Helge Achenbachs Kunst wird versteigert Jetzt kommen Immendorffs Affen unter den Hammer



Düsseldorf. Das Auktionshaus Van Ham versteigert vom 17. bis 20. Juni 2015 den Kunstbestand von Helge Achenbach. Der Kunstberater war wegen Betrugs verurteilt worden.

Das Kölner Auktionshaus Van Ham wird rund 2000 Kunstwerke in Köln und Düsseldorf versteigern, die derzeit in einer schmucklosen Lagerhalle in Düsseldorf verstaut sind. Rekorderlöse wie kürzlich 180 Millionen Dollar für ein Gemälde Pablo Picassos dürften nicht zu erwarten sein. Ein für 120000 Euro geschätztes „Kissenbild“ des Malers Gotthard Graubner gilt schon als Spitzenwerk in dem breiten, aber über weite Strecken auch überraschend glanzlos bestückten Kunstwarenlager, das Helge Achenbach unterhielt. In den Katalogen finden sich sogar Mark Rothkos für 50 Euro - als simple Posterdrucke natürlich. Werke von Richter, Graubner, Penck, Baselitz, Immendorff und Beuys bilden das Rückgrat eines Bestandes, der zum Teil auch mit den Namen inzwischen weitgehend vergessener Künstler aufwartet. Nur jedes zweite Kunstwerk ist ein Gemälde oder eine Zeichnung. Der wegen betrügerischer Geschäfte mit Kunst zu sechs Jahren Haft verurteilte Achenbach hat auch viel Auflagenkunst gehortet.

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Das Auktionshaus erwartet einen Gesamterlös von bis zu 4,5 Millionen Euro. Nimmt man noch die bislang nicht publizierten Highlights hinzu, die laut Insolvenzverwalter Marc d´Avoine Ende Juni bei Sotheby´s in London versteigert werden sollen, wird ein Gesamterlös von rund sechs Millionen Euro erwartet. Das ist nicht viel, angesichts der Gläubigerforderungen gegen Achenbach, die sich auf einen zweistelligen Millionenbetrag belaufen werden. Bei der Auktion gehören aber schon zwei auf jeweils rund 60.000 Euro taxierte Ölbilder von Gerhard Richter zu den kostbaren Positionen. Die Namensliste liest sich ohnehin nicht schlecht. Neben Imi Knoebel, Jonathan Meese, Heinz Mack, Markus Lüpertz und Sol Lewitt findet sich vor allem Jörg Immendorff. Von ihm sind vor allem eine ganze Reihe von Bronzen mit Affen-Motiven dabei. Solche Kunstwerke zierten einst Achenbachs inzwischen geschlossene Düsseldorfer Szene-Treffs wie „Monkeys Island“. In diesem Punkt wirkt die Versteigerung jetzt wie der traurige Abgesang auf eine Ära, in der Helge Achenbach Kunst als Lifestyle unnachahmlich verführerisch zu inszenieren vermochte.

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Auch wenn der frühere Kunstberater bei prominenten Galerien wie Gargosian (New York), Maeght (Paris) oder Hans Mayer (Düsseldorf) und oft auch bei den Künstlern direkt gekauft hat - eine Kunstsammlung hat der Interessent nun allemal nicht vor sich. Der Bestand, der jetzt in zwei Katalogen aufgelistet ist, wirkt eher wie die Backlist eines Kunstausstatters, der Bilder für Privaträume oder Firmenfoyers auf kurzfristigen Abruf bereithielt. Wirklich kostbare Stücke haben sich nicht mehr in dem Lagerbestand gefunden. Ob Achenbach die über andere Wege veräußerte? Sein Bestand zeugt jedenfalls von einem Durchschnittsgeschmack für jeden Wunsch betuchter, aber konventionell denkender Kunden. Jessica Diamonds vergoldeter Bronzebarren für einen Schätzpreis von 800 bis 1200 Euro liefert diesem Bestand wie der Auktion das Titelbild - als Symbol eines Traumes vom schnellen Geld, der jetzt selbst verramscht wird.

Info: www.van-ham.com/


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