Depots und Galerien fertig Baustellenbesichtigung in der Kunsthalle Hamburg

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BKL Hamburg. Die Depots sind fertig. Die große Wiedereröffnung ist für Ende April 2016 geplant. Die zurzeit wegen umfangreicher Sanierungsarbeiten teilweise geschlossene Hamburger Kunsthalle lud jetzt zu einer Baustellenbesichtigung ein.

Das Jahr 1923: Die Damen trugen Bubikopffrisuren, im Kino lief Charlie Chaplin, und in Berlin regierte Gustav Stresemann. Lang, lang ist es her. Im selben Jahr wurden auch die Depots der Hamburger Kunsthalle eingerichtet – und bis 2014 unverändert gelassen. Dass sie jetzt frisch renoviert und den aktuellen klimatechnischen Bedingungen angepasst wurden, ist einer Finanzierung durch die Hamburger Senatskanzlei zu verdanken.

Möglich wurde diese in nur zehn Monaten durchgeführte bauliche Maßnahme durch die Beharrlichkeit der Hamburger Kultursenatorin Barbara Kisseler. Alle ihre Vorgänger hatten seit 1988 immer wieder Anläufe gemacht, sich gegen den Sparkurs ihrer Senatskollegen durchzusetzen. Kisseler konnte erst überzeugen, nachdem der Mäzen und Einkaufscenter-König Alexander Otto vor rund einem Jahr bekannt gegeben hatte, dass er mit einer Spende von 15 Millionen Euro den Umbau der Kunsthalle finanziert. Da musste auch die Stadt was drauflegen.

Kunsthallendirektor Hubertus Gaßner präsentierte jetzt stolz die frisch eingerichteten neuen Depoträume. Moderne Schiebewände bieten auf 4100 Quadratmeter Hängefläche Platz für die Gemälde, die gerade nicht ausgestellt werden. Das sind rund 70 Prozent der Bestände. „Das hier ist die Schatzkammer der Stadt Hamburg“, freut sich Gaßner. Bisher standen nur 2800 qm Fläche auf veralteten, teils verrosteten Schiebewänden zur Verfügung. Viele Bilder standen einfach auf dem Boden. Jetzt kann Hamburg wieder im internationalen Leihverkehr mithalten.

So wichtig die Wiederherstellung der Depots auch ist – so gewöhnungsbedürftig sind die im Stechschritt durchgeführten Umbaumaßnahmen unter der Regie von Alexander Otto. Gewiss: Schon jetzt sind die ersten neu renovierten Galerien mit modernster Licht- und Klimatechnik, dezent farbigen Wänden und gebeizter Eiche fertig. Hier gewinnt Hamburg einen international vorzeigbaren Standard, der problemlos etwa mit dem 2013 wiedereröffneten Amsterdamer Rijksmuseum mithalten kann. Durchaus ein Gewinn.

Doch die undurchdachte Zentralisierung der Eingänge, die Errichtung eines neuen Foyers mit Kassenbereich und Bookshop und die Umwandlung des historischen Olympiasaals in einen Veranstaltungs- und Konzertsaal überzeugen weitaus weniger. Mit diesen Maßnahmen – die Eingänge der Galerie der Gegenwart, des Hubertus-Wald-Forums und des der Stadt zugewandten Lichtwark-Baus werden komplett geschlossen – wird die Kunsthalle zur hermetischen Trutzburg.

Doch Baumaßnahmen sind das eine. Es bleibt zu hoffen, dass nach der geplanten Wiedereröffnung Ende April 2016 auch im Ausstellungsbereich hohe Standards gelten werden. Was den zeitgenössischen Diskurs und innovative Ausstellungsformate angeht, wirkte Hamburg zuletzt gegenüber Kunststädten wie Frankfurt, Düsseldorf oder Wien stets ein wenig abgehängt. Immerhin – eine Kooperation mit der angesagten Berliner Musik-, Tanz- und Performanceplattform Radialsystem V ist fest geplant und lässt auf eine Öffnung in Richtung zeitgenössische und interdisziplinäre Formate hoffen. Infos: www.hamburger-kunsthalle.de


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