Künstler arbeiten am Kunstprojekt In Osnabrück entsteht „Konkret mehr Raum“

Von Dr. Stefan Lüddemann


Osnabrück. Ob am Heger Tor oder auf dem Rißmüllerplatz - in Osnabrück werkeln Künstler für „Konkret mehr Raum“. Die Ausstellung startet am 13. Juni 2015.

Rita Maria Rzyski schaut auf einen Sprung vorbei. Osnabrücks Kulturdezernentin muss zu einem Termin ins Rathaus. Am Heger Tor legt sie einen Zwischenstopp ein. „Jetzt kann ich sehen, dass es losgeht und dass es großartig wird“, sagt sie, während dicht neben ihr die Autos vorüberfahren. Dabei stehen für das Kunstwerk „Public Square“ erst die Gerüste. Schränke, Kisten, Küchengeräte stapelt Michael Johansson so in den Torbogen, dass nur noch eine kleine Passage übrig bleibt. Container und Absperrungen zeigen an, das hier eine Baustelle ist, eine Baustelle der Kunst.

Rüdiger Stanko hat für sein Werk das Publikum zur „Farbabstimmung“ gebeten. Worum geht es dabei? Hier der Hintergrund.

„So gefällt es mir. Es muss wirbeln“, sagt Kuratorin Elisabeth Lumme und hat dabei ein breites Lächeln im Gesicht. „Konkret mehr Raum“ heißt das Kunstprojekt, das ab dem 13. Juni in der Kunsthalle, dem Kulturgeschichtlichen Museum, im Felix-Nussbaum-Haus und im Stadtraum zu sehen sein wird. Der Titel ist Programm: Kunst soll Räume aufzeigen, wo sie sonst selten wahrgenommen werden, Räume, die durch neue Ideen entstehen.

„Schön, dass es jetzt endlich losgeht“, sagt auch Kunsthallen-Leiterin Julia Draganovic. Gemeinsam mit Elisabeth Lumme und Valerie Schwindt-Klevemann hat sie das Ausstellungsprojekt geplant. Seit gestern sind Künstlerinnen und Künstler in der Stadt, die ihre Werke vor Ort erarbeiten. Die Baustelle am Heger Tor ist derzeit der sichtbarste Blickfang des Kunstprojektes.

Pedro Cabrita Reis wird die Kunsthalle Osnabrück mit einer Lichtinstallation versehen. Hier der Ausblick auf das Projekt.

Auf dem Rißmüllerplatz erhebt sich bereits die Säule, die Rüdiger Stanko mit jenem farbigen Streifenmuster versehen wird, das er per „Farbabstimmung“ des Publikums gefunden hat. Handwerker errichten in den nächsten Tagen ein Baugerüst an der Kunsthalle. Dort montiert der portugiesische Installationskünstler Pedro Cabrita Reis seine „Gildewart Line“, eine Lichtinstallation, die sich in ihrer strikten Formensprache auf das Werk des Osnabrücker Konstruktivisten Friedrich Vordemberge-Gildewart (1899–1962) beziehen soll.

Die Kuratorinnen wirbeln derweil rund um die Uhr. Künstler betreuen, Werkaufstellungen besprechen, Kontakt zu jenen Firmen halten, die die Kunstprojekte logistisch unterstützen, Förderer gewinnen, Eröffnung vorbereiten. „Wir haben das Projekt lange geplant. Jetzt nimmt es Formen an“, sagt Julia Draganovic. Und der Gedanke an den Stress der nächsten zwei Wochen spielt dabei hörbar keine Rolle. Derweil macht sich Susanne Tunn in der Kunsthalle daran, die Fugen zwischen den Bodenplatten mit flüssigem Zinn auszugießen – eine Sisyphusarbeit. David Svoboda diskutiert mit Julia Draganovic die Form schwebender Tische, auf denen er seine Plastiken aufstellen will. Andreas Kotulla hat unterdessen schon die Linien seiner Wandzeichnung aufgebracht. Und im Innenhof der Kunsthalle stapelt sich Material. „Hier passiert etwas Spannendes. Alle haben Lust darauf“, sagt Julia Draganovic – bevor sie sich wieder den Künstlern zuwendet.

Susanne Tunn will das Bodenraster in der Kunsthalle mit flüssigem Zinn nachzeichnen. Hier der Bericht zu dem Projekt.

Info: www.konkret-mehr-raum.de