Newcomerin der Malerei Kunsthalle Lingen zeigt Jagoda Bednarsky

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Blick in die Ausstellungsinstallation in der Kunsthalle Lingen. Foto: Kunsthalle LingenBlick in die Ausstellungsinstallation in der Kunsthalle Lingen. Foto: Kunsthalle Lingen

Lingen. Die Kunsthalle Lingen zeigt Jagoda Bednarsky. Die spannende Newcomerin reagiert mit ihrer Malerei auf die Bilderflut sozialer Medien.

Wegwerfen oder behalten? Jagoda Bednarksy entscheidet sich konsequent für beides. 2014 beendet sie ihr Studium der Malerei an der Frankfurter Städelschule. Ihre Abschlußarbeit: „Zweite Lese“, ein Monster von einem Gemälde. Dreieinhalb Meter hoch und über zweieinhalb Meter breit spannt sich „Zweite Lese“ auf der Wand auf, eine graue Fläche, auf der die 1988 in Polen geborene Bednarsky kurzerhand in gemalten Mini-Repliken versammelt, was sie an Bildern in ihrer Akademiezeit produziert hat. Das Resultat ist ein gemaltes Archiv, die vorweggenommene eigene Retrospektive in schönster Petersburger Hängung. Bednarsky hebt ihre Gemälde so auf und rückt sie zugleich auf Abstand. Das ist ein Akt des Abschieds und eine große Geste der Selbstgewissheit zugleich. Darunter geht es wohl nicht.

Mit ihrem Meta-Bild in eigener Sache reflektiert die junge Nachwuchsmalerin, was mindestens so wichtig ist wie das gelungene Kunstwerk - die gewitzte Positionierung in der Art World. Bednarsky scheint die zu gelingen. Das Kunstmagazin „Monopol“ hat sie als spannende Newcomerin auf der Liste, die Kunsthalle Lingen und der Nassauische Kunstverein Wiesbaden zeigen sie in diesem Jahr in Einzelausstellungen. Und mit der Frankfurter Galerie Pflug ist ein Partner im Kunsthandel gefunden. Die gleiche Galerie hatte übrigens schon die Ausstellung mit Bildern Michael Pfrommers nach Lingen vermittelt.

Die Kunsthalle Lingen zeigte kürzlich die Bilder von Michael Pfrommer - eine Welt der lethargischen Helden. Warum die Bilder den Romanen von Wilhelm Genazino gleichen, lesen Sie hier.

Doch was fängt Jagoda Bednarsky mit der Malerei an, einem Medium mit Behauptungscharakter und Bedeutungspose? Sie malt, was sich heute im Medium des künstlerischen Bildes kaum noch umgehen lässt - die Auseinandersetzung mit den inflationär vielen anderen Bildern, ihrem Status, ihren Sujets, die sich kaum noch nach ihrer Relevanz ordnen lassen. Heute hilft Malern nicht mehr, was früher einmal half - Expression zum Beispiel. Soziale Medien wie Facebook oder Instagram haben alle, auch Künstler, noch viel mehr als früher zu Medienbeobachtern gemacht. Die junge Malerin Bednarsky macht da keine Ausnahme. Sie malt eine Wirklichkeit, aber eine aus Bildern.

„metawatching“ heißt deshalb konsequent ein Gemälde, das ein Paar vor einem Picasso-Gemälde zeigt. Bednarsky überblendet die Reminiszenz an gute, alte Documenta-Zeiten mit einem Interieur der fünfziger Jahre. Die Künstlerin macht damit ein Lebensgefühl fließenden Übergangs sichtbar. Tradition wird eher festgehalten als abgelehnt. Sie ist aber auch nicht mehr so mächtig, als dass sie das aktuelle Lebensgefühl noch prägen könnte. Bednarsky gehört zu einer Künstlergeneration, für die die Moderne endgültig in weite Ferne gerückt ist. Diese Malerin kann folglich nur ironisch operieren. So erklären sich die unübersehbaren Anleihen bei Martin Kippenberger und Sigmar Polke.

Jagoda Bednarsky malt aus der Meta-Perspektive eine Bildwelt aus virtuosen Bildern. Aber wie kann dieser Ansatz fortgesetzt werden? Wahrscheinlich kaum in der Weise einer Festlegung auf Themen oder Sujets. Bednarskys Bilder handeln von der Navigation durch ein unablässiges Spiel der Referenzen. Da kommt niemand an ein Ziel. „multicultivator“ hat Bednarsky eines ihrer Bilder genannt. Der Titel klingt wie eine Rollenbeschreibung in eigener Sache.

Lingen, Kunsthalle: Jagoda Bednarsky. Mono - Chromo - Horo - Skop. Bis 12. Juli 2015. Di.-Fr., 10-17 Uhr, Sa., So., 11-17 Uhr. www.kunsthallelingen.de


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