hund, ein Schwein oder ein Pferd beherrschen – aber es gibt Experten, die sogar Würmer manipulieren.

Der Maler David Hockney, der auch Dackel-Porträts malt, schreibt in einem Vorwort: Das Leben seiner Hunde dreht sich um Liebe und Futter.

Ich brauche drei Dinge: Liebe, Futter und Spielzeug. Das Wichtigste ist ihre Beziehung zu mir; meine Tiere müssen mir vollkommen vertrauen. Aber sie brauchen auch Motivation, und das sind Spaß und das Futter. Ich erlebe es oft, dass Hunde am Set träge werden und nicht mehr wollen. Wenn ich dann das Bällchen raushole, haben wir eine völlig andere Situation. Aber ohne Bindung würden sie weder Ball noch Futter von mir nehmen.

Essen Sie Tiere?

Ich muss es leider zugeben. Mir schmeckt Steak, Wiener Schnitzel ist mein Leibgericht. Aber ich könnte keine Tiere halten, die geschlachtet werden. Mir ist klar, dass viele Menschen davon leben. Ich weiß, dass meine Arbeit nicht möglich wäre, wenn Tiere in der Menschheitsgeschichte nicht als Nutzvieh gehalten worden wären. In einem Wort: Ich esse Tiere. Aber nie meine eigenen.

Vita: Teresa Ann Miller lernt den Beruf der Tiertrainerin von klein auf. Ihr Vater Karl Lewis Miller trainiert Filmhunde wie „Beethoven“ (1992) und „Cujo“ (1982). Bei Filmplots, deren Zoo die Möglichkeiten eines einzelnen Trainers übersteigt, unterstützt Teresa Ann Miller ihren Vater – zum Beispiel als es darum geht, einen kompletten Bauernhof in „Ein Schweinchen namens Babe“ (1995) kameratauglich zu machen. 22 Jahre arbeitet Miller an der Seite ihres Vaters. Dann zieht sie für 17 Jahre nach Europa und betreut die Serie „Kommissar Rex“. Ihr aktueller Film, das ungarische Drama „Underdog“, gewinnt in Cannes die Rubrik „Un certain regard“ – und dank ihrer Massenszenen mit 250 Straßenhunden auch den Tiertrainer-Preis Palm Dog. Auch Millers Bruder ist ins Familiengeschäft eingestiegen. Seine Spezialität sind Reptilien.


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