Werk nur für drei Monate realisiert Konzeptkunst: Wandmalerei von Sol LeWitt in Bottrop

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Bottrop. Als Erfinder des Begriffes „Konzeptkunst“ ist er ein Übervater der Kunst des 20. Jahrhunderts: Sol LeWitt. Jetzt zeigt das Josef-Albers-Museum in Bottrop eine seiner berühmten „Wall Drawings“, seiner Wandzeichnungen, als Wiederaufführung. 21 Farbquadrate verwandeln das Museum auf Zeit in einen Ort perfekter Harmonie.

Der Amerikaner Sol LeWitt (1928–2007) war ein scheuer Künstler von immensem Einfluss. Der Sohn russischer Einwanderer ließ sich ungern fotografieren, wich vor dem quirligen New Yorker Kunstbetrieb nach Italien oder in die Abgeschiedenheit des US-Bundesstaates Connecticut aus.

Doch seine an den Ideen des Bauhauses und der niederländischen De-Styl-Bewegung geschulten, streng durchdachten Kunstkonzepte ließen ihn zum Übervater einer ganzen Künstlergeneration avancieren. Der Mann der Raster- und Gitterstrukturen nahm gleich viermal an der Kassler Documenta teil, entwarf für die Skulptur-Projekte Münster 1987 die den im Holocaust ermordeten Juden gewidmete Skulptur „Black Form“ und für Bremen die „Three Triangles“, eine aus weißen Steinen gemauerte Skulptur auf einer der Weserbrücken.

Eine besondere Beziehung verband ihn mit dem aus Bottrop stammenden Bauhauslehrer Josef Albers (1888– 1976). Kurz vor seinem Tod konzipierte Sol LeWitt eine Wandmalerei aus 21 Quadraten von jeweils 2,50 Meter Kantenlänge exklusiv für das Josef Albers gewidmete Museum in Bottrop.

Der auf den ersten Blick sperrige Titel erklärt bereits Anordnung und Struktur dieser Arbeit. „Seven Basic Colours and All Their Combinations in a Square within a Square“: Sieben Basisfarben und alle ihre Kombinationen in einem Quadrat in einem Quadrat. Den ineinander gesetzten Quadraten entsprechen die Ausstellungsräume des Museums. Darauf stellte LeWitt seinen Entwurf ab – ohne übrigens selbst jemals vor Ort gewesen zu sein. Ein Problem? Nein, denn als Vertreter der Konzeptkunst trennte LeWitt konsequent Idee und Konzept eines Kunstwerkes von dessen Ausführung.

So gilt auch das Blatt mit Entwurfszeichnung, Maßangaben und Ausführungsbestimmungen als das eigentliche Original des „Wall Drawing 1176“. Das Blatt sei auf dem Kunstmarkt rund eine Million Euro wert und die ausgeführte Arbeit nur in Bottrop zu realisieren und deshalb an den Ort gebunden, sagte Heinz Liesbrock, Direktor des Josef-Albers-Museums, vor Pressevertretern. Nach seinen Angaben haben vier Maler von der Kunstakademie Düsseldorf unter Anleitung von Wim Stakenburg, einem früheren Assistenten Sol LeWitts, die 21 Quadrate in 13 Tagen verwirklicht.

Zuvor waren die Museumswände sorgfältig abgeschliffen und weiß grundiert worden. Erst danach gingen die Kunstmaler mit Quastpinseln an ihre penibel auszuführende Arbeit. Sol LeWitt entwarf für dieses „Wall Drawing 1176“ ein ebenso einfaches wie raffiniertes Konzept. In einem Quadrat ordnete er die drei Primärfarben Rot, Gelb und Blau, die drei Sekundärfarben Grün, Orange und Violett sowie Grau an.

Die Kombinationen entstehen dadurch, das Quadrate einer Farbe mittig jeweils kleinere Quadrate der anderen Farben tragen. Nach einem genau berechneten System ergeben sich 21 Quadrate. Ihre immense Größe bringt die reinen Acrylfarben zu intensivem Leuchten.

Sol Lewitts nur auf den ersten Blick sprödes Werk entpuppt sich bei aller Gedankenstrenge als Bildfolge von kraftvoller Sinnlichkeit. Die Farbkombinationen führen die Koexistenz von Farbenergien als Harmonie und Konflikt vor. Da jede mögliche Kombination zweier Farben zum Zuge kommt, enthält dieses „Wall Drawing“ auch eine ethische Botschaft – als Plädoyer für strikte Egalität.

Bottrop punktet jetzt aber vor allem mit Exklusivität. Die 2005 zuerst präsentierte Arbeit von Sol LeWitt ist nun erst zum zweiten Mal verwirklicht worden. Mit dem Wall Drawing verschmelzen Kunst und Museumsbau untrennbar zu einer Einheit auf Zeit. Für die nächste Ausstellung mit Fotografien von Walker Evans werden Sol LeWitts Farbquadrate Anfang September wieder überstrichen.

Bis dahin bleibt die perfekte Harmonie von Konzept und Kunst, Verstand und Sinnlichkeit. Das macht das kleine Museum in Bottrop zum Schauplatz eines Ideals, das für eine kurze Periode in der Wirklichkeit erscheinen darf.


Bottrop, Josef-Albers-Museum, Quadrat: Sol LeWitt: Wall Drawing 1176. For Josef Albers. 7. Juni bis 30. August 2015. Di.–Sa. 10–17 Uhr, So. 11–17 Uhr. Weitere Informationen im Internet: www.quadrat-bottrop.de

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